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Warmstart in die Selbstständigkeit

Gregor Kannberg
Franchising ist ein guter Weg zum eigenen Unternehmen, wenn der Topf zum Deckel passt. karriere stellt drei Gründer vor, die sich in ihren Systemen erfolgreich entfalten.
Franchising ist ein guter Weg zum eigenen Unternehmen, wenn der Topf zum Deckel passt. karriere stellt drei Gründer vor, die sich in ihren Systemen erfolgreich entfalten. Sven Romberg weiß, was in ihm steckt. Und auch, was er nicht kann. Während seines BWL-Studiums machte er ein Praktikum bei der Unternehmensberatung Kienbaum. "Hier lernt man sehr schnell seine Stärken und Schwächen kennen. Ich bin ein guter Vertriebler, Netzwerker, Organisator. Auch mit Zahlen kann ich umgehen", sagt der heute 33-Jährige. "Aber Administration, Buchhaltung oder die Entwicklung eines eigenen Geschäftskonzeptes sind nicht so mein Ding.

Name: Sven Romberg
Franchise-System: Subway
Branche: Gastronomie
Startinvestition: 125.000 Euro
Umsatz pro Betrieb: 400.000 Euro
Vier Jahre ist es jetzt her, dass er seinen gut dotierten Posten als Prokurist bei der Commerzbank für die Selbstständigkeit aufgab. Weil er sich irgendwann nicht mehr vorstellen konnte, "30 Jahre lang jeden Morgen um neun Uhr mit Schlips und Kragen auf der Matte zu stehen", entschied sich Romberg für einen Start als Franchise-Nehmer. Seit 2001 ist er Partner des amerikanischen Sandwichanbieters Subway und mittlerweile Inhaber von fünf Betrieben in Essen, Bottrop, Köln und Frechen. "Franchise ist etwas für Leute, die sich auf den Kern des Geschäfts konzentrieren wollen", sagt Romberg

Die besten Jobs von allen


Franchising, der Warmstart ins Unternehmertum, lockt immer mehr Leute in die Selbstständigkeit. Zwischen 1995 und 2002 wuchs der Wirtschaftszweig nach einer Studie der Universität Mainz für das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit jährlich um durchschnittlich elf Prozent. Nach Angaben des Deutschen Franchise Verbandes (DFV) gab es 2003 in Deutschland 43.000 Franchise-Partner in 830 Systemen, die mit 390.000 Beschäftigten einen Umsatz von 25,4 Milliarden Euro erwirtschafteten, ein Jahr später waren es schon 29 Milliarden Euro. Und die Mainzer Forscher erwarten weiterhin ein überdurchschnittliches Wachstum.

Gründen mit Starthilfe

Franchising boomt, weil es eine risikoärmere Form der Gründung ist. Der Franchise-Partner kauft sich in ein etabliertes System ein, in dem meist Betriebsorganisation, Lieferanten, Marktauftritt sowie die Vertriebsstrategie festgelegt sind. Bei Fragen steht dem Unternehmer ein Franchise-Betreuer zur Seite. Obwohl der Partner selbstständiger Unternehmer ist, muss er sich an die Vorgaben des Systems halten. "Ich könnte die Speisekarte in meinen Restaurants nicht um gebratene Hähnchen oder Hamburger erweitern. Insofern sind meine Freiheiten als Unternehmer sicherlich eingeschränkt. Auf der anderen Seite muss ich mir keine Gedanken darüber machen, was ich meinen Kunden anbiete und wie ich das vermarkte", hebt Romberg den Vorteil heraus.

