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Weihnachten ist für Chefs nicht lustig

Von Claudia Tödtmann, Handelsblatt
Kein Mitarbeiter braucht mit den lieben Kollegen Weihnachten zu feiern, wenn er nicht will. ?Die Dienstpflicht, eine Betriebsfeier zu besuchen, gibt es nicht?, erklärt Rechtsanwalt Hans- Peter Löw von Lovells in Frankfurt. Karrieretechnisch gesehen ist es meist jedoch günstiger, zu erscheinen.
?Wer solchen Unternehmens- Höhepunkten fern bleibt, sollte bedenken, welch schwer wiegende Signale er damit setzen könnte?, warnt Unternehmensberater Andreas Wurst von Czipin & Proudfoot in München. Dass er auf dem Absprung ist und ihm der Betrieb egal ist, zum Beispiel. Kurz, er könnte in den Ruf kommen, illoyal zu sein.

Doch nicht nur die Eingeladenen, besonders die Vorgesetzten in der Rolle als Gastgeber sollten das Thema Weihnachtsfeier ernst nehmen. Zum Beispiel die Ansprache: Arbeitsrechtler Marcel Grobys von Lovells in München berichtet von einem Fall, in dem ein Unternehmenslenker der versammelten Mannschaft verkündete: ?Das Jahr war wunderbar, nur der Betriebsrat hat uns mehrere hunderttausend Euro gekostet.? Solch eine ? vielleicht launig gemeinte ? Äußerung fällt in die Kategorie Beleidigung und darf nicht sein. ?Dies wurde immerhin höchstrichterlich entschieden?, berichtet Grobys.

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Darüber hinaus haben Chefs auf Betriebsfesten ungeahnte Pflichten gegenüber ihren Mitarbeitern. Sie tun deshalb gut daran, die Kontrolle zu behalten. Grobys: ?Wenn der Arbeitgeber einlädt, hat die Weihnachtsparty automatisch dienstlichen Bezug und ihm obliegen als so genanntem Veranlasser echte Fürsorgepflichten.?

Sollte die Party ausufern und es kommt zu Handgreiflichkeiten, muss der Chef einschreiten und notfalls sogar die Polizei holen. Dies gilt umso mehr, wenn die Mitarbeiter betrunken sind und der ausgeschenkte Alkohol eine gewisse Rolle spielt. Grobys Rat: ?Auf Schnaps und andere hochprozentige Getränke sollten Unternehmen am besten verzichten und sie sogar ausdrücklich verbieten.? Derlei patriarchalische Pflichten hat er auch, wenn ein Kollege den Damen an die Wäsche geht und ? gegen ihren Willen ? zudringlich wird.

Glaubt ein Chef nun, er könne sich aus der Verantwortung stehlen, indem er einfach verschwindet, irrt er. Die spanische Fliege machen ist sinnlos. Jedenfalls, wenn er sich damit um seine Fürsorgepflicht als Arbeitgeber gegenüber seinen Leuten drücken will. ?Es ist wie bei einem Kapitän, der darf auch nicht einfach die Brücke verlassen?, vergleicht Arbeitsrechtler Löw. Sein Rat: Mindestens ein verlässlicher leitender Angestellter sollte bis zum Schluss da bleiben und die Party überwachen.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.12.2003