Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Wer Was Wo

Informationen rund um den Beruf des Fluglotsen.
Berufsprofil
In Deutschland bewegt sich kein Flieger, ohne dass nicht mindestens ein Lotse ein wachsames Auge auf ihn hat. Fluglotsen arbeiten entweder bei der DFS Deutsche Flugsicherung oder bei einem der 19 kleineren Regionalflughäfen, die als Arbeitgeber aber eine untergeordnete Rolle spielen. 1993 wurde die DFS aus der Bundesanstalt für Flugsicherung heraus privatisiert, Gesellschafter der GmbH ist aber nach wie vor der Bund, vertreten durch das Verkehrsministerium. Die Flugsicherung überwacht den deutschen Luftraum inklusive der bundesweit 17 internationalen Verkehrsflughäfen.

Tower-Lotsen lenken den Flugverkehr unmittelbar rund um die Flughäfen, haben in der Regel Sichtkontakt und instruieren die Piloten, wann, wie und wo sie zu starten und zu landen haben. Und das nicht nur sicher, sondern auch möglichst effizient.

Die besten Jobs von allen


Center-Lotsen sind bundesweit in den Kontrollzentren verteilt. Sie dirigieren alle Flieger, die nicht den Tower-Lotsen gehören, kreuz und quer über die Luftstraßen und fädeln startende und landende Maschinen in den Verkehr ein. Sie arbeiten ausschließlich via Radar, haben keinen Sichtkontakt.
Bei der DFS gibt es zurzeit 2.000 Lotsen, davon etwa 20 Prozent Frauen. Das Verhältnis Center- zu Tower-Lotsen liegt etwa bei 7:1. In den Regionalflughäfen sind rund 200 Lotsen beschäftigt.

Ausbildung
Die DFS ist mit ihrer Flugsicherungsakademie in Langen bei Frankfurt Monopolistin, was die Auswahl und Ausbildung von Fluglotsen angeht. Selbst die Regionalflughäfen lassen ihre Leute von ihr rekrutieren und – in einer abgespeckten Version – schulen. Die Lotsen-Ausbildung splittet sich in einen theoretischen Teil an der Akademie (zwölf bis 15 Monate) und ein Training-on-the-Job (zwischen acht und 18 Monate). Jährlich werden 170 Fluglotsen gesucht, davon 16 für den Tower. Weil viele auf den Tower wollen, bestimmt die Flugsicherung, wer wohin kommt. Der Clou: Die DFS gibt eine Einstellungsgarantie nach bestandener Prüfung.

Ausgebildet wird nur, wer den Eignungstest besteht – und der ist happig. Von 3.000 Teilnehmern bestehen rund zehn Prozent. Von denen schaffen aber dann auch die allermeisten den Weg in den Job. Nötige Voraussetzungen, um zum Test eingeladen zu werden: Abitur oder Fachhochschulreife, gute Englischkenntnisse, höchstens 25 Jahre alt, Männer müssen Bund oder Zivildienst hinter sich haben. Schulnoten sind absolut zweitrangig, Studienabbrecher hochwillkommen. Wer über die gesuchten Fähigkeiten verfügt, hat gute Chancen, den Test und im Job zu bestehen.

Qualifikation
Fluglotsen brauchen ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen und die Fähigkeit, viele Dinge gleichzeitig zu machen und im Auge zu behalten. Sie müssen Stress gut wegstecken und sich extrem konzentrieren können. Weil es beim Lotsen um Menschenleben geht, sind ganz klar Verantwortungs- und Selbstbewusstsein gefragt. Fluglotsen müssen gut Englisch sprechen(!) und gesund sein. Alle zwei Jahre geht’s zum Fliegerarzt. Bei mehr als +/– fünf Dioptrien ist für Brillenträger Sense, Farbenblinde und Hörgeschädigte scheiden ganz aus. Eine Portion technisches Verständnis muss sein. Schwer haben es in dem Beruf Einzelkämpfer und Charaktere, die eine Bühne für ihre Selbstdarstellung brauchen. Der Job ist stark teamorientiert.

Gehälter
Fluglotsen verdienen zwischen 8.400 und 11.500 Mark pro Monat. Hinzu kommen ganz ordentliche Schicht- und Feiertagszulagen. Der Verdienst richtet sich nach der Arbeitsbelastung, und die wird aus Einsatzort und -bereich abgeleitet. Während der theoretischen Ausbildung verdient ein angehender Lotse rund 1.300 Mark monatlich, im On-the-Job-Training 4.700 Mark plus Zulagen.

Karrierewege
Typische Karriereschritte gibt es bei den Lotsen nicht. Nach einigen Jahren Berufserfahrung kann man aber Ausbilder, Prüfer, Lehrer an der Flugsicherungsakademie oder Gruppenleiter werden. Fluglotsen dürfen nur bis zu ihrem 55. Lebensjahr als Lotsen arbeiten. Danach gehen sie in den Vorruhestand – und erhalten rund Dreiviertel ihres letzten Gehalts – oder arbeiten als Lehrer weiter. Wer vor 55 nicht mehr lotsen kann oder will, der kann in die Verwaltung oder die Akademie wechseln, sofern Stellen frei sind.

Aussichten
Fluglotse ist ein krisensicherer Job: Der Flugverkehr über Deutschland wird laut Hochrechnungen jedes Jahr um fünf bis sechs Prozent steigen. Die DFS sucht einigermaßen verzweifelt Nachwuchs, um diesem Aufkommen Herr zu werden. Schon jetzt tut sich das Unternehmen wegen Personalmangels schwer, die vor kurzem im Tarifvertrag festgeschriebene Arbeitszeit- und Pausenregelung umzusetzen. Ein bis zwei Stunden Arbeit, maximal drei, und dann eine halbe bis eine Stunde Pause, rät der Arbeitswissenschaftler Kastner. Von diesem Optimum ist man zurzeit noch weit entfernt.

Das Problem an dem Job: Wer sich einmal dafür entschieden hat, wird bei der Stange bleiben oder komplett umschulen müssen. Jenseits der DFS bleiben ?ausgestiegenen“ Fluglotsen nur die Regionalflughäfen oder einige wenige Beraterstellen bei den Fluggesellschaften. Job-Hopping, wie es in anderen Berufen möglich und üblich ist, ist als Fluglotse nicht drin.

Click
www.dfs.de
Deutsche Flugsicherung. Hier gibt es Infos rund um den Beruf, die Ausbildung und das Unternehmen. Unter ?Job/Fluglotse werden/Anforderungsprofil/Lotsenspiel“ kann man sein Potenzial für den Job schon mal testen: Die kleine Manövrieraufgabe hat es ganz schön in sich.

www.vdf-online.de
Verband Deutscher Flugleiter (VDF). Die Web-Site des Berufsverbands bietet neben Hardfacts viel Atmosphärisches: Was bewegt die Lotsen, worüber diskutiert man?
Dieser Artikel ist erschienen am 20.06.2001