Die meisten Franchise-Geber erheben von ihren Partnern eine einmalige Eintrittsgebühr. Dafür erhält der Franchise-Nehmer das Systemhandbuch - Herzstück aller Franchise-Betriebe. Es ist eine Anleitung, wie das Geschäft zu führen ist. In ihm findet der Partner im Idealfall Hilfe für jede erdenkliche Situation. Neben den Einstiegskosten erheben die meisten Systeme eine laufende Gebühr plus Werbeabgaben, die vom Umsatz abhängig sind und im einstelligen Prozentbereich liegen. Manchmal wird die Einstiegsgebühr noch mit einer Warenerstausstattung gekoppelt. Bei seriösen Systemen sind auch umfangreiche Schulungen in der Gebühr enthalten

Kundenfit in neun Tagen

Das ist auch beim Franchise-Geber des Jahres 2003, Town & Country, der Fall, der sich auf den Vertrieb und Bau von günstigen Massivhäusern spezialisiert hat. "Wir sind in drei Schulungen auf unseren Job vorbereitet worden. Die ersten beiden dauerten je zwei Tage und die dritte fünf", erzählt Ramona Christophel, seit September 2004 Franchise-Nehmerin in Dahlewitz für die Region Berlin-Brandenburg. Sie verkauft die Häuser und berät die Kunden bei Grundstückssuche und rechtlichen Formalitäten. Den Bau übernimmt ein Lizenzpartner

Name: Ramona Christophel
Franchise-System: Town & Country
Branche: Immobilien
Startinvestition: 20.000 Euro
Umsatz: 50.000 bis 120.000 Euro
In den Schulungen lernte Christophel, welche Häuser im Programm sind, welche rechtlichen Bestimmungen gelten, worauf man bei Grundstücken achten muss, wie der Vertrag mit den Kunden aussieht und wie ein vernünftiges Zeitmanagement funktioniert. In Rollenspielen wurde das Verkaufsmanagement geübt. "Ich hatte ein sehr sicheres Gefühl, wie ich mich Kunden gegenüber verhalten muss. Und das hat sich in der Praxis auch bestätigt", lobt die 29-Jährige.

Ursprünglich hatte die studierte Modedesignerin keine besondere Affinität zum Häuslebau. Wichtig war ihr die Selbstständigkeit, doch ihre Branche gab nicht viel her. Town & Country kannte sie von Verwandten. Nach einem einmonatigen Praktikum in einem Betrieb wusste sie: Das ist es. Drei Monate dauerte es, bis sie das erste Haus verkauft hatte. Den Lebensunterhalt für das erste halbe Jahr hatte sie mit Ersparnissen abgesichert. Mittlerweile verkauft sie ein bis zwei Häuser monatlich, was Einnahmen von rund 10.000 Euro entspricht

Gute Perspektive

Sven Romberg ist schon ein paar Schritte weiter. In diesem Jahr wird er mit seinem Geschäftspartner, der sich um Buchhaltung und Controlling kümmert, zwei weitere Restaurants eröffnen, und erwartet einen Umsatz von über drei Millionen Euro. Die Expansion betreiben die beiden Unternehmer mit den Mitteln privater Investoren. Für seinen Einstieg hatte Romberg 2001 noch ein KfW-Darlehen über 140.000 Euro aufgenommen

Romberg hatte sich sein System sehr genau ausgesucht. Der Essener stellte eine Liste mit Bedingungen auf, die das gewünschte System erfüllen sollte. "Ich wollte keine Rechnungen schreiben, sondern abends Geld in der Kasse haben, keine Investitionsgüter verkaufen, sondern Konsumgüter des täglichen Lebens, und es sollte ein System sein, das noch klein ist, dessen Parameter aber auf Wachstum stehen", berichtet der junge Unternehmer. Subway erfüllte diese Bedingungen ideal. "Ich kann jedem nur raten, sich zu fragen: Was will ich? Was kann ich? Und was möchte ich verdienen? Und dann zu prüfen, welches System diese Bedingungen erfüllt." (Siehe auch Kasten)

Drum prüfe, wer sich bindet

Ohne eine hohe Identifikation mit dem Franchise-Geber läuft nichts - schließlich ist der Partner von den Entscheidungen der Zentrale unmittelbar betroffen. "Wer Franchise-Nehmer werden möchte, sollte mit den Gegebenheiten zu mindestens 85 Prozent einverstanden sein, sonst wird er in dem System nicht glücklich", sagt Alexandra Weiß, die schon mit 26 Jahren Franchise-Nehmerin bei der Schweizer Kraftsportkette Kieser Training wurde.

