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Was Existenzgründer bei der Namensgebung beachten sollten

Bernd Samland
Bei einem neugegründeten Unternehmen müssen nicht nur Finanzierung und Controlling stimmen - auch die Namenswahl ist ein wichtiger Faktor.
Bei einem neugegründeten Unternehmen müssen nicht nur Finanzierung und Controlling stimmen - auch die Namenswahl ist ein wichtiger Faktor. Doch eine Studie der Hochschule für Unternehmensführung (WHU) und des VDI zeigt, dass es gerade dort hapert: Von knapp 1.000 Unternehmensgründern hat fast die Hälfte ihren Firmennamen weder getestet noch schutzrechtlich überprüft. Deswegen musste über ein Viertel der Befragten den Namen noch innerhalb des ersten Jahres wechseln - meist aus rechtlichen Gründen.

Jeder Existenzgründer wird mit einer Fülle von Aufgaben konfrontiert. Doch die Namenswahl sollte schon im Businessplan und somit an erster Stelle stehen. Denn ein unbedacht gewählter Name kann nicht nur Marktchancen kosten, er kann - bei berechtigten Widersprüchen - auch richtig teuer werden. Und die tauchen bei über 24 Millionen Markennamen und globaler Präsenz im Internet schnell mal auf!

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Schwierigkeiten bereiten aber auch beschreibenden Namen, Abkürzungen oder technische- oder Trendbegriffe. Beschreibende Namen (wie etwa Fensterbau Müller) lassen sich nicht schützen, und Abkürzungen (wie ABS-Systembau) bergen die Gefahr, in verschiedenen Zusammenhängen ganz unterschiedliche Bedeutungen zu bekommen. Außerdem lassen sie sich nur schwer über Internetsuchmaschinen identifizieren. Trends und Technik veralten. Haben früher viele Unternehmen mit dem Namensbestandteil "fax" auf eine heute auslaufende Technik gesetzt, so werden morgen viele "E-, Com-, und Digi-Firmen" mit ähnlichen Problemen konfrontiert sein.

Der Name ist das wichtigste Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb! Unternehmenskonzepte und Produkte lassen sich kopieren - geschützte Namen nicht. Um spätere Enttäuschungen zu vermeiden, sollte Ihr Firmenname folgende Basisanforderungen erfüllen: Er muss einfach und klar sein, einzigartig, schutzfähig, ausdrucksstark und erinnerungsfähig.

Wie jedoch lässt sich ein neuer Name absichern? Zuerst hilft der Blick ins Internet und ins Telefonbuch. Wenn Sie unter dem Wunschnamen Ihrer neuen Firma bereits ein Unternehmen finden oder über die Suchmaschine viele hundert Treffer zu diesem Begriff bekommen, sollten Sie noch einmal nachdenken. Über die Internetseite des Deutschen Patent- und Markenamts (www.dpma.de) können Sie prüfen, ob der Name als Markenbezeichnung bereits existiert. Doch auch das reicht - ebenso wie die Begutachtung eines Firmennamens durch die Kammern - noch nicht aus. Denn nicht nur exakte Übereinstimmungen sondern auch Ähnlichkeiten sind kritisch. Auch supra-nationale Marken, die sich auf Deutschland erstrecken sind relevant, ebenso nationale Marken- und Firmennamen in Ländern, die für die zukünftige Geschäftstätigkeit relevant sind, sowie Titelschutzrechte und sonstige geschützte Kennzeichen. Professionelle Hilfe durch fachkundige Namefinding- und Rechercherunternehmen aber auch Rechts- und Patentanwälte ist hier angebracht.

Sie sollten Ihren Namen auch in allen relevanten Sprachen prüfen: Beispielsweise musste die PD-Systemtechnik aus Bad Oeynhausen - PD steht für die Initialen der Gründer - beim Markteintritt in Frankreich feststellen, dass dort die Bezeichnung PD für "homosexuell" steht.

Im Vergleich zu den sonstigen Kommunikationsaufwendungen fallen die Entwicklungs- und Überprüfungskosten für einen neuen Namen sicher gering aus. Die Kosten richten sich nach den Ländern, Sprachen und Markenklassen, die für die Namensentwicklung relevant sind - und liegen meist unter denen einer einseitigen Anzeige in einer regionalen Tageszeitung. Für eine Namensfindung werden in der Regel vier Wochen veranschlagt. Reine Marken-, Firmen- und Titelschutzrecherchen sind je nach Umfang schon für einige hundert Euro realisierbar.

Sie sollten nicht frustriert sein, wenn "Ihr" Namensvorschlag schon von einem anderen belegt worden ist: Bei einem internationalen Einsatz - und im Internet ist jeder per se international präsent - sind statistisch gesehen 98 von 100 frei kreierten Namen problematisch. Haben Sie schließlich einen guten und "sicheren" Namen gefunden, sollten Sie diesen unbedingt auch als Marke eintragen lassen.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.01.2002