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Wege Zum Doc

Promotionsordnungen studieren.
Fachhochschulen haben kein Promotionsrecht, und das bleibt auch künftig so. Ergo können FH-Absolventen ihre Doktorarbeit nur an einer Universität schreiben. Ob eine Uni Doktoranden mit FH-Diplom aufnimmt, steht in der Promotionsordnung der jeweiligen Fakultät. Die Hochschulrektorenkonferenz gibt ein Sammelwerk heraus, das die Regelungen sämtlicher Fachbereiche an Unis von A wie Aachen bis W wie Würzburg enthält

Promotionsmöglichkeiten für FH-Absolventen. Sammlung der einschlägigen Bestimmungen aus den Promotionsordnungen der Universitäten. Hrsg. Hochschulrektorenkonferenz, Heinrich-Bock-Verlag, Bad Honnef 2001, 29,90 Euro

Die besten Jobs von allen


Einen Schlag Service mehr setzt Ansgar Keller von der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft drauf: Der Autor prüft die Promotionsordnungen von 60 Universitäten - geordnet nach zehn Fächergruppen mit über 20 Einzelfächern - auf FH-Freundlichkeit. Kriterien sind beispielsweise, ob das FH-Diplom schlechter als "sehr gut" sein darf und wie viele Leistungsnachweise verlangt werden.

Promotionsmöglichkeiten von Fachhochschulabsolventen an Universitäten. Ansgar Keller, Berlin 2002, 14,80 Euro, für Studenten 7,40 Euro, zzgl. Versandkosten. Zu bestellen unter 0 30.50 19-22 83 oder steinbeis@fhtw-berlin.de

Elchtest bestehen

Promotionswillige FHler dürfen sich von diesem Wortmonster nicht aus der Bahn werfen lassen: "Eignungsfeststellungsverfahren". Zu Deutsch: Bevor Kandidaten mit der Doktorarbeit loslegen, müssen sie zwei bis vier Semester Veranstaltungen an der Uni besuchen und Leistungsnachweise bringen. Die Bestimmungen sind unterschiedlich strikt. In einigen Promotionsordnungen ist das Verfahren genau festgelegt. Andere überlassen es dem Fachschaftsrat, im Einzelfall zu entscheiden. Parallel können Kandidaten mit ihrer Dissertation beginnen.

Doktorvater suchen

Die FH-freundlichste Promotionsordnung nützt nichts, wenn sich kein Uni-Prof bereit erklärt, die Doktorarbeit zu betreuen. Für die akademische "Community" gilt genauso wie für andere Zünfte: Vitamin N hilft.

FH-Studenten sollten die Netzwerke ihrer Professoren nutzen. Denn die haben an Universitäten promoviert und wissen, wer auf welchem Gebiet forscht. Zeitpunkt, die Fühler nach zwei, drei möglichen Doktorvätern auszustrecken, ist das Hauptstudium. Faustregel: Je forschungsfreudiger ein Lehrstuhl, desto weniger sind die Professoren auf externe Doktoranden angewiesen. Eine Bewerbung an der Münchener Uni der Bundeswehr ist daher eventuell aussichtsreicher als an der Ludwig-Maximilians-Uni. Eine Übersicht über die Promotionsquoten von Lehrstühlen gibt es im Internet.

www.dasforschungsranking.de

Gestatten, mein Thema und ich

Ob mit oder ohne persönliche Empfehlung - das Forschungsthema muss zu den Steckenpferden des potenziellen Betreuers passen. Das Exposé sollte die Fragen beantworten: Warum dieses Projekt an diesem Lehrstuhl? Wie ist der Stand der Forschung? Gliederung, Literaturverzeichnis und ein Zeitplan gehören ebenfalls in das Schreiben. Lebenslauf, Zeugniskopien und persönliche Referenzen vermitteln ein erstes Bild vom Bewerber. Im persönlichen Gespräch gilt es dann, sich zielstrebig und eigenständig zu zeigen

Wer soll das bezahlen?

Für ein bis zwei Jahre "Eignungsfeststellungsverfahren" plus rund drei Jahre Doktorarbeit müssen die Finanzen stehen. Eine Beschäftigung an der Universität ist selten drin. Wer vorhat, neben dem Job seine Dissertation zu schreiben, sollte überlegen, ob und wie sich das verträgt. Alternativ bieten sich verschiedene Förderungsmöglichkeiten. Bayerische Unis vergeben Stipendien an FHler, die sich für die Doktorarbeit qualifizieren.

Auch Baden-Württemberg unterstützt Absolventen von Fachhochschulen und Berufsakademien während des Eignungsfeststellungsverfahrens. Info beim Wissenschaftsministerium unter 07 11.2 79-33 38

Eine Reihe von Stiftungen greift Doktoranden unter die Arme.

Friedrich-Ebert-Stiftung, 02 28.88 30,

Konrad-Adenauer-Stiftung, 0 22 41.2 46-4 77

Friedrich-Naumann-Stiftung, 03 31.70 19-4 10.

Cusanuswerk, 02 28.9 83 84-35,

Evangelische Studienwerk, 0 23 04.7 55-2 18

Studienstiftung des Deutschen Volkes, 02 28.82 30 96-0.

Einen Überblick über die größten Geldgeber gibt die Serie Stipendien in den vorigen drei Ausgaben von Junge Karriere. Bestellung unter 01 80.2 78 27 82

Alternative Auswandern

An britischen Universitäten bleibt FHlern die Nachqualifizierung oft erspart. Betreut werden die Doktoranden von einem Professor an ihrer Fachhochschule in Deutschland. Regelmäßig reisen sie zum ausländischen Doktorvater. Auch möglich: Wohnsitz verlegen und Doktorarbeit im Rahmen eines Graduiertenprogramms im Ausland schreiben. Infos über Partnerunis geben die Fachbereiche und die akademischen Auslandsämter an der heimischen FH. Zur Anerkennung von ausländischen Titeln informiert die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen der Kultusministerkonferenz

zab@kmk.org

Promotionen im Ausland fördert der Deutsche Akademische Austauschdienst

www.daad.de

Dieser Artikel ist erschienen am 28.03.2003