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Wall Street verbannt Ex-Star Quattrone

Der frühere Star-Investmentbanker Frank Quattrone darf nie wieder in der US-Wertpapierbranche arbeiten. Das entschied die Vereinigung der amerikanischen Wertpapierhändler (NASD).
HB NEW YORK. Als ?ungeheuerlich? bezeichnete die NASD das Vergehen Quattrones. Dieser ist zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt worden, weil er seine Mitarbeiter im Rahmen der Ermittlungen gegen seinen damaligen Arbeitgeber, die Credit Suisse First Boston (CSFB) , dazu angehalten hatte, Unterlagen zu vernichten. Und mit seiner Aussageverweigerung habe Quattrone ?die Fähigkeit der NASD, ihre Aufsichtsfunktion wahrzunehmen, untergraben?, erklärte der Verband weiter.Quattrone war eine zentrale Figur des Internetbooms des vergangenen Jahrzehnts. Quattrone verdiente bis zu 120 Mill. Dollar pro Jahr. Von einem Büro im kalifornischen Palo Alto aus brachte er zahlreiche Technologieunternehmen an die Börse, darunter Amazon. Doch das führte zu Interessenkonflikten, wegen derer die CSFB im Januar 2002 mit den Behörden einen Vergleich über 100 Mill. Dollar aushandelte. Quattrone ist der ranghöchste Investmentbanker, der mit Gefängnis und Branchenausschluss konfrontiert ist, seit Michael Milken von Drexel Burnham Lambert Inc. 1990 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war.

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?Es würde nicht gut aussehen, wenn Quattrone an die Wall Street zurückkehren dürfte?, sagte Roy Smith, Finanzprofessor der Stern School of Business an der New York University und früher Partner bei Goldman Sachs. Quattrone hatte die Aussage vor dem Wertpapierhändlerverband verweigert und sich dabei auf das Recht berufen, sich vor einer Selbstbelastung im eigenen Strafverfahren zu schützen. Dagegen betonte die NASD, dieses Recht auf Aussageverweigerung gelte nur bei staatlichen Ermittlungen. ?Die NASD ist eine private Vereinigung, sie wird weder von staatlicher noch von bundesstaatlicher Seite finanziell unterstützt, und ihr Aufsichtsrat setzt sich auch nicht aus Regierungsvertretern oder staatlich bestellten Mitgliedern zusammen.?Quattrone kann die Entscheidung der NASD bei der US- Börsenaufsichtsbehörde SEC anfechten. Nach Angaben seines Anwalts Ken Hausman hat sich die NASD ?Frank Quattrone herausgepickt und härter behandelt als andere Personen, die in ähnliche Fälle verstrickt waren?. Sein Mandant werde in die Berufung gehen, teilte Hausman mit. Das gilt auch für das Gerichtsurteil. Quattrone hat bis zum 13. Dezember Zeit, die Entscheidung vor dem Bezirksberufungsgericht anzufechten. Seinem Anwalt zufolge hat ihn der Richter beim Prozess daran gehindert, Entlastungsmaterial vorzubringen.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.11.2004