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Wer soll das bezahlen?

Christoph Mohr
Ein MBA ist vor allem eines: teuer. Doch die Investition von oft 50.000 bis 100.000 Mark zahlt sich aus. Und wer lange genug sucht, findet auch Kredite und Stipendien.
Die Aussicht ist verlockend: Wer an einer renommierten Business School studiert, dem winken große Karriere und großes Gehalt. Doch zuerst einmal muss er viel Geld ausgeben: Ein Studium an der Wharton School in Philadelphia etwa, die derzeit als die beste Business School der Welt gilt, kostet 30.000 US-Dollar pro Jahr - allein an Gebühren. Insead, eine der drei besten europäischen Business Schools, verlangt 35.500 Euro.

Untersuchungen zeigen jedoch, dass sich das MBA-Studium an einer guten Schule auszahlt. Nach Insead-Angaben lagen die Grundgehälter von Absolventen, die nach ihrem Abschluss in Fontainebleau einen Job in Deutschland annahmen, zwischen 145.000 und 250.000 Mark, mit einem Durchschnitt bei 165.000 Mark. "Das Einstiegsgehalt nach dem MBA hat sich locker verdoppelt", sagt stellvertretend für viele Karl Koflach, der 1996 an der Rotterdam School of Management seinen Abschluss machte und danach bei der Unternehmensberatung Bain & Co. anheuerte.

Die besten Jobs von allen


Mehr Sinn für Basketball

Doch von der Hoffnung auf späten Lohn lebt es sich in der Gegenwart recht schlecht. Woher also das Geld für ein MBA-Studium nehmen? In den USA ist es üblich, einen Bankkredit (loan) aufzunehmen. In Deutschland ist das schwieriger: "Als ich bei einer Münchener Bank erzählte, ich sei in Amerika für ein MBA-Programm zugelassen worden und bräuchte einen Kredit, beglückwünschte mich der Sachbearbeiter, dass ich so gut Basketball spiele", berichtet Stephan Welzbacher. "Er hatte MBA für die US-Basketball-Liga gehalten".

Eine Umfrage von Junge Karriere bei knapp 50 Sparkassen bestätigt: Ein eigenes MBA-Kredit-Programm gibt es nirgendwo. Immerhin: "Auf Anfrage würden wir im Einzelfall auf Grundlage der Bonität des Kunden entscheiden", sagt Kirsten de Vos von der Sparkasse Mannheim. Bei der Landesbank Baden-Württemberg erklärt Rainer Hörtig: "Aktuell bieten wir noch keine besonderen Kredite für die Finanzierung eines MBA-Studiums an. Wir halten das Thema aber für hoch interessant und stellen auch Überlegungen für derartige Angebote an."

Fehlanzeige auch bei den großen Geschäftsbanken wie Commerzbank, Deutsche Bank oder HypoVereinsbank. Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley Dean Witter tun ebenfalls nichts, um MBA-Interessenten finanziell unter die Arme zu greifen. Ermutigender ist die Antwort von Sal. Oppenheim jr. & Cie. in Köln, Deutschlands größter Privatbank: "Bislang hat sich ein derartiger Sachverhalt bei uns nicht gestellt. Im Einzelfall wären wir jedoch durchaus bereit, hoch qualifizierte Studenten bei einem MBA-Studium zu unterstützen." Und die Frankfurter Privatbank B. Metzler seel. Sohn & Co. entwickelt zurzeit "ein eigenes Konzept zur Förderung von Studenten der besten Business Schools im In- und Ausland".

Kredite Marke Eigenbau

Nach dem Vorbild der US-Schulen bieten mittlerweile auch einige europäische Schulen eigene Kreditprogramme an. Zum Beispiel die London Business School (LBS): Sie ermöglicht über das zusammen mit der britischen Großbank HSBC aufgelegte "HSBC Bank-LBS loan scheme" die volle Finanzierung des MBA-Studiums und der in London sehr hohen Wohn- und Lebenshaltungskosten. Der Kredit zu einem Zinssatz von zwei Prozent über der so genannten "HSBC Bank sterling base rate", die derzeit bei sechs Prozent liegt, ist für LBS-Studenten aller Nationalitäten zugänglich.

Beispiel Insead: Für ein MBA-Studium in Fontainebleau oder Singapur zugelassene Studenten können bei der ABN Amro Bank einen Kredit aufnehmen, der die gesamten Studiengebühren, nicht aber die Wohn- und Lebenshaltungskosten deckt. Für diesen Kredit sind keine Sicherheiten oder Bürgen notwendig. Der Zins liegt drei Prozent über dem Euribor, dem günstigsten Geldmarktzins.

Wer an der Pariser ESSEC studiert, kann in den Genuss eines Darlehens der französischen Großbank Crédit Lyonnais kommen. Das Instituto de Empresa in Madrid hat ähnliche Vereinbarungen mit verschiedenen spanischen Finanzinstituten. Und für ein MBA-Studium am IMD in Lausanne gibt es den "IMD MBA Loan Fund", der bis zu 40.000 Schweizer Franken Kredit gewährt.

