Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Welches Schweinderl hättens's denn gern?

Michael Kübbeler
Foto: Bob Heinemann
Die Kurslisten im Finanzteil der Zeitung können ein Aktien-Greenhorn heftig in Verwirrung stürzen: Tabellen, Abkürzungen, Zahlenkolonnen. Und dazwischen Unternehmen wie BMW, denen anscheinend eine Sorte Aktien nicht reicht, die gleich zwei im Umlauf haben. Zu welcher Variante soll ein Investor also greifen?
Die Kurslisten im Finanzteil der Zeitung können ein Aktien-Greenhorn heftig in Verwirrung stürzen: Tabellen, Abkürzungen, Zahlenkolonnen. Und dazwischen Unternehmen wie BMW, denen anscheinend eine Sorte Aktien nicht reicht, die gleich zwei im Umlauf haben. Zu welcher Variante soll ein Investor also greifen?

Für zwei BMW-Stammaktien gäbe es rein rechnerisch auch drei BMW-Vorzugsaktien. Aktie ist eben nicht gleich Aktie: In Bezug auf die Rechte, die ein Aktionär hat, unterscheidet man Stammaktien und Vorzugsaktien. Hinsichtlich der Übertragung dieser verbrieften Rechte auf andere Aktionäre gibt es Inhaberaktien und Namensaktien.

Die besten Jobs von allen


Grundsätzlich erwirbt der Aktionär mit dem Wertpapier ein Anteilsrecht an der Aktiengesellschaft. Dies beinhaltet beispielsweise das Stimmrecht auf der Hauptversammlung, das Recht auf eine Dividende und den Bezug junger Aktien bei einer Kapitalerhöhung.

Stammaktien, kurz "Stämme", sind die in Deutschland mittlerweile gebräuchlichste Aktienform. Der Stammaktionär hat auf der Hauptversammlung der AG volles Stimmrecht. Eine Dividende ist ihm allerdings nicht sicher. Erwirtschaftet das Unternehmen keinen Gewinn, sieht es mit der Belohnung für den Aktionär schlecht aus.

Die Vorzugsaktien genießen gegenüber den Stämmen besondere Vorzüge: Der Aktionär kann sich in der Regel über eine Dividende freuen, auch wenn der Gewinn mager ausfällt oder ganz ausbleibt. Dafür hat er auf der Hauptversammlung nichts zu sagen.

Dass die Kursentwicklung bei einer der beiden Aktienarten prinzipiell positiver ausfällt als bei der anderen, kann man leider nicht sagen. Mal gehen Vorzüge besser, mal Stämme. Den aktivsten Handel gibt es zumindest immer bei derjenigen Aktiensorte eines Unternehmens, die in einem Index wie dem Dax geführt wird. Institutionelle Investoren wie Fondsgesellschaften kaufen bevorzugt Stämme, da sie mehr an der Mitgestaltung der Firmenpolitik interessiert sind als an einer gesicherten Dividende. Neue-Markt-Unternehmen dürfen gar keine Vorzugsaktien ausgeben.

Der Markt ist momentan im Umbruch. Die Vorzüge verschwinden zunehmend vom Kurszettel. Vor kurzem wandelte SAP seinen kompletten Vorzüge-Bestand in Stämme um. Grund sind Europäisierung und Globalisierung der Finanzmärkte. Angelsächsische Anleger kennen in ihren Breitengraden keine Vorzugsaktien. Deshalb orientieren sich deutsche Firmen allmählich an den internationalen Gepflogenheiten. Vor allem institutionelle Anleger kaufen zurzeit gerne Vorzüge, sofern sie billiger sind als die Stämme, um später bei einer Umwandlung in den Genuss "wertvollerer" Aktien zu kommen.

Während sich Stämme und Vorzüge in den Rechten des Aktionärs unterscheiden, liegen die Differenzen bei Inhaber- und Namensaktien in der Art der Übertragung des Papiers: Die verbrieften Rechte einer Inhaberaktie können, wie der Name schon sagt, vom jeweiligen Inhaber geltend gemacht werden. Bei Kauf oder Verkauf erfolgt die Übertragung durch Einigung und Übergabe, die Namen der Vertragsparteien werden nicht festgehalten.

Namensaktien dagegen sind auf eine bestimmte Person ausgestellt, deren Name im Aktienbuch des Unternehmens eingetragen ist. Nur mit diesem Vermerk kann ein Aktionär auch seine Rechte wahrnehmen. In einigen Fällen sind gesetzliche Vorschriften Grund für die Wahl der Namensaktie. Beispiel Lufthansa: Nach dem Luftverkehrsnachweissicherungs-Gesetz muss die Hälfte aller Aktien in deutschem Besitz sein. Um dies zu gewährleisten, wird jeder Lufthansa-Aktionär gespeichert.

Eine "verschärfte" Form dieser Aktienart ist die vinkulierte Namensaktie, wie sie Allianz oder Münchener Rück ausgeben. Deren Eigentumsübertragung wird nur mit Zustimmung der AG wirksam. Damit versuchen sich die Unternehmen vor unliebsamen Übernahmen zu schützen.

Waren in den vergangenen Jahren Inhaberaktien gängig, ist auch hier eine Trendwende zu beobachten: Immer mehr AGs wandeln ihre Inhaberaktien in Namensaktien um. Die Unternehmen versprechen sich davon einen besseren Kontakt zum Anleger - ganz im Sinne des "Shareholder-Value"-Gedankens. Der Aktionär selbst hat davon keine nennenswerten Vorteile.

Dieser Artikel ist erschienen am 23.07.2001