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Wachwechsel bei Merck

Von Siegfried Hofmann und Anna Sleegers
Mit einem neuen Mann an der Spitze will die Darmstädter Merck-Gruppe ihre Strategie als mittelgroßer biopharmazeutisch orienterter Arzneimittel- und Spezialchemiehersteller vorantreiben. Mit Ablauf der Hauptversammlung am 27. April soll der frühere Lufthansa-Finanzchef Karl-Ludwig Kley den Vorsitz in der Geschäftsleitung der Merck KGaA übernehmen. Die Entscheidung kommt letztlich nicht überraschend.
Die Entscheidung kommt letztlich nicht überraschend. Der 55-jährige Kley ? seit September bereits stellvertretender Chef von Merck ? gilt schon seit seinem Wechsel von Lufthansa zu Merck als Kronprinz für die Spitzenposition bei Merck. Römer (60) dagegen wurde ohnehin eher als Übergangs-Kandidat eingestuft wurde, nachdem Ende 2005 der frühere CEO Bernhard Scheuble überraschend das Handtuch warf.Für seine Führungsrolle bei Merck bringt Kley sowohl Industrie-Erfahrung mit, als auch Know-how im Umgang mit den Finanzmärkten. Seine Karriere begann der promovierte Jurist 1982 im Bereich Konzernfinanzen und als Assistent des Vorstandsvorsitzenden bei Bayer. Später übernahm er unter anderem die Funktion des Finanzchefs von Bayer in Japan sowie andere Führungsfunktionen in der Pharmasparte des Leverkusener Konzerns, bevor er schließlich 1998 das Finanzressort der Lufthansa übernahm. Bei Merck war er ab September für das Ressort Human Ressources und die Integration der Schweizer Serono-Gruppe zuständig, mit deren Übernahme der Darmstädter Konzern einen großen Sprung nach vorne im Pharmageschäft machte.

Die besten Jobs von allen

Kley genießt in der Finanzwelt einen hervorragenden Ruf. Er gilt als umgänglicher und Kultur beflissener, wenn auch zielstrebiger Manager. Auf manche Mitarbeiter des Darmstädter Familienunternehmens wirkte sein Führungsstil gleichwohl wie ein kleiner Kulturschock - einer von vielen, den die Belegschaft derzeit verkraften muss. Kleys Auftritt bei der ersten Vorstellungsrunde im vergangenen Jahr empfanden sie als etwas arrogant. ?Das war nicht der bisherige Stil des Hauses?, heißt es.Allerdings herrscht in der Belegschaft wegen des radikalen Umbaus der Führungsebene ohnehin tiefe Verunsicherung. Kley, ursprünglich an Bord geholt, um die Integration von Schering voranzutreiben, war nur einer der ersten von vielen Neuzugängen. Die Schering-Übernahme scheiterte zwar. Stattdessen kaufte Merck jedoch die Serono-Gruppe für rund 10,6 Mrd. Euro. Viele Schlüsselpositionen im Pharmabereich wurden nach der Übernahme des Schweizer Biotechnologie-Konzerns Anfang des Jahres inzwischen mit Serono-Leuten oder aber Managern besetzt, die gerade erst zu Merck gestoßen sind. Der bisherige Pharma-Chef Elmar Schnee wird zwar auch Chef der neuen Pharmatochter Merck Serono S.A. Aber auch Schnee ist im Vergleich zur alten Führungsriege bei Merck eher ein Neuling. Er kam vor vier Jahren von der belgischen UCB-Gruppe.Der Führungswechsel repräsentiert insofern eine relativ weit reichende Neuordnung bei Merck, insbesondere für das Pharmageschäft. Zu den wichtigsten strategischen Aufgaben Kleys wird es nun zum einen gehören, den Umbau des Konzerns zu vollenden und die neu formierte Pharmagruppe durch zusätzliche Investitionen zu stärken. Zum anderen dürfte es aber auch darum gehen, im Chemiebereich ein weiteres Standbein aufzubauen, um hier die Abhängigkeit Geschäft mit Flüssigkristallen zu mildern, das derzeit noch durch starkes Wachstum und hohe Margen glänzt.Finanziellen Spielraum dazu dürfte unter anderem der geplante Verkauf der Generika-Sparte eröffnen, der nach Einschätzung von Fachleuten einen Erlös von vier bis 4,6 Mrd. Euro bringen könnte. Aber auch der Zugang zum Kapitalmarkt wird für die Merck-Gruppe immer wichtiger, wie nicht zuletzt die erfolgreiche Kapitalerhöhung vor wenigen Wochen zeigte.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.02.2007