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Was Rhesusaffen stark macht

Wer hat die Kokosnuss geklaut? Wenn es ums Fressen geht, werden Rhesusaffen zu Sozialschweinen. Hat einer Futter gefunden, stürzen sich die anderen auf ihn, um einen Teil der Beute abzugreifen. Der Finder muss daher abwägen, ob er mit dem "Futter-Ruf" die Verwandten anlocken soll.
Wer hat die Kokosnuss geklaut? Wenn es ums Fressen geht, werden Rhesusaffen zu Sozialschweinen. Hat einer Futter gefunden, stürzen sich die anderen auf ihn, um einen Teil der Beute abzugreifen. Der Finder muss daher abwägen, ob er mit dem "Futter-Ruf" die Verwandten anlocken soll

Aber auch Schweigen ist nicht immer Gold: Wird ein Rhesusaffe erwischt, wie er das Futter klammheimlich verdrückt, setzt es Prügel. Ehrliche Finder dagegen werden seltener angegriffen und bekommen größere Stücke ab. Rhesusaffen müssen also abwägen, ob sie ihren Fund melden. Meist lohnt es sich allerdings zu kooperieren

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Was Manager lernen können

Auch Mitarbeiter neigen dazu, die Kokosnüsse - sprich: ihr Wissen und ihre Ideen - lieber für sich zu behalten, als sie mit den Kollegen zu teilen. Auf der Strecke bleiben Teamgeist und Unternehmens-Know-how. Gute Chefs drohen in diesem Falle nicht mit Prügeln, sondern fördern die Kooperation auf subtilere Weise. Statt die Egoisten zu bestrafen, belohnen sie faire Teamplayer mit materiellen Anreizen oder der Aussicht auf einen Karrieresprung.

Wer es umsetzt

"Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß", war lange Zeit ein geflügeltes Wort bei dem Technologiekonzern. Dank Joachim Döring, Leiter der Strategieabteilung im Festnetzbereich ICN, weiß Siemens jetzt, wie Mitarbeiter in München und Malaysia ihr Wissen kurzfristig austauschen können. Vor fünf Jahren initiierte der noch nicht mal 30-Jährige das ShareNet, ein internes System für Wissensmanagement - zunächst nur bei ICN, später, mit Rückendeckung von Siemens-Chef Heinrich von Pierer, im gesamten Konzern.

Das Erfolgsrezept: Handfeste Belohnungen fördern die Bereitschaft der Mitarbeiter, ihr Wissen weiterzugeben. Für jeden Beitrag gibt es virtuelles Geld, so genannte "Shares", vergleichbar den Bonusmeilen bei Fluggesellschaften. Wer genug Shares gesammelt hat, kann sie in Sachwerte wie Handys, Laptops und Reisen eintauschen. Zudem wird jeder Beitrag im ShareNet mit Namen versehen, so dass sich jede Idee zu ihrem Urheber zurückverfolgen lässt - auf dass sich kein Kollege mit fremden Kokosnüssen schmückt.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.03.2004