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Weniger Papierkram für Selbstständige

Katja Stricker
Wer sich selbstständig macht - egal, ob hauptberuflich oder neben Studium beziehungsweise dem Erstjob - muss sich mit diversen Steuern, Buchhaltung und Sozialabgaben herumschlagen. Die wichtigsten Baustellen und geplanten Neuregelungen im Überblick:
Gewerbesteuer: Welche Steuern auf einen Selbstständigen zukommen, hängt davon ab, ob er als "Freiberufler" oder "Gewerbetreibender" durchgeht. Deshalb sollte jeder Gründer als erstes seinen Status klären. Zu den Freiberuflern gehören alle, die journalistisch, schriftstellerisch, unterrichtend, erziehend oder künstlerisch arbeiten. Klassische Berufsgruppen, die als Freiberufler gelten, sind daneben auch Ärzte, Rechtsanwälte und Notare, Ingenieure und Architekten, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sowie Dolmetscher und Übersetzer.

Freiberufler müssen beim Finanzamt nur ihre Tätigkeit angeben und bekommen eine Steuernummer. Alle anderen Selbstständigen müssen erst beim Ordnungsamt ihr Gewerbe anmelden und beim Finanzamt dann ebenfalls eine Steuernummer beantragen. Großer Nachteil: Gewerbetreibende müssen nicht nur Einkommensteuer, sondern auch Gewerbesteuer zahlen. Die bleibt Freiberuflern erspart

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Einkommensteuer: Existenzgründer und Kleinunternehmer sollen nach Plänen der Bundesregierung künftig ihren Gewinn vereinfacht ermitteln können. Danach können sie ihre jährlichen Einnahmen auflisten und dürfen davon pauschal die Hälfte als Betriebsausgaben abziehen. Weitere Buchführungspflichten entfallen. Bedingung für die neue, einfachere Regelung: Die Einnahmen dürfen im Gründungsjahr bei maximal 17.500 Euro liegen. Für die folgenden Jahre erhöht sich die Grenze auf 50.000 Euro. Die Steuervereinfachung soll rückwirkend ab dem 1. Januar 2003 gelten.

Umsatzsteuer: Die gleichen Einkommensgrenzen gelten auch für die Umsatzsteuerpflicht. Grundsätzlich sind Selbstständige verpflichtet, auf jede Rechnung Umsatzsteuer draufzuschlagen - und diese Mehreinnahmen regelmäßig, meist monatlich, ans Finanzamt weiterzuleiten. Vorher davon abziehen können sie die Mehrwertsteuer, die sie selbst gezahlt haben, zum Beispiel beim Kauf von Büromaterial, Büchern oder Computern.

Von der Umsatzsteuerpflicht kann sich befreien lassen, wer im Gründungsjahr beim Jahresumsatz unter 17.500 Euro und im Folgejahr unter 50.000 Euro bleibt. Eine Befreiung spart zwar eine Menge Papierkram, kostet aber auch die Möglichkeit, selbst gezahlte Mehrwertsteuer wieder reinzuholen

Sozialabgaben: Selbstständige müssen in der Regel keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Ausnahme: Einige Berufsgruppen, zum Beispiel Lehrer, Erzieher, Künstler, Pflegepersonal und Journalisten, sind aber auch als Selbstständige bei der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Als Beitrag müssen derzeit 19,5 Prozent des Honorars an die Rentenversicherung gezahlt werden.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.02.2003