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Wechsel unter Landsleuten

Von Oliver Stock
Jürgen Dormann tritt als Verwaltungsratschef bei ABB zurück. Doch die Gemeinde der deutschen Spitzenmanager in der Schweiz wird dadurch nicht kleiner. Dennoch bleibt der 66-Jährige den deutschen Kreisen in der Schweiz voraussichtlich erhalten - Kaffeebaron Klaus Jacobs wartet auf ihn und sähe Dormann gerne bei Adecco an der Spitze.
ZÜRICH. Man kennt sich, man schätzt sich, man lässt sich nicht im Stich: Die Gemeinde der deutschen Spitzenmanager in der Schweiz ist groß und reicht von Alteingesessenen wie ABB-Präsident Jürgen Dormann bis zu Neuzugängen wie Thomas Limberger, der seit gestern übrigens nicht nur Chef des Industrieunternehmens Oerlikon, sondern auch Spitzenmann beim inzwischen übernommenen Textilmaschinenhersteller Saurer ist.Dormann wird sich nun ebenfalls verändern. Nach dem Ablauf seiner Amtszeit Anfang Mai 2007 will er nicht mehr für sein Amt zur Verfügung stehen. Dennoch bleibt der 66-Jährige den deutschen Kreisen in der Schweiz voraussichtlich erhalten: Klaus Jacobs, ehemaliger Kaffeebaron aus Norddeutschland und derzeit Verwaltungsratspräsident und Großaktionär beim Zeitarbeitsunternehmen Adecco, hatte bereits früher im Handelsblatt angekündigt, dass er Dormann, der derzeit bei Adecco sein Stellvertreter ist, gerne an der Spitze des Gremiums sähe. Dort könnte Dormann genau eine Woche nach seinem Abgang bei ABB auf der Generalversammlung gewählt werden.

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In der ABB-Konzernzentrale hat Dormann ein Porträt in Öl verdient. Er übernahm dort das Ruder im Jahr 2002. Kollegen fragten sich damals, warum ein Pharmaboss wie Dormann, der mit Hoechst und Rhône-Poulenc gerade eine Fusion erfolgreich über die Bühne gebracht hatte, den Feuerwehrmann spielen wollte. ABB hatte zu der Zeit in sechs Jahren drei Chefs erlebt. Der Konzern hatte sich in eine unübersichtliche Zahl von Tätigkeiten verheddert. Dazu kamen ein unkalkulierbares Risiko wegen schwebender Asbestklagen und ein Skandal um Millionenpensionen.?Ich bin so erzogen und so strukturiert, dass ich mich in einer solchen Situation gefordert fühle?, sagte Dormann und wurde ABB-Chef und Verwaltungsratspräsident in einer Person. Was sich im Nachhinein als Herkulesaufgabe herausgestellt hat, gelang: ABB ist aus der Krise. Bei Adecco dürfte es ruhiger werden. Dort hat Jacobs die Krise selbst gemanagt.Im vergangenen Jahr gab Dormann die operative ABB-Führung an den Liechtensteiner Fred Kindle ab, der sich angesichts der Dormann-Entscheidung gestern beeilte, lobende Worte zu finden: ?Sein Mut, in schwierigster Zeit Verantwortung zu übernehmen, und seine außergewöhnliche Amtsführung waren maßgeblich für die erfolgreiche Wende.? Der Technologiekonzern, bei dem der schwedische Industrielle Jacob Wallenberg mit rund neun Prozent Großaktionär ist, werde jetzt intern und extern nach einem Nachfolger suchen. ?Der Pass?, sagte ein Sprecher, ?ist dabei egal.?
Dieser Artikel ist erschienen am 12.12.2006