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Weiterbildung 2003 - Die neuen Bedingungen

Silke Doering
Seit dem ersten Januar 2003 ist es für Bildungswillige im Zuge der Hartz-Gesetze schwieriger geworden an einer Weiterbildungsmaßnahme teilzunehmen. Schwieriger - aber nicht unmöglich.
In den vergangenen Jahren war die Bundesagentur für Arbeit in punkto Weiterbildung äußerst spendabel. Jedoch brachten die Weiterbildungen für zahlreiche Teilnehmer weder Berufsein- noch aufstieg. Rund 450.000 Arbeitslose begannen im Jahr 2001 eine Weiterbildung, 30% von ihnen standen nach sechs Monaten noch immer ohne Job da. Kurzum: Hohe Kosten für die Bundesanstalt für Arbeit, kein Nutzen für viele Teilnehmer. Das soll sich durch die Hartz-Gesetze ändern. Werner Marquis, Pressesprecher für das Landesarbeitsamt NRW, erklärt: " Es bringt nichts, weitere Bürofachkräfte auszubilden, wenn bereits Tausende aus dem Bereich auf der Straße stehen."

Bildungsgutscheine von der Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit geht bei der Vergabe von Weiterbildungen nun rigider vor: Erst wenn keine zumutbaren Jobangebote mehr vorliegen, ermittelt ein Berater der Bundesagentur für Arbeit in einem sogenannten Profilinggespräch, ob eine Weiterbildung sinnvoll ist. Kommt der Berater zu dem Schluss, dass dem Arbeitslosen eine Weiterbildung zu einem Job verhilft, stellt er ihm einen Bildungsgutschein aus. Der Gutschein legt die Bildungsziele fest, den zeitlichen Rahmen und die Region, wo die Weiterbildung stattfinden soll. Bei der Auswahl eines geeigneten Bildungsträgers ist der Inhaber allerdings auf sich gestellt.

Die besten Jobs von allen


Wie finde ich den richtigen Anbieter?

Auf der Suche nach einer geeigneten Weiterbildung kann der Besitzer des Gutscheins auf von der Bundesagentur für Arbeit getestete Anbieter zurückgreifen. Im Internet unter http://www.arbeitsamt.de/cgi-bin/aoWebCGI?kurs und in den Filialen der Bundesagentur für Arbeit kann man sich in der Datenbank KURS über das Angebot informieren.

Doch es geht auch anders: Ina Wolter, 32 und Rechtsanwältin, war arbeitslos. Die Bundesagentur für Arbeit finanzierte ihre Weiterbildung zur Personalmanagerin. Den Anbieter fand Wolter ohne fremde Hilfe. Über eine Anzeige wurde sie auf die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) aufmerksam. "Anfangs hatte ich bei der Vorstellung, noch einmal die Schulbank drücken zu müssen, Bedenken. Das war dann aber dank des abwechslungsreich gestalteten Lehrplans kein Problem," erzählt Ina Wolter. Die Maßnahme habe ihr geholfen, sich für den Markt zu qualifizieren. Sie absolvierte eine achtmonatige Theorieausbildung mit einem anschließendem viermonatigem Praktikum beim Mobilfunkanbieter E-Plus. Der Erfolg der Weiterbildung spricht für sich: E- Plus stellte Ina Wolter als Personalreferentin ein

Schwarze Schafe erkennen

Nicht alle finden einen geeigneten Kurs so schnell wie Ina Wolter. Hilfe bieten Weiterbildungsstellen wie Lernende Regionen und die IHK. Sie beraten Interessenten und vermitteln von ihnen qualifizierte Bildungsträger. Unter http://www.wis.ihk.de/wisraMain.asp hat die IHK eine Suchmaschine eingerichtet, die das Finden einer Maßnahme erleichtert.

Alle, die auf Nummer Sicher gehen wollen, sollten unter anderem folgende Punkte beachten:

Checkliste

· Ob ein Anbieter seriös ist, kann sich bereits beim ersten Kontakt herausstellen. Ist der Ansprechpartner oder das Sekretariat nur schwer erreichbar, ist das schon ein schlechtes Zeichen.

· Die Qualität eines Kurses ist unter anderem an der Teilnehmerzahl erkennbar: Die Qualität leidet, wenn über 25 Teilnehmer vorgesehen sind oder der zeitliche Rahmen zu eng gesteckt ist. Ina Wolter: "In unserem Kurs saßen noch nicht einmal 10 Teilnehmer. Das war optimal!

· Weiterhin sollten ausreichende Informationen zu den Gesamtkosten vorliegen, damit der Interessent einen Preisvergleich vornehmen kann. Marita Sofuoglu, Leiterin der Lernenden Region Netzwerk Köln, rät: "Informieren Sie sich und vergleichen sie! Berücksichtigen Sie dabei eventuelle Zusatzkosten wie Anmeldegebühren, Prüfungsgebühren, Materialkosten und Auslagen für begleitende Literatur."

· Vor Beginn der Maßnahme muss außerdem bereits klar sein, wie das Zeugnis aussieht. Darin sollten die Lehrgangsdaten, die Inhalte, konkrete Angaben zur Person und die Zertifizierung enthalten sein.

Ausführliche Checklisten liegen in den Filialen der IHK aus und sind im Internet zu finden. Zum Beispiel auf den Seiten des Bundesinstituts für Berufsbildung unter http://www.bibb.de/forum/checkliste/checkliste.pdf .
Dieser Artikel ist erschienen am 30.04.2003