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Wehret den schlechten Anfängen

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Der erste Satz eines Anschreibens ist immer der schwerste. Kein anderer Teil der Bewerbung macht Jobsucher so ratlos wie er. Wir haben zehn Vorschläge für starke Einstiege zusammengestellt - und fünf, die in den Papierkorb gehören. Vorstellungsgespräch: Fünf Klassiker - und wie Sie am geschicktesten darauf reagieren.
Tipps zum Vorstellungsgespräch


Gute Einstiege: Greifen Sie den Anzeigentext auf: "Sie verlangen viel von Ihren Beratern, schreiben Sie in Ihrer Stellenanzeige. Das trifft sich gut, denn auch ich verlange viel von mir. Mein Examen habe ich mit Bestnoten abgeschlossen...

Rufen Sie vorher an: "Vielen Dank, dass Sie sich gestern am Telefon so viel Zeit für mich genommen haben. Wie ich in unserem Gespräch erwähnte, habe ich durch meine Arbeit in einer studentischen Unternehmensberatung - zuletzt als Projektleiterin - bereits viel Berufserfahrung gesammelt."

Die besten Jobs von allen


Lesen Sie Zeitung: "Sie möchten Ihr Energiegeschäft in Südeuropa ausbauen - das las ich heute im Handelsblatt. Ich möchte Sie bei diesem Vorhaben unterstützen: Als Wirtschaftsingenieur mit Berufserfahrung bei spanischen und italienischen Kraftwerkbetreibern biete ich Ihnen..."

Horchen Sie Freunde aus: "Von einer Mitarbeiterin Ihrer Marketingabteilung erfuhr ich, dass Sie eine neue Kosmetiklinie für Frauen im besten Alter planen. Als Vertriebsexpertin mit Spezialgebiet Generation 50plus möchte ich meine Erfahrungen auf diesem Zukunftsmarkt gerne in Ihrem Unternehmen einbringen."

Nutzen Sie Beziehungen: "Ihr Kollege Dr. Kurt Lehmann aus dem Privatkundenbereich war bereits so freundlich, mich Ihnen als Kreditmanager zu empfehlen. Bei der XY Bank habe ich nach meinem mit sehr gutem Erfolg abgeschlossenen Studium der Betriebswirtschaft erste Berufserfahrung im Risk Management gesammelt."

Betonen Sie Ihre Qualifikationen: "Als promovierter Historiker und Germanist mit Spezialgebiet mündliche Überlieferung möchte ich bei der ,Biografie-Agentur' gerne mein Talent zum Zuhören und Schreiben einsetzen.

Stellen Sie Ihre Berufserfahrung heraus: "Seit drei Jahren arbeite ich als Konferenzmanagerin bei einem der größten Unternehmen der Branche. In dieser Zeit habe ich...

Ziehen Sie das wichtigste Detail aus dem Lebenslauf: "Als Eventmanagerin für das Fünf-Sterne-Hotel Rosenhagen in Luzern habe ich in den letzten fünf Jahren Großveranstaltungen vom Ärztekongress bis zur Fürstenhochzeit organisiert.

Weisen Sie auf Schwerpunkte hin: "Electronic Commerce, Informationsmanagement und Logistik sind die Schwerpunkte meines Studiums der BWL, das ich im vergangenen Monat mit der Note 1,3 abgeschlossen habe."

Plaudern Sie Aus dem Arbeitsalltag: "Sie brauchen einen stressresistenten Helpdesk-Mitarbeiter? Mich kann kein Anruf mehr aus der Fassung bringen. Alle Katastrophen des Informatikeralltags habe ich bereits erlebt - von "Ich fürchte, ich habe gerade unser Intranet gelöscht" bis hin zu "Hilfe, der Server brennt!" - und löse Ihnen auch die kniffligsten IT-Probleme."

Schlechte Einstiege:

Achtung, jetzt kommt eine Bewerbung: "Hiermit bewerbe ich mich um die Stelle als Sales Manager, die Sie am 18. November in der Süddeutschen Zeitung ausgeschrieben haben." - "Hiermit" ist Beamtendeutsch. Alle Infos ("Bewerbung als Sales Manager - Ihr Angebot in der Süddeutschen Zeitung vom 18. November 2006") gehören in die Betreffzeile. Und nur dorthin

Hurra, Ich kann lesen: "Mit großem Interesse habe ich Ihr Stellenangebot bei monster.de gelesen." - Gähn! Der erste Satz einer Bewerbung sollte das stärkste Argument enthalten. Dieser hier beschreibt eine Selbstverständlichkeit

Sie genügen meinen Ansprüchen: "Ihr Stellenangebot entspricht meinen Vorstellungen." - Das ist schön. Hier geht es aber nicht darum, ob die Stelle Ihren Vorstellungen entspricht. Der Arbeitgeber will wissen, ob Ihre Qualifikationen seinen Vorstellungen entsprechen. Darüber sollten Sie schreiben

