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Walter Schmidt ? der standhafte Rheinländer

Von Ingo Narat
Walter Schmidt, Chef der Gerling-Kapitalanlagegesellschaft, hat schön viele Börsenzyklen erlebt. Seine Erfahrung aus 41 Berufsjahren will er auch in Zukunft zugunsten des Gerling-Konzerns nutzen.
FRANKFURT. Hektik verbreiten nur andere, Walter Schmidt hat immer die Ruhe weg. 41 Berufsjahre hat er als Anleihehändler und Vermögensverwalter auf dem Buckel und ist damit eines der wenigen Fossile in der Branche. Schmidt liebt die Konstanz: Seit 1994 dirigiert er den Bereich Vermögensverwaltung bei Gerling und ist Chef der Kapitalanlagegesellschaft des Versicherers.In seiner Karriere hat der 58-Jährige manche Turbulenzen überstanden. Die rheinische Ruhe hat ihm immer geholfen. Und seine Beständigkeit strahlt auf sein Team aus. ?Die Firma wurde schon 1968 gegründet, und seit 1997 hat uns niemand aus dem Fondsmanagement verlassen - das ist sensationell?, sagt er. Aktuell umfasst ?die Firma? ein Dutzend Asset Manager.

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Auch die aktuellen Wirren am Markt entlocken dem alten Haudegen nur ein ?Ruhig Blut bewahren? ? obwohl er unglücklich ist über die Entwicklung. Es geht um größere Genussschein-Bestände der angeschlagenen Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR), die vor kurzem vom Finanzinvestor Lone Star geschluckt wurde. Sie belasten vor allem das Portfolio des Flaggschiff-Anleihefonds ?Gerling Zins?. Die Genussscheine hatten einen vierprozentigen Anteil am Depot. Nach Bekanntwerden der Schieflage sackte ihr Kurs von rund 90 auf 30 Euro ab. ?Aber er hat sich schon wieder bis auf 40 erholt, und ich bin zuversichtlich, dass die Titel bedient werden?, sagt Schmidt.Emittentenrisiken sind ihm nicht fremd. Auch mit einem Klöckner-Papier im Portfolio sah es schon einmal brenzlig aus, mit Titeln der Russischen Föderation in deren Krisenjahr 1998 ebenso. Nie ließ sich Schmidt beirren ? und immer behielt er recht. Keines der Papiere musste er wertlos ausbuchen. So viel Kontinuität scheint der Performance der Produkten gut zu tun, vom Abtaucher des ?Gerling Zins? einmal abgesehen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Privat ist Schmidt beim Anlegen nicht so erfolgreich wie im Beruf.Über sieben Mrd. Euro verwaltet Gerling Investment aktuell, davon den Großteil in Anleihen. Rund 400 Mill. Euro sammelte die Gesellschaft im bisherigen Jahresverlauf netto bei den Publikumsfonds ein. Da kommt kaum ein anderer Versicherer mit.Privat ist Schmidt beim Anlegen nicht so erfolgreich wie im Beruf. Mit Walter Bau rutschte er in den Konkurs, die abgestürzte Infineon hat er immer noch in seinem Depot. Da muss er sich schon einmal einen Rüffel von seiner Frau gefallen lassen.Jetzt steht er vor einer ganz neuen Herausforderung. Die Versicherungsgruppe Talanx hat sich Gerling einverleibt. Und Talanx verfügt mit der Ampega schon über eine Anlagegesellschaft. Die kann allerdings nicht den langfristigen Erfolgsnachweis von Gerling Investment vorweisen. Schmidt hat also Chancen, seinen Arbeitsvertrag planmäßig erfüllen zu können ? der läuft noch fünf Jahre.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.12.2005