Vorher hatte die diplomierte Sportlerin, die früher auch mal den Sport in einem Frauengefängnis geleitet hatte, als Trainerin, stellvertretende Geschäftsleiterin und schließlich als Chefin in einem Kieser-Studio gearbeitet. "Das ging alles sehr schnell. Innerhalb eines guten Jahres war ich Franchise-Nehmerin. Aber das lag auch daran, dass es der richtige Deckel auf dem richtigen Topf war", sagt die 32-Jährige

Name: Alexandra Weiß
Franchise-System: Kieser Training
Branche: Gesundheitsdienstleistung
Startinvestition: ab 600.000 Euro
Umsatz pro Betrieb: 600.000 bis 2 Mio. Euro
An ihrem Betrieb in Mülheim ist sie mit zwei weiteren Gesellschaftern beteiligt - bei Kieser keine Seltenheit, da die Investitionen mit mindestens 600.000 Euro recht hoch sind. Daneben leitet sie für eine Gesellschaftergruppe sieben weitere Studios in Düsseldorf und Umgebung sowie in Karlsruhe. Der Umsatz pro Betrieb liege bei 600.000 bis zwei Millionen Euro.

Auch wenn bei vielen Franchising als Light-Variante des Unternehmertums gilt, stellt es an die Persönlichkeit nach Weiß' Erfahrung ähnliche Anforderungen wie andere Formen der Selbstständigkeit. "Zwei Dinge kommen mir zugute, die mir das Leben sehr erleichtern: Ich kann Verantwortung abgeben und ich kann sehr schnell abschalten", sagt die gebürtige Südbadenerin. Punkte, die auch Subway-Partner Romberg wichtig sind. "Verantwortung kann ich gut delegieren. Aber wenn ich bei meiner Familie bin, fühle ich mich manchmal psychisch nicht anwesend. Daran muss ich dringend arbeiten", gibt er zu. Dennoch: "Selbstständigkeit gibt mir ein Gefühl der Freiheit, das ich nie wieder eintauschen möchte.

So wählen Sie das richtige System

Mehr als 800 Franchise-Systeme gibt es nach Angabe des Deutschen Franchise Verbandes (DFV) in Deutschland. Eine Riesenauswahl. Doch wie lässt sich die Leistungsfähigkeit beurteilen? Einen ersten Hinweis bieten die Prüfsiegel für Franchise-Geber, von denen es gleich drei gibt. So lässt der DFV Verträge seiner Mitglieder vom Internationalen Centrum für Franchising und Cooperation F&C überprüfen und befragt stichprobenartig auch Franchise-Nehmer. Bislang sind erst fünf Systeme zertifiziert (Mobilcom, McDonaldŽs, Obi, Isotec und JoeyŽs Pizza).

Der Deutsche Franchise-Nehmer Verband (DFNV) hat ebenfalls ein Gütesiegel, das er nach eigener jährlicher Prüfung vergibt. Großen Wert legt er auf die vorvertragliche Aufklärung und das vertragskonforme Verhalten des Systemgebers. Bislang ließen sich knapp 20 Unternehmen überprüfen (www. dfnv.de unter "Prüfsiegel Inhaber"). Dort kann man sich auch informieren, ob ein System seriös ist. Die strengste und umfassendste Kontrolle ist die DIN-Überprüfung des F&C-Instituts in Zusammenarbeit mit DIN Certco. Bislang hat sich mit dem Häuslebauer Viebrockhaus nur ein Franchise-Unternehmen prüfen lassen

Alle Siegel deuten auf seriöse Systeme hin, was den Interessenten nicht von einer eigenen Prüfung entbindet. Wer Abenteuer vermeiden möchte, sollte folgende zehn Punkte bei der Auswahl beachten:

