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Was Rundes gefällig

Adidas wird dank der WM mit Fußballartikeln mehr als eine Milliarde Euro umsetzen. Doch die Franken verfolgen ein höheres Ziel: Sie wollen den Erzrivalen Nike überholen und Weltmarktführer im Sportartikelgeschäft werden. Als Ausrüster der deutschen Elf verkaufen sie die offiziellen Trikots. Ausgestattet mit Hauptsponsorenrechten, darf der Sportartikelhersteller auf alle Fußballartikel das WM-Logo drucken.
Die schlechte Nachricht zuerst: Der Ball ist gar nicht rund. Das hat mit Physik zu tun. Druck und Schwingungen verformen das angebliche "Runde" und machen es zum flatternden Risiko für den Keeper. Die gute Nachricht folgt sogleich: Der Ball wird immer runder. Woher wir das wissen? Pünktlich zur WM in Deutschland stellt der Turniersponsor Adidas den neuen Matchball vor. "Teamgeist" heißt er, wiegt 441 Gramm. "Der rundeste Ball der Fußballgeschichte", verspricht Christian Kaminski.

Der Adidas-Produktmanager und seine 30 Mannschaftskollegen - Ingenieure, Designer, Betriebswirte, Marketingleute - haben den Ball "Teamgeist" in drei Jahren entwickelt. Er schlingere kaum mehr, sagen die Entwickler, er lasse sich leichter annehmen und 30 Prozent präziser wegbolzen, was wohl mehr der filigranen brasilianischen als der grobmotorischen deutschen Spielweise helfen dürfte.

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Vor allem lässt sich der Wunderball besser verkaufen. 15 Millionen Stück will Adidas in diesem Jahr absetzen, mehr als bei den letzten Welt- und Europameisterschaften zusammen. Das Verkaufsziel ist realistisch, es gab bereits kurze Lieferengpässe. Dabei ist der Ball nur ein Produkt unter vielen, mit denen die Erben Adi Dasslers derzeit Kasse machen. Als Ausrüster der deutschen Elf verkaufen sie die offiziellen Trikots. Ausgestattet mit Hauptsponsorenrechten, darf der Sportartikelhersteller auf alle Fußballartikel das WM-Logo drucken.

Mit solchen Fußballprodukten plant Adidas für 2006 erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz. Etwa so groß ist auch der Betrag, den Adidas in das Marketing pumpt. Mit intensiven Werbe-Aktivitäten zum Turnier will man die weltweite Bekanntheit der Drei-Streifen-Marke erhöhen. Der Konzern aus der fränkischen Provinz will Nike den Weltmeistertitel im Sportartikelgeschäft abknöpfen. Im Fußballgeschäft ist Adidas schon seit Jahren die Nummer eins, wohl auch deshalb, weil der Ball für die Fußballweltmeisterschaften seit 1970 aus Herzogenaurach kommt. Das Unternehmen erfand das klassische Design mit weißen Sechs- und schwarzen Fünfecken, verklebte erstmals Kunststoff statt Leder und produzierte so den ersten Wasser abweisenden WM-Ball.

Gold für Deutschland
Die Adidas-Entwickler haben "Teamgeist" harten Tests unterzogen - im fränkischen Labor, an einer Londoner Universität und im Hause Fifa. Kaminski war einer der Ersten, die den Ball über den unternehmenseigenen Rasen treten konnten. Anschließend durften die Profis des AC Mailand ran: "Die bemerken jede technische Veränderung", sagt Kaminski. Wenn ein Ball mit 0,9 statt 1,0 Bar gefüllt sei, beschwerten sich Spitzensportler.

"Stellen die Profis fest: Hoppla, der neue Ball ist ja viel besser als der alte, dann hast du als Hersteller gewonnen." Viel Lob für "Teamgeist" gab es zuerst von David Beckham, was aber kein Wunder ist, weil der Kapitän der englischen Nationalelf bei Adidas unter Vertrag steht. Torwart Oliver Kahn fand den Ball elegant und ausgewogen im Design. Der letzte WM-Ball wurde dagegen als zu bunt gescholten.

Die Ball-Macher haben bei der Gestaltung auf Tradition gesetzt. Schwarz-Weiß, wie die deutsche Nationalelf seit jeher auftritt, sind die Grundfarben. Hinzu kommt ein Goldton an den Rändern der Kunststoffstücke, der auf den WM-Pokal hinweisen soll. Grundsätzlich soll sich das Gastgeberland im Design des Matchballs wiederfinden. Deswegen druckte Adidas zur WM in Frankreich die Trikolore auf, zur Italien-WM war es der etruskische Löwenkopf.

Plan B realisiert
"Das klingt alles schön und einfach", meint Christian Kaminski zur Entstehungsgeschichte des Designs. Dabei hätten die Adidas-Kollegen monatelang in Meetings und Brainstormings über den streng geheimen Entwürfen gesessen und diskutiert - von der Team-, über die Abteilungsleiter- bis hin zur Vorstandsebene.

Dasselbe galt für den Namen des Matchballs, der erstmals nach einer Eigenschaft benannt wurde. "Teamgeist" soll das Erfolgsrezept beschreiben, mit dem Deutschland den Titel holen will. Dabei ist dieser Name nur ein B-Plan. Eigentlich wollte Kaminski den Ball anders nennen. Wie, verrät er nicht. Nach neuneinhalb Monaten der Prüfung war der favorisierte Produktname von einem Patentamt abgeschmettert worden, weil ihn irgendjemand auf der Welt schon verwendete. Zu diesem Zeitpunkt war in Thailand die Produktion bereits angelaufen. Gut, dass drei Namensvorschläge auf dem Tisch lagen, "und um die haben wir gekämpft".

Für Kaminski ist die Weltmeisterschaft jetzt schon gelaufen. Seit der Vorstellung des Matchballs im Dezember tüftelt der 30-Jährige an den Bällen für Champions League und UEFA-Cup. Auch erste Ideen für den Fußball zur Europameisterschaft 2008 hat er in der Schublade. Doch beim Anpfiff der WM 2006 am 9. Juni wird er in der Münchener Arena sitzen und schauen, wie sich sein Baby schlägt. Dann will er wissen, ob der Ball wirklich nicht rund ist

Zum karriere-Urteil

Florian Willershausen

Dieser Artikel ist erschienen am 30.06.2006