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Was studieren Sie eigentlich... Christoph Graebel?

Aufgezeichnet von Claudius Nießen
Dichten auf Diplom. Christoph Graebel, 21, studiert Schriftstellerei im dritten Semester. Zur Leipziger Buchmesse (20. bis 23. März) geben die Studenten des Deutschen Literaturinstituts Leipzig ihre Textsammlung "Tippgemeinschaft" heraus. Auf der Messe haben sie einen Stand.
Meistens sage ich einfach: Ich studiere Literatur. "Künstlerischer Studiengang Literatur am Deutschen Literaturinstitut der Uni Leipzig mit den Schwerpunkten Prosa, Lyrik, Dramatik und Neue Medien" ist zu lang. Und viele können sich darunter nichts vorstellen. Ich sage den Leuten dann, das ist wie Schauspielschule. Nur nicht fürs Schauspielen, sondern fürs Schreiben. Gut ist, dass die Dozenten selbst alle Schriftsteller sind. Zum Beispiel Josef Haslinger und Hans-Ulrich Treichel. Die sind immer da. Dazu kommen dann wechselnde Gastdozenten: Sten Nadolny, Chris-toph Hein, Michael Lentz.

Das Besondere am Studium sind die Werkstattseminare. Zu jeder Sitzung bringt ein Kommilitone einen eigenen Text mit. Den können die anderen sich eine Woche vorher aus dem Seminarfach holen. Ich selbst schreibe meistens kürzere Prosatexte, Gedichte sind nicht so mein Ding. In den Sitzungen geht es dann um Inhalt, Erzählperspektive, Stil. Oft feilen wir an verzwickten grammatikalischen Feinheiten, die den Sinn eines Textes verschieben.

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Ich versuche bei den Textbesprechungen so viele Anregungen wie möglich aufzuschnappen. Zu Hause setze ich mich hin und überarbeite meine Geschichten. Die Kritik ist meistens konstruktiv, aber trotzdem kommt man manchmal recht zermatscht aus dem Seminar. Während des Studiums habe ich gemerkt, dass mir das Drehbuchschreiben sehr gefällt. Richtung Film zu gehen, ist für mich auch ein Berufsziel. Ich glaube nicht, dass unser Diplom als Eintrittskarte in die Schriftstellerei reicht. Unter den 50, 60 Studenten am DLL ist bestimmt keiner, der nur dieses Diplom will. Was zählt, ist die Arbeit an den eigenen Texten. Und dafür ist das Literaturinstitut eine gute Schule. Eine ganze Reihe Absolventen hat schon veröffentlicht. Juli Zeh kennt inzwischen jeder.

Infos zur Bewerbung und Studententexte unter www.deutsches-literaturinstitut.de
Dieser Artikel ist erschienen am 20.03.2003