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Was Piranhas stark macht

Vergessen Sie alles, was Sie über Piranhas wissen. Die Raubfische mit dem messerscharfen Gebiss sind keineswegs entfesselte Killermaschinen, wie James-Bond-Filme uns glauben machen wollen. Stattdessen beherzigen sie Omas Sinnspruch "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not".
Vergessen Sie alles, was Sie über Piranhas wissen. Die Raubfische mit dem messerscharfen Gebiss sind keineswegs entfesselte Killermaschinen, wie James-Bond-Filme uns glauben machen wollen. Stattdessen beherzigen sie Omas Sinnspruch "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not". Das hat der Verhaltensforscher Richard M. Fox bewiesen, der zwei Piranhas in ein Aquarium mit 25 lebenden Goldfischen steckte.

Von wegen wüste Fressorgie: Die Piran-has hielten Maß und verspeisten jeden Tag einen Goldfisch, den sie auch noch brüderlich untereinander aufteilten. Den übrigen Goldfischen bissen die Piranhas gleich zu Beginn die Flossen ab. So blieben diese zwar lebendig und frisch, konnten aber nicht mehr wegschwimmen - Vorratshaltung à la Piranha sozusagen.

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Was Manager lernen können

Wer zu viel frisst, den bestraft das Leben. Er wird müde, behäbig, unaufmerksam und eine leichte Beute für Feinde. Das gilt auch für Unternehmen. Bevor sie sich einen dicken Brocken einverleiben, durch Fusion etwa, sollte die Führungsriege klären, ob die Mahlzeit überhaupt zu verdauen ist. Denn bläst in der "Verdauungsphase" ein Konkurrent zur Attacke, fehlt dem angegriffenen Unternehmen die Kraft, sich zu wehren. Schon manchen Vielfraß - siehe den französischen Misch- und Medienkonzern Vivendi - hat der scheinbare Erfolg an den Rand des Ruins geführt.

Maß halten bedeutet jedoch nicht, dass Manager ihre ehrgeizigen Ziele herunterschrauben müssen. Es reicht schon, wenn sie ein vernünftiges Zielmanagement betreiben und sich die großen Brocken einteilen. Ist die Tagesration Goldfisch gefressen, können sie ihre Ressourcen für wichtigere Dinge einsetzen.

Wer es umsetzt

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hätte in den letzten Erfolgsjahren sicher den einen oder anderen Sportwagenhersteller übernehmen können. Aber als wahrer Piranha fürchtete er, sich an einem zu großen Fisch zu verschlucken. "Wir würden Geld zum Fenster rauswerfen, wenn wir uns auf dem Markensektor verzetteln", findet er. Aus eigener Kraft zu wachsen, sei mühsamer, aber letzten Endes nachhaltiger. Auch in der Produktion steckt Wiedeking klare Ziele, vermeidet Überkapazitäten: "Es ist besser, ein Auto weniger zu bauen, als der Markt verlangt, als eines zu viel." Die Strategie hat sich bewährt: Porsche ist heute der profitabelste Autobauer der Welt.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.03.2004