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Wenn der Kunde zu Daniel Düsentrieb wird

Von Christine Koller
Dieser Input floss zum Teil in die Produktneuentwicklung ein und half uns, neue Trends zu identifizieren?, berichtet Birgit Rieder, Marketingservice-Managerin von Swarovski. Kunden online am Innovationsprozess zu beteiligen ? das ist für viele Firmen noch Neuland.
?Dieser Input floss zum Teil in die Produktneuentwicklung ein und half uns, neue Trends zu identifizieren?, berichtet Birgit Rieder, Marketingservice-Managerin von Swarovski. Sie sieht die virtuelle Kundeneinbindung ?als eine großartige Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit viele externe Ideen zu bekommen.?Kunden online am Innovationsprozess zu beteiligen ? das ist für viele Firmen noch Neuland. Wie eine Befragung der Wissenschaftlichen Hochschule Vallendar und der Universität Innsbruck unter 216 Innovationsmanagern ergab, nutzen weniger als ein Viertel das Medium, um Kunden in ihre Neuproduktentwicklung zu integrieren.

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?Allerdings nimmt die Nachfrage nach dieser Methode stark zu?, bestätigt Michael Bartl, der die Studie zusammen mit Johann Füller erstellt hat und einer der Partner des Dienstleisters Hyve ist. Hyve bietet Interaktionsplattformen im World Wide Web an. ?Immer mehr Firmen erkennen den Vorzug des Internets?, meint Bartl. ?Virtuelle Prototypen helfen Kunden, ihre Bedürfnisse leichter zu erkunden, Ideen einzubringen und Feedback zu geplanten Neuprodukten zu äußern.?Der US-Hersteller von Funktionstextilien Gore zum Beispiel nutzt das Internet als Nagelprobe, um die Kunden-Akzeptanz in einer frühen Phase der Produktneuentwicklung oder auf neue Märkte hin zu überprüfen, erzählt Richard Leckenwalder, zuständig für Entwicklung und neue Geschäftsfelder bei Gore. Nicht als Trendbarometer, sondern als Ideenpool sieht der Fensterspezialist Profine das Netz und hat dafür eine Seite (www.windowlab.de) eingerichtet.Ähnlich bedient sich der Automobilbauer BMW bei Pilotprojekten des Cyberspace. Über bestimmte Online-Fragestellungen sondiert er die Daniel Düsentriebs in seiner Community. ?Auf die Frage: Wie sollten Bedienelemente bei Nacht auf regennasser Straße positioniert werden? haben wir aus 1 000 Teilnehmern eine Hand voll so genannter Leaduser ausgewählt, die sich durch besonders pfiffige Ideen auszeichneten?, erklärt Jörg Reimann, Leiter Marketing Innovation bei BMW. Diese lud der Autobauer dann zum Kreativ-Workshop mit seinen Entwicklern ein.Lesen Sie weiter auf Seite 2:Nicht alle Firmen stehen der Ideenbörse Internet so vorurteilslos gegenüber.Nicht alle Firmen stehen der Ideenbörse Internet so vorurteilslos gegenüber. Mineralwasserproduzent Gerolsteiner Brunnen etwa denkt noch über eine externe Nutzung nach und setzt die Hyve-Plattform bislang nur intern zum Strukturieren und Bewerten innovativer Mitarbeiter-Gedanken ein, berichtet Sprecherin Anke Krüger. ?Sicher besteht eine gewisse Skepsis, durch virtuelle Kundenintegration möglicherweise Firmengeheimnisse auszuplaudern?, gesteht Bartl ein. Doch ließe sich dieses Risiko minimieren, in dem man Internetnutzer gezielt in ausgewählten Communities anspricht und Geheimhaltungsregeln vereinbart. Oder sie auf neutralen Websites ohne Nennung der Marke zum Ideenaustausch einlädt. Und dieser Ideenaustausch ist gewaltig, so die Einschätzung des Wirtschaftswissenschaftlers Dominik Walcher aus München, der unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in seiner Dissertation die Kundenintegration in Innovationsprozessen beim Sportartikelhersteller Adidas untersucht hat.Sein Fazit: Internetnutzer, die sich an Ideenwettbewerben beteiligen, sind sehr wissend: Zehn Prozent der Teilnehmer brüten sogar radikale, das heißt absolut neue Ideen aus. Außerdem, beobachtete Walcher, sind die Marken-Fans sehr motiviert und geben sich als Belohnung fürs Denken, Designen und Tüfteln bereits mit Feedback des Unternehmens zufrieden. Tatsächlich erhalten die teilnehmenden Kunden in der Regel kaum mehr als Informationen über das Neuprodukt oder mal einen Merchandizing-Artikel wie ein T-Shirt für ihr Gehirnschmalz.Das wird sich allerdings ändern, glaubt Bartl von Hyve: ?In fünf Jahren hat jedes Unternehmen den Mehrwert der virtuellen Kundeneinbindung erkannt. Und die Kunden können sich dann überlegen, wem sie ihr Ideenpotenzial vermachen ? gegen eine entsprechende Erfolgsbeteiligung oder produktbezogene Vergünstigungen, versteht sich.?
Dieser Artikel ist erschienen am 14.10.2005