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Weltweit Manager melken

Christoph Mohr
Als erste der führenden US-Business Schools macht die Fuqua School of Business an der Duke University aus ihren Manager-Programmen ein gewinnorientiertes Unternehmen. Wichtiger Zielmarkt ist Deutschland.
Haben Sie Ihre Seele verkauft, Professor Sheppard? Der Mann, der sein Leben lang jungen talentierten Menschen das Rüstzeug für ihre Karriere gab und nun mit Bildung für Manager viel Geld verdienen will, bleibt gelassen: "Wir sind jetzt 84 Seelen hier, und die wachsen und gedeihen."

Ein Exklusivinterview mit DukeCE-Chef Blair H. Sheppard finden Sie hier: Interview.
Seit wenigen Monaten ist Blair H. Sheppard Chef der Duke Corporate Education Inc., einem ausgegliederten Tochterunternehmen der Fuqua School of Business an der Duke University in Durham, North Carolina. Als einzige der führenden US-Business-Schools signalisiert Duke/Fuqua so offen, dass es nun darum geht, mit Bildung richtig Geld zu verdienen.

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Grundsätzlich sind Business Schools, selbst wenn sie Teil einer staatlichen Universität sind, kommerziell ausgerichtete, marktorientierte Institutionen. Doch auch bei Studiengebühren, die deutlich über 50.000 Mark liegen können, verdienen sie mit ihren MBA-Programmen im Allgemeinen kein Geld. Gewinne werfen hingegen die so genannten Executive-Education-Programme ab, mehrtägige bis mehrwöchige Fortbildungsprogramme für Manager, für die leicht 10.000 Mark pro Woche zu zahlen sind. Ein gutes, das heißt auf einer der einflussreichen Ranglisten gut bewertetes, MBA-Programm ist für eine Schule dennoch eine Notwendigkeit: Es dient als Aushängeschild und Qualitätsbeweis und erlaubt damit höhere Preise im Executive-Education-Bereich.

Aber die Duke University macht mit ihrem Schritt nicht nur öffentlich, was andere nur verschämt eingestehen, nämlich dass es bei Executive Education um Profit geht. DukeCE setzt darauf, dass hier ein lukrativer Markt mit großem Wachstumspotenzial besteht, der umgekehrt aber auch hohe Investitionen in Technologie und die Rekrutierung hoch qualifizierter Mitarbeiter notwendig macht. Das könne ein eigenständiges Unternehmen, an dem die Mitarbeiter beteiliegt sind, besser als eine Uni-Abteilung, meint Sheppard.

Damit Geld zu verdienen, ist für den "Jungunternehmer" kein moralisches Problem. Executive Education mache einzelne Unternehmen wettbewerbsfähiger. Dafür sollten diese dann auch selbst bezahlen - und nicht der Staat.

Was DukeCE bietet, sind maßgeschneiderte Managerprogramme, die sich an den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmenskunden ausrichten, ein Mix von Präsenzseminaren und Online-Angebot, das auf das pädagogisch-technologische Know-How der Schule, aber auch auf die Managementexperten der Fuqua School zurückgreifen kann. Was DukeCE nach Einschätzung von Sheppard jedoch einzigartig macht, ist die Fähigkeit, eine große Zahl von Managern eines Unternehmens zu schulen -Topmanager genauso wie das mittlere Management - und das weltweit. Vor genau dieser Herausforderung stünden viele Unternehmen heute, glaubt Sheppard: Unternehmen, die schnell wachsen und nicht genügend eigene Topmanager hätten wie in der Telekom- oder IT-Branche. Unternehmen, die sich auf Grund dramatisch veränderter Marktbedingungen schnell wandeln müssen wie Pharma-Konzerne oder Wirtschaftsprüfer. Oder Unternehmen mit überalterter Managementstruktur wie im Automobilbereich.

Schätzungen beziffern den weltweiten Markt an Managementfortbildung auf gewaltige 20 bis 50 Milliarden US-Dollar pro Jahr, mit Wachstumsraten von zehn bis 25 Prozent.

Ähnlich dynamisch sind die Wachstumsprognosen für DukeCE. Nach 13 Millionen US-Dollar Umsatz im laufenden Geschäftsjahr, rechnet Sheppard mit 32 Millionen im nächsten und 200 Millionen in fünf Jahren. Noch offen ist die Finanzierung dieses Wachstums. Gegenwärtig finanziert sich das Unternehmen über Bankkredite, für die 20 Prozent des Unternehmenskapitals als Sicherheit vermerkt sind. Bei der Suche nach potenziellen Kapitalpartnern brauche man aber nichts übereilen. Auch ein Börsengang ist für Sheppard prinzipiell denkbar.

Ein möglicher Finanzpartner wäre auch Siemens gewesen. "Über Jahre waren wir mit einem Umsatzanteil von 40 Prozent größter Executive-Education-Kunde von Duke", erklärt Udo Dierk, Leiter Managementlearning bei Siemens. "Bislang haben mehr als 600 Siemens-Mitarbeiter aller Hierarchiestufen Duke-Programme durchlaufen." Die Ausgründung von DukeCE habe sogar noch zu einer Verbesserung der Geschäftsbeziehung geführt: "Wir werden spürbar besser behandelt als vorher, und die Preisgestaltung ist flexibler geworden, ohne dass die Programme an Niveau verloren hätten."

Jedoch habe Siemens die strategische Entscheidung getroffen, sich bei der Managerfortbildung nicht mehr an eine einzige Business School zu binden. So arbeitet man heute insbesondere mit dem Babson College zusammen, das wegen der Qualität seiner Entrepreneurship-Programme bekannt ist. Und für Toplevel-Programme suche sich Siemens die führenden Experten an zahlreichen Business Schools selbst.

Ein weiterer wichtiger DukeCE-Kunde in Deutschland ist die Deutsche Bank, die auch als "politischer Geburtshelfer" für die Ansiedlung des Fuqua School "Cross-Continent-MBA"-Programms in Frankfurt fungierte. Auch hier sind die Erfahrungen positiv. "Auf einer Skala von null bis hundert würde ich unserer Zusammenarbeit die Punktzahl neunzig geben", erklärt Michael Svoboda, Chief Learning Officer und Leiter der Deutschen Bank University. Als man vor einigen Jahren eine führende US-Business-School als Partner für die Managementfortbildung suchte, habe nur Fuqua die notwendige Offenheit und Flexibilität besessen. "Wir kaufen nichts von der Stange", sagt Svoboda. Inhalte für wichtige Programme würden auch schon einmal von Deutsche-Bank-Vorstandschef Breuer direkt mit DukeCE diskutiert.

Trotz der auch menschlich engen Zusammenarbeit mit den Amerikanern wäre für Svoboda ein finanzielles Engagement als Kapitalpartner bei DukeCE ein zweischneidiges Schwert: "Ich bin mir nicht sicher, ob es die ideale Mischung wäre, Kunde und Aktionär zugleich zu sein." Diese Haltung ist jedoch auch von der Entwicklung der Deutsche Bank University selbst abhängig. "Wenn wir ein eigenständiges profitorientiertes Unternehmen am Markt werden, sähe die Situation schon anders aus."

Ein Exklusivinterview mit DukeCE-Chef Blair H. Sheppard finden Sie hier: Interview.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.04.2001