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Warum versagen die Hochschulen?

Die Fragen stellte Christoph Mohr
Foto: Deutsche Bank
Rolf Breuer, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, will sich an der Gründung einer privaten ?Super Business School" in Berlin beteiligen.
Rolf Breuer
Rolf Breuer, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, will sich an der Gründung einer privaten ?Super Business School" in Berlin beteiligen.

Was ist so schlecht an den Universitäten in Deutschland?

Die besten Jobs von allen


Rolf Breuer: Was ich an den deutschen Hochschulen vermisse, ist eine Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen des 21. Jahrhunderts. Eine Leitfrage muss doch lauten: Können die Lehrinhalte sinnvoll zur Zukunftsgestaltung unserer Gesellschaft beitragen? Obwohl es eine allgemeine Klage darüber gibt, dass unsere Hochschulen mehr Quantität als Qualität liefern, geschieht nur wenig. Sie stehen im internationalen Wettbewerb, haben aber zu wenig Qualitätskontrollen. Ich meine: Nicht jeder, der Abitur hat, muss und kann studieren. Dozenten werden zwischen Ansprüchen von Lehre und Forschung aufgerieben und unterliegen in keiner Weise einer internen oder externen Evaluation.

Für uns als Unternehmen ist das deutsche Hochschulsystem zum Standortnachteil geworden. Die Studenten werden hier für den Wissenschaftsbetrieb ausgebildet. Eine Konsequenz ist, dass wir viele unserer neuen Mitarbeiter aus dem Ausland rekrutieren. Der Wettbewerb um die besten Köpfe wird längst auf internationaler Ebene ausgetragen, insbesondere im Investment Banking. Universitäten sollen nicht Wirtschaftsunternehmen gleichen, aber von ihnen lernen, zum Beispiel Kundenorientierung und effizienten Mitteleinsatz.

Soweit der klinische Befund. Und das Rezept zur Genesung?

Studiengebühren, Auswahlverfahren oder Hochbegabtenförderung sind nur einige der ?heißen Eisen", die offen angegangen werden müssen: Ich stelle mir einen Bildungs-Roundtable aller gesellschaftlichen Gruppen vor – ohne falsche Scheu und mit Mut zu Entscheidungen. Als Unternehmen mit deutschen Wurzeln sind wir nachdrücklich daran interessiert, Universitäten in diesem Land wettbewerbsfähig zu machen. Wichtig ist mir außerdem, neben klaren Lehrinhalten den Freiraum für neue Ideen und Entwicklungen auszuweiten, etwa Unternehmensgründungen aus der Forschung heraus.

Frankfurt ist Zentrum der deutschen Finanzindustrie, aber der Uni Frankfurt ist es nie gelungen, daraus Gewinn zu schlagen. Sie sind selbst auch im Hochschulrat der Universität. Warum ist Frankfurt so schlecht?

Die Uni Frankfurt nutzt die Chancen des Standorts besser als früher. Ich erinnere an das Center for Financial Studies und die Errichtung eines eigenen Studiengangs ?Law and Finance". Zudem hat die Universitätsleitung, an der Spitze Präsident Steinberg, für dieses Jahr einen umfangreichen Reformkatalog entwickelt, der unter anderem vorsieht, dass im Ausland erbrachte Leistungen für das Studium anerkannt werden. Weiter sollen gestufte Abschlüsse in geeigneten Studiengängen ermöglicht werden, um so die internationale Kompatibilität der Studiengänge zu verbessern. Somit kann diese Reform auch zu einer Verringerung der Studienabbrecher-Quote beitragen. Aber natürlich kann man Versäumnisse aus Jahrzehnten nicht mit einem Schlag ausgleichen.

Zusammen mit anderen Topmanagern sind Sie an Überlegungen zur Gründung einer privaten deutschen ?Super Business School" in Berlin beteiligt, die einmal in der Liga von Harvard und Insead spielen soll. Das würde 30 bis 50 Millionen Euro jährlich verschlingen. Haben Sie so viel Geld?

Als sich die Deutsche Bank 2001 dem Jahresthema Bildung zuwandte, wurde zunächst kritisiert, dass wir zwar lamentieren, die Suche nach Lösungen aber der Gesellschaft überließen. Wir sehen uns jedoch als Teil der Gesellschaft und möchten einen Impuls geben, der hoffentlich auch andere motiviert. Finanziert wird das Projekt aus dem Erlös des Stiftungskapitals und den Studiengebühren der Studenten. Bereits 18 weitere Unternehmen haben Interesse signalisiert, das Projekt zu unterstützen. Um die neue Business School für Studenten attraktiv zu machen, werden Kooperationen mit internationalen und nationalen privaten Schulen eingegangen. Eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist ebenfalls geplant. Aber wir unterstützen nicht nur private Hochschulen, sondern fördern über unseren Stiftungsfonds beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft auch eine Vielzahl innovativer Hochschulprojekte und Studiengänge an staatlichen Hochschulen. Wichtig ist uns die Stärkung von Marktkräften und von Wettbewerb in einem überregulierten deutschen Bildungsmarkt.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.05.2002