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VW-Großaktionär votiert für Pierer

Von Carsten Herz, M. Buchenau
Die einflussreiche Fondsgesellschaft und VW-Großaktionär Tweedy Browne hat sich für Heinrich von Pierer als neuen VW-Aufsichtsratschef ausgesprochen. ?Von Pierer wäre großartig für diese Position?, sagte Thomas Shrager von Tweedy Browne dem Handelsblatt. Es gebe aber noch keine Vorentscheidung, hieß es. Der Aufsichtsrat wird wahrscheinlich im Februar die Top-Personalie beschließen.
FRANKFURT/STUTTGART. Die Vertreter der beiden größten VW-Aktionäre, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, hatten sich Freitag darauf geeinigt, dass ein ?neutraler? Manager zum künftigen Aufsichtsratschef berufen werden soll. Porsche und das Land Niedersachsen hatten Ende der Woche ihren Streit beigelegt. Wiedeking zieht danach mit sofortiger Wirkung für David Simon of Highbury in das Kontrollgremium ein. Der Porsche-Chef wird auch dem Präsidium des Aufsichtsrats angehören, das von vier auf sechs Personen erweitert werden soll. Im Gegenzug räumt VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch 2007 seinen Posten. Damit wird ein monatelanger Machtkampf zwischen den Großaktionären beendet, der das Unternehmen zu lähmen drohte.Neben Wiedeking soll laut Unternehmenskreisen Porsche-Finanzchef Holger Härter im Mai in den Aufsichtsrat gewählt werden. Wulff bestätigte zudem gegenüber der ?Neuen Osnabrücker Zeitung?, dass er Stahlunternehmer Jürgen Großmann in das Gremium holt ? weil der Arbeitsplätze, auch bei Zulieferern, in Deutschland halten wolle. Im Gegenzug verlässt neben Ex-Thyssen-Krupp-Chef Gerhard Cromme auch Klaus Liesen das Gremium. Der frühere VW-Aufsichtsratschef Liesen wird Ehrenvorsitzender.

Die besten Jobs von allen

Von Pierer und Großmann werden nun als Favoriten für den VW-Aufsichtsratsvorsitz gehandelt. Es gebe aber noch keine Vorentscheidung, hieß es. Es sei auch möglich, dass noch ein Kandidat von außen auf diese einflussreiche Position berufen werde. Offen bleibt, ob Piëch völlig aus dem Aufsichtsrat abtritt. Wulff äußerte ebenso wie Vertreter von Tweedy Browne diese Erwartung. Piëch selbst war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Ende des Streits im VW-Aufsichtsrat macht zugleich den Weg für eine Vertragsverlängerung von VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder frei. Laut Unternehmenskreisen haben sich die Großaktionäre auf eine zweite Amtszeit bis 2012 geeinigt.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Endgültige Entscheidung im FebruarDer Aufsichtsrat wird wahrscheinlich im Februar die Top-Personalie beschließen. Pischetsrieder behauptet sich damit im VW-Machtkampf. Der VW-Chef galt als angeschlagen, nachdem Piëch im Herbst 2005 den IG-Metall-Kandidaten Horst Neumann gegen den Willen des Vorstandschefs zum neuen VW-Personalchef berief. Pischetsrieder beeilte sich zwar, alle Rücktrittsgerüchte zu dementieren. Doch Piëch habe durchaus Überlegungen angestellt, Pischetsrieder durch Audi-Chef Martin Winterkorn abzulösen, berichteten Insider. Wulff und Wiedeking hätten dies jedoch abgelehnt.Auch VW-Markenchef Wolfgang Bernhard geht gestärkt aus dem Machtkampf hervor. Laut Unternehmenskreisen wollen die Großaktionäre seine Position aufwerten, um Bernhard bei der VW-Sanierung zu unterstützen.
Kleinkrieg
Die Großaktionäre Porsche und das Land Niedersachsen hatten wochenlang um einen Posten des Sportwagenherstellers im VW-Aufsichtsrat gerungen.
Einstieg
Porsche hatte Ende September 2005 18,5 Prozent sowie eine Option zur Aufstockung auf 22 Prozent an VW erworben und damit das Land Niedersachsen als größten Anteilseigner abgelöst. Der Stuttgarter Sportwagenhersteller muss für diesen Anteil fast 3,5 Milliarden Euro auf den Tisch legen.
Kritik
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff war or allem Ferdinand Piëchs Doppelrolle als Aufsichtsratschef und Porsche-Eigner ein Dorn im Auge. Wulff sah darin eine Verletzung der Grundsätze der guten Unternehmensführung.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.01.2006