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Was netto bleibt

Ulrike Heitze, Bernhard Köstler
Steuerreform und Alterseinkünftegesetz bescheren den Bundesbürgern 2005 ein deutliches Plus auf dem Konto - wären da nicht die steigenden Abzüge für Gesundheit und Pflege. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick.
"Mehr Gerechtigkeit. Die Steuerreform." Mit diesem Slogan wirbt die Regierung derzeit, um endlich wieder mal in der Bevölkerung zu punkten. Und in der Tat, durch die letzte Stufe der Steuerreform und das neue Alterseinkünftegesetz werden Arbeitnehmer 2005 mehr übrig haben - einige sogar spürbar. Zumindest nominell. Denn was Hans Eichel gibt, wird von Ulla Schmidt für unsere Gesundheit gleich wieder genommen. Das erwartet Singles und Paare im neuen Jahr:Steuerreform
Der Eingangssteuersatz sinkt von derzeit 16 auf 15 Prozent. Spitzenverdiener müssen ab 2005 "nur noch" 42 statt bisher 45 Prozent ihres zu versteuernden Einkommens an den Fiskus abtreten. Dieser Steuersatz wird wie gehabt bei Ledigen ab 52.152 Euro und bei Verheirateten ab 104.304 Euro fällig. Besserverdienende profitieren am stärksten von der Reform.

Steuereingangsschwelle
Der Verdienst, bis zu dem keine Steuern gezahlt werden müssen, der so genannte Grundfreibetrag, liegt 2005 wie im Vorjahr bei 7.664 Euro zu versteuerndem Einkommen für Ledige und 15.328 für Ehepaare.

Alterseinkünftegesetz
Ab Januar gelten für die Besteuerung von Renten und Altersvorsorgebeiträgen völlig neue Spielregeln: Stufenweise werden Rentner ihre monatlichen Einkünfte demnächst versteuern müssen - von 50 Prozent in 2005 bis zu 100 Prozent in 2040. Gleichzeitig können Berufstätige ihre gesetzlichen wie privaten Altersvorsorgebeiträge unterschiedlich stark steuerlich geltend machen. Die Absetzbarkeit steigt über die Jahre in Zwei-Prozentschritten. Schon 2005 kann jeder Steuerzahler 12.000 Euro steuerfrei in verschiedene Altersvorsorgeprodukte fließen lassen.

Policen-Besteuerung
Wer ab 2005 eine Kapitallebensversicherung oder eine private Rentenversicherung abschließt, muss bei Fälligkeit mindestens die Hälfte der Erträge (= ausgezahltes minus eingezahltes Kapital) mit seinem dann geltenden Steuersatz versteuern. Läuft die Police mindestens zwölf Jahre und ist der Sparer bei Auszahlung 60 oder älter, zählen 50 Prozent der Erträge, sonst 100 Prozent.

Direktversicherungen
Arbeitnehmer, die in eine vor 2005 abgeschlossene Direktversicherung einzahlen, können bis Juni zwischen neuer und alter Besteuerung wählen. Voraussetzung: Die Police sieht eine Rentenzahlung oder ein Wahlrecht zwischen Rente und Kapitalauszahlung vor. Rührt sich ein Versicherter nicht, so sind seine Beiträge nach neuem Recht pro Jahr bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (2004 West: 5.200 Euro monatlich/62.400 jährlich, Ost: 4.400/52.800 Euro) steuerfrei, und die spätere Rente aus der Police muss voll versteuert werden.

Will er das neue Verfahren nicht, so muss er bis 30. Juni ein Veto beim Chef einlegen. Dann gilt weiter altes Recht, wonach jährliche Einzahlungen bis zu 1.752 Euro pauschal mit 20 Prozent besteuert und bei den späteren Auszahlungen nur der Ertragsanteil besteuert werden.

Welche Variante sinnvoller ist, hängt von der aktuellen und künftigen Einkommens- und Vermögensstruktur ab. Steuer- oder Versicherungsfachleute können dies ausrechnen. Tendenziell lohnt sich für Besserverdienende, die auch im Alter mit höheren Einkünften rechnen, eher die alte Pauschalbesteuerung. Bei alten Direktversicherungen, die nur eine Kapitalauszahlung vorsehen, gelten automatisch die Pauschalbesteuerung und die spätere Steuerfreiheit im Alter weiter.

