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Vorstellungsgespräch

Ratgeberbücher allein helfen nur bedingt. Der oftmals ernüchternde Spiegel fehlt. Ein erster erfolgversprechender Schritt sollte die kritische Selbstreflektion sein.
Haben Sie in drei oder mehr Vorstellungsgesprächen gefloppt? Dann sollten Sie