Ich schleime gerne: "Seit vielen Jahren verfolge ich die Entwicklung der Brett & Bohr KG mit ihrem anspruchsvollen und breiten Tätigkeitsfeld. Ich bin mir sicher, dass ich bei Ihnen als Weltmarktführer wertvolle Erfahrungen sammeln kann." - Machen Sie sich nicht lächerlich. So was geht nur, wenn Sie schon als Kind zwischen den Werkbänken dieses Unternehmens herumgekrochen sind

Ich Frag ja nur: "Darf ich mich Ihnen vorstellen?" - Das verzweifelte "Bitte nicht!" des Personalers würden Sie sowieso nicht hören. Also sparen Sie sich das Gefloskel

Britta Domke

Die ersten Minuten im Vorstellungsgespräch sind immer die leichtesten. Wirklich? Der Smalltalk um Anfahrt, Getränke und Wetter kann mit entscheiden über top oder hopp. Hier fünf Klassiker - und wie Sie am geschicktesten darauf reagieren

"Nehmen Sie bitte noch einen Moment Platz, der Herr Huber wird gleich hier sein":
Viele Personaler vertrauen auf die Menschenkenntnis ihrer Sekretärin und fragen sie nach ihrer Einschätzung eines Bewerbers. Lautet das Urteil "Wirkte auf mich mufflig und arrogant", ist das Rennen unter Umständen gelaufen. Bevor es also zum Chef reingeht, wechseln Sie ruhig ein paar nette Worte mit der Assistentin, aber fragen Sie sie nicht aus. Hier dürfen Sie auch eine kleine Schwäche zugeben: "Ich bin ganz schön nervös." Vermutlich ringen Sie ihr damit ein Lächeln und ein paar beruhigende Worte ab - und schon ist das Eis gebrochen

"Haben Sie gut hergefunden?":
Nicht besonders originell als Einstiegsfrage, aber immer noch der beliebteste erste Satz nach der Begrüßung. Tappen Sie jetzt bloß nicht in die Geschwätzigkeitsfalle. Den Personaler interessiert es einen feuchten Kehricht, ob Sie Ihren Bahnanschluss verpasst haben oder Ihr Navigationsgerät auf halber Strecke den Geist aufgegeben hat. Selbstverständlich haben Sie sich gut vorbereitet und souverän hergefunden. Und so fällt Ihre Antwort kurz und immer positiv aus: "Ja, danke schön. Die Anfahrtskizze auf Ihrer Homepage war sehr hilfreich." Oder augenzwinkernd: "Ganz problemlos. Ihre Firmenzentrale leuchtet ja schon von weitem in der Sonne.

"Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?":
Das Angebot auf jeden Fall dankend annehmen! Ein Vorstellungsgespräch kann durchaus zwei Stunden dauern, und davon reden Sie idealerweise 70 Prozent der Zeit. Das macht einen trockenen Mund. Kaffee und Mineralwasser dürften für die meisten Unternehmen kein Problem sein. Wenn Sie Tee- oder Cola-Trinker sind, wird's schon schwieriger. Versuchen Sie, so wenig Umstände wie möglich zu machen, und nehmen Sie, was angeboten wird. Alkohol geht - klar - gar nicht. Wenn Sie beim Wasser die Wahl haben, entscheiden Sie sich für die stille Quelle. Aufstoßen kann peinlich sein

"Ganz schön heiss/kalt/nass heute":
Der Klassiker schlechthin. Auch wenn es Spannenderes gibt, als über das Wetter zu reden: Nutzen Sie diese Chance, sich als sympathischer Mensch zu präsentieren, der auch über Nichtigkeiten nett parliert. Der Trick dabei: Gehen Sie nicht nur auf die Feststellung ein, sondern erzählen Sie auch etwas über sich persönlich - positiv, versteht sich. Zum Beispiel: "Ja, endlich richtiges Winterwetter! Ich habe meiner Nichte versprochen, am Samstag mit ihr rodeln zu gehen, da darf es jetzt ruhig kräftig schneien." Aber damit sollte es auch genug sein. Das Thema Wetter ist schließlich nur Aufwärmübung

"Ich habe gesehen, Sie haben auch BWL in Köln studiert. Wie geht es denn Professor Holland?":
Eine solche Frage ist ein wahres Geschenk. Wer Gemeinsamkeiten entdeckt - sei es die gleiche Uni oder das gleiche Hobby -, der entwickelt Sympathien für seinen Gesprächspartner. Darauf lässt sich aufbauen, denn Chefs verlieren ihr Pokerface, wenn der Bewerber im gleichen Golfclub spielt. Haben Sie jedoch keine Ahnung, wie es Professor Holland geht, dann geben Sie das ruhig zu. Aber erklären Sie, warum - etwa, weil Sie einen anderen Studienschwerpunkt gewählt haben. Tun Sie auf keinen Fall so, als seien Sie Hollands Liebling gewesen. Schwindeleien fliegen ganz schnell auf. Und es soll Personaler geben, die die Glaubwürdigkeit eines Bewerbers überprüfen, indem sie einen Namen erfinden. Wer hier eifrig behauptet: "Ja, den kenne ich gut", kann gleich einpacken

Britta Domke
Dieser Artikel ist erschienen am 02.01.2007