  1. Das System ist Mitglied des DFV und hat eines der drei Prüfsiegel.
  2. Der Franchise-Geber erfüllt die Kriterien der KfW-Mittelstandsbank für eine Förderung von Krediten für Franchise-Nehmer.
  3. Das System ist schon länger erfolgreich am Markt etabliert und wächst voraussichtlich auch weiterhin kontinuierlich.
  4. Der Franchise-Geber kann klar darlegen, wo der Marktvorteil gegenüber Wettbewerbern liegt.
  5. Der Franchise-Geber stellt dem Nehmer ein Vertragsmuster zur Überprüfung zur Verfügung.
  6. Der Interessent kann vorher mit anderen Franchise-Nehmern sprechen.
  7. Die Modellrechnungen des Franchise-Gebers sind realistisch und stimmen mit den Erfahrungen der anderen Franchise-Nehmer überein.
  8. Das System verfügt über Franchise-Nehmer-Beiräte oder Erfahrungsgruppen.
  9. Den Einstiegsgebühren stehen konkrete Leistungen gegenüber.
  10. Das System bietet den Partnern umfassende Unterstützung, von der Standortanalyse über Organisationskonzept und Mitarbeiterschulungen bis hin zum Controlling

Links und Literatur

Verschiedene Kataloge informieren über bestehende Franchise-Systeme. In Zusammenarbeit mit dem DFV bringt der Verlag für die Deutsche Wirtschaft jährlich "Franchise-Chancen" heraus. Alle zwei bis drei Jahre erscheint der "Franchise-Report" des Handelsjournals (www.handelsjournal.de). Daneben gibt es das "Jahrbuch Franchise & Kooperation" des Bonner Forums Franchise & Systeme.
Allgemeine Informationen zum Thema Franchising bieten das "Handbuch Franchising und Cooperation" von Dieter Ahlert, Luchterhand Verlag, 74 Euro, und "Das ABC des Franchisings. Ein Leitfaden für Franchisenehmer und -geber" von Ernst Wilhelm, Lexika Verlag, 22 Euro.
Im Internet informiert am ausführlichsten www.franchise-portal.de, in dem viele Unternehmen ihre Kenndaten hinterlegt haben. Eine Alternative ist www.franchise-net.de. Bei der Auswahl des richtigen Systems hilft auch "goFranchise", eine Berufsberatung für Franchise-Nehmer von DFV und DIHK. Franchise-erfahrene Berater erstellen ein Profil für Gründungswillige, das an passende Systeme weitergeleitet wird. Vermittelt wird nur an Systeme, die von der KfW anerkannt und Mitglied im DFV sind

Adressen:
Deutscher Franchise Verband (DFV)
Luisenstraße 41, 10117 Berlin, 030.2789?2-0, Fax 030.278902-15, www.dfv-franchise.de
Deutscher Franchise-Nehmer Verband (DFNV)
Celsiusstraße 43, 53125 Bonn, 0228.250-300, Fax 0228.250-586, www.dfnv.de
Deutsches Franchise Institut (DFI)
Fürther Straße 212, 90429 Nürnberg, 0911.32003-0, Fax 0911.32003-20
GoFranchise
Jägerhofstraße 193, 42329 Wuppertal, 0202.6955777, Fax 0202.6955769, www.gofranchise.de
Internationales Centrum für Franchising und Cooperation
Fliednerstraße 21, 48149 Münster, 0251.83220-34, Fax 0251.83220-71, www.franchising-und-cooperation.de

Kostenlose Gründer-Software
Zahlreiche Franchise-Systeme präsentieren sich auch auf der Gründermesse Start, die vom 27. bis 28. Mai erstmals in Bremen stattfindet. Aus diesem Anlass verlost karriere 20 Eintrittskarten für die Start-Messe. Wer teilnehmen möchte, sendet bis zum 15. Mai eine E-Mail mit dem Stichwort "Franchising" und seiner Adresse an p.nederstigt@vhb.de. Pünktlich zur Start-Messe veröffentlicht karriere im nächsten Heft in Ergänzung seiner redaktionellen Berichterstattung zur Existenzgründung eine kostenlose Vollversion der neuen Office-Software von Buhl-Data, mit der selbst Laien ihre Buchhaltung im Griff haben. Ein ähnliches Programm kommt offiziell erst im September zum Preis von 99,95 Euro heraus. Mit der Version für karriere-Leser lassen sich alle Geschäftsvorfälle vor 2006 bearbeiten. Das Heft mit der CD erscheint am 27. Mai.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.05.2005