Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Was IT-ler drauf haben müssen

Karin Umlauff
Trotz Konjunkturflaute und Entlassungen in der New Economy: Mit der richtigen Qualifikation sind Informationstechnologen auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor heiß begehrt. Besonders dann, wenn sie neben einem breiten Basiswissen Spezialkenntnisse besitzen. Für Quereinsteiger dagegen scheinen sich die Chancen zu verschlechtern.
Trotz Konjunkturflaute und Entlassungen in der New Economy: Mit der richtigen Qualifikation sind Informationstechnologen auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor heiß begehrt. Besonders dann, wenn sie neben einem breiten Basiswissen Spezialkenntnisse besitzen. Für Quereinsteiger dagegen scheinen sich die Chancen zu verschlechtern.

Wer heute in der IT-Branche zu den Top-Leuten gehören möchte, muss mehr zu bieten haben als noch vor einem Jahr. Um einen gut bezahlten Job zu bekommen, reichen ein paar Semester Informatik oder eine Weiterbildung in Programmiersprachen kaum noch aus. "So langsam trennt sich auf dem IT-Arbeitsmarkt die Spreu vom Weizen. Vor allem die großen Traditionsunternehmen suchen wieder verstärkt nach Mitarbeitern mit abgeschlossenem Hochschulstudium und Berufserfahrung", stellt Klaus Töpfer fest, der beim Recruiting-Veranstalter Career Company die Vorauswahl der IT-Kandidaten trifft. "Dort sind hoch qualifizierte Leute gefragt, die neben einem fundierten Basiswissen und einer analytischen Denkweise Spezialkenntnisse mitbringen."

Bewerber sollten die gängigen Software- und Web-Programmiersprachen, Datenbanken, Netzwerke und Betriebssysteme kennen. Sie müssen wissen, welche Möglichkeiten in den einzelnen Programmen und Tools stecken - egal, ob sie eine Stelle als Software-Entwickler, Datenbankprofi oder Consultant suchen. Ob ein Bewerber besser in Java oder in C++ programmieren kann oder bislang mehr auf Unix als auf Windows gearbeitet hat, ist dagegen für die meisten Großunternehmen eher nebensächlich.

Die besten Jobs von allen


Beste Chancen auf dem Ar-beitsmarkt haben derzeit Absolventen, die sich zusätzlich mit Trendtechnologien auskennen. Gabriele Kernwein von der Personalvermittlungsagentur PC/ Enter in Bad Homburg rät Studenten, sich bereits im Studium eine Nische zu suchen und darin zu spezialisieren. Momentan sieht sie zum Beispiel in der Datenbankadministration mit Oracle, im Unix-Umfeld oder in der Web-Entwicklung mit Visual Basic, C#, XML und ASP gute Aussichten. Auch WAP-Spezialisten werden gesucht. Allerdings: "Theoretische Kenntnisse reichen nicht aus. Das A und O für Personaler ist, dass die Kandidaten Arbeitserfahrung haben. Zum Beispiel durch Betriebspraktika oder praxisorientierte Uni-Projekte." Dabei sollten sich die Studenten nicht wahllos für IT-Praktika bewerben, sondern im Vorfeld überlegen, was ihnen der Arbeitseinsatz bringt. Wer sich zum Beispiel für Software-Entwicklung interessiert, sollte vorher abklären, welche Programmiersprachen und Tools er während des Praktikums erlernt und an welchem Projekt er mitarbeitet.

Je nach Unternehmen und Abteilung spielen zusätzliche Kenntnisse eine wichtige Rolle. Siemens Business Services sucht beispielsweise IT-ler, die sich mit SAP, Siebel, i2, mySAP.com oder Commerce One auskennen. Außerdem sollten sie mit Prozessabläufen im Enterprise Resource Management, Supply Chain Management und Costumer Relationship Management vertraut sein. Nicht alle Kandidaten aber bringen Erfahrung in den neuesten Programmiersprachen und Technologien mit. "Nicht so schlimm", meint Frank Mang, einer der Geschäftsführer beim Consultingunternehmen Accenture. "Das lernen Einsteiger bei uns auf Schulungen oder in Projekten. Entscheidend ist, dass sie wissen, wie man an neue Technologien herangeht."

Pluspunkte sammelt, wer zum technischen Know-how Fachwissen aus bestimmten Branchen mitbringt. Derzeit heiß umworben: IT-Profis mit Erfahrungen im Banken- und Versicherungswesen.

Für Studienabbrecher und Quereinsteiger scheint sich die Marktlage zu verschlechtern - es sei denn, sie haben langjährige Berufserfahrung oder schrauben ihre Gehaltsvorstellungen nach unten. Letztlich kommt es hier entscheidend auf die Persönlichkeit des Bewerbers und seine individuelle Qualifikation an.

Gute Möglichkeiten bieten sich für sie vor allem in kleineren Unternehmen. Das bestätigt Eric Meurers, Geschäftsführer beim Kölner 22-Mann-Betrieb Interlutions: "Wir suchen Frickler, die am Computer groß geworden sind. Das können gerne Studienabbrecher oder Quereinsteiger sein. Wichtig ist, dass sie die Programmiersprachen draufhaben, mit denen wir arbeiten: Vor allem PHP, Javascript, JSP und ASP."

Und welchen Tipp gibt Recruiter Klaus Töpfer angehenden Informationstechnologen mit auf den Weg? "Spezialisieren Sie sich, ohne dabei die Standardtechnologien aus den Augen zu verlieren. Versteifen Sie sich nicht auf eine Programmiersprache oder eine Technologie. Das engt zu sehr ein. Auch in Zukunft werden die Unternehmen gerne in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren - wenn sie ein entsprechend großes Potenzial mitbringen."

Dieser Artikel ist erschienen am 27.09.2001