Studium für lau

Der kostengünstigste Weg zum MBA führt natürlich über Stipendien. Allerdings sind diese in Deutschland äußerst rar. Trotzdem sollte man alle Möglichkeiten prüfen. Eine gute Adresse ist beispielsweise der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in Bonn, die Gemeinschaftseinrichtung der deutschen Hochschulen zur Pflege der akademischen Beziehungen ins Ausland. Der DAAD vergibt selbst Stipendien, informiert aber auch über Programme anderer.

Erstaunlicherweise sind die Bewerberzahlen für MBA-Stipendien beispielsweise in den USA rückläufig. "Noch vor drei Jahren lag die Zahl der Bewerber bei 110, zuletzt nur noch bei 40", berichtet die zuständige DAAD-Mitarbeiterin Gabriele Knieps. Dabei ist die Erfolgsquote mit eins zu vier gar nicht schlecht.

Der DAAD organisiert auch treuhänderisch das Auswahlverfahren für das "Thomas-Petersen-Stipendium" der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, ein großzügig bemessenes Vollstipendium für ein MBA-Studium in den USA. Bewerbungsschluss für einen Studienbeginn im Herbst ist jeweils der 31. August des Vorjahres.

Die Fulbright-Kommission in Berlin und die Haniel-Stiftung in Duisburg vergeben Stipendien, die allgemein einen Studienaufenthalt in den USA unterstützen. Das Geld ist im Prinzip auch für ein MBA-Studium nutzbar, .umindest als Anschub- oder Teilfinanzierung. Allerdings können Fulbright-Stipendiaten die Business School nicht frei wählen.

Ein auf die Texas Christian University (TCU) in Fort Worth beschränktes Förderungsprogramm bietet die Carl-Duisberg-Gesellschaft, Köln, für junge Berufstätige. Mittlerweile haben so über 100 Deutsche in Texas ihren MBA machen können. Besonderheit: Die CDG fördert auch das Studium zum Bachelor als Vorstufe zum MBA.

Geldtöpfe an den Schulen

Es lohnt sich auch, an der jeweiligen Business School nach schulspezifischen Stipendien zu fragen. Die meisten US-Schulen vergeben "scholarships", die entweder nach Bedürftigkeit ("need") oder Leistung ("merit") gewährt werden. Auskünfte erteilt in der Regel das Office of Financial Aid.

Auch viele europäische Schulen bieten solche Hilfen an. Mehr als ein Dutzend verschiedener Stipendien gibt es beispielsweise an der London Business School - eine ganze Reihe von ihnen haben ehemalige Studenten gestiftet. Die Michael Smurfit Graduate School in Dublin verlangt für ein Vollstipendium allerdings ein GMAT-Ergebnis von mindestens 700 Punkten.

Manche Stipendien sind nicht an einzelne Schulen, sondern an spezielle Programme gebunden. So gibt es für den MBA in Luxury Brand Management an der Pariser ESSEC zwei 15.000-Euro-Stipendien von L'Oréal und Estée Lauder. Ausschließlich Frauen können am IMD in den Genuss eines 20.000-Franken-Stipendiums kommen. Die Universität St. Gallen gewährt Stipendien für den neuen Executive MBA New Media.

An der Darden Graduate School der University of Virginia werden angehende Jungunternehmer mit den "Batten Scholarships" gefördert. Vergleichbares gibt es auch beim Ashridge Management College in England: Wer sein MBA-Studium als Schritt in die berufliche Selbstständigkeit nutzen will, kann bis zu 50 Prozent der Studiengebühren erlassen bekommen.

Um europäische Kandidaten anzuziehen, haben einige amerikanische Business Schools besondere Stipendienprogramme aufgelegt. So steht in Darden das "Dean's European Scholarship" als Teil- und Vollstipendium zur Verfügung.

Finanzielle Hilfe gewähren mitunter auch die alten Herren: Die Deutsche Insead-Gesellschaft schreibt ein Stipendium für das sehr teure MBA-Studium in Fontainebleau oder Singapur aus. Und auch die deutschen Ehemaligen der McCombs School of Business in Austin finanzieren für diese texanische Business School ein Stipendium.

Eine Alternative zu dieser Form der Fremdfinanzierung ist die finanzielle Unterstützung durch den eigenen Arbeitgeber. Insbesondere die Unternehmensberatungen haben ein offenes Ohr für MBA-Interessenten. "Das Studium an einer guten Business School ist bei uns für viele junge Berater Teil der ganz normalen Fortbildung", sagt etwa Roland Berger, Chef des Münchener Consulting-Unternehmens.

Unternehmensgesponserte MBAs haben jedoch einen Nachteil: Sie binden an den Arbeitgeber. Wer also sein MBA-Studium als Sprungbrett begreift, das ihn von seinem jetzigen Arbeitsplatz wegbringen soll, für den kommt dieser Weg nicht in Frage.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.04.2001