Kranken- und Pflegeversicherung
Die Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung wurde für 2005 auf 3.900 Euro brutto monatlich (2004: 3.862,50) beziehungsweise 46.800 Euro Jahresbrutto (bisher 46.350 Euro) angehoben. Wer mehr verdient, darf in die private Versicherung wechseln oder als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben. Privat Versicherte, die durch die neue Grenze wieder in die Versicherungspflicht rutschen würden, können sich auf Antrag, aber unwiderruflich befreien lassen.

Pflegezuschlag
Kinderlose, die gesetzlich krankenversichert und älter als 24 sind, büßen ab 1. Januar einen Teil der Steuerentlastungen wieder ein: Sie zahlen zusätzlich 0,25 Prozentpunkte ihres Bruttoeinkommens in die Pflegeversicherung, als "Strafe", dass sie keinen Nachwuchs gezeugt haben, der später die Sozialkassen füllt. Der neue Zuschlag wird für alle Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 3.525 Euro monatlich beziehungsweise 42.300 Euro pro Jahr berechnet. Für Gutverdiener ergeben sich so Zusatzausgaben von bis zu 110 Euro jährlich.

Zahnersatz und Krankengeld
Weiterer Steuerreform-Killer: Ab Juli müssen gesetzlich Versicherte für ihren Zahnersatz und ihr Krankengeld 0,9 Prozentpunkte ihres Einkommens mehr berappen. Die Kassenbeiträge sollen zwar in gleichem Maße sinken, aber das bleibt erst einmal abzuwarten. Und selbst wenn, würde diese Entlastung gleichmäßig auf Arbeitgeber und -nehmer verteilt, was für den Arbeitnehmer unterm Strich immer noch ein faktisches Beitragsplus von 0,45 Prozentpunkten bedeutet - für Gutverdiener bis zu 224 Euro mehr Kosten pro Jahr.

Zahnersatz-Pauschalen
Die Kosten für Kronen und Brücken von gesetzlich Krankenversicherten werden ab 2005 nicht mehr prozentual übernommen. Stattdessen gibt es einen Festbetrag nach medizinischem Befund - egal, ob sich eine Standard- oder Luxusbehandlung anschließt. Wer fleißig zur Vorsorge geht, kann aber via Bonusheft weiter bis zu 30 Prozent Zuschüsse erhalten.

Gläserner STeuerzahler
Ab April tritt das Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit in Kraft. Dann können Finanzamt und Sozialbehörden im kollektiven Datenpool recherchieren, wo ein Steuerzahler Konten unterhält. Voraussichtlich ab 1. Juli melden außerdem die EU-Staaten sowie die Schweiz und Luxemberg Zinsen von Steuerausländern weiter. Interessant für die Beamten ist dabei nicht nur die ordentliche Versteuerung der Zinsen, sondern vor allem, woher das Kapital im Ausland stammt.

Selbstständige
Unternehmen und Freiberufler sind ab Januar verpflichtet, ihre Umsatzsteuervoranmeldungen sowie Lohnsteuerangelegenheiten via Internet oder CD-ROM an die Finanzbehörden zu schicken. Papier- und Faxmitteilungen sollen nur noch in absoluten Ausnahmefällen und auf Antrag zugelassen werden.

Arbeitszimmer
Für Berufstätige und Selbstständige, die ein Arbeitszimmer steuerlich absetzen wollen, hat das Finanzministerium in einem aktuellen Schreiben (IV B 2 - S 2145 - 7/04, vom 14.9.2004) eine unschöne Neuerung versteckt: Bislang können Ehegatten, die sich ein Arbeitszimmer teilen, beide bis zu 1.250 Euro steuermindernd geltend machen. Ab 2005 wird sich das ändern: Dann wird der Betrag nicht mehr personen-, sondern objektbezogen ausgelegt, das Paar muss sich die Summe aufteilen. Ausweg: Einen weiteren Raum in der Wohnung zum Arbeitszimmer machen.



Die besten Jobs von allen

Dieser Artikel ist erschienen am 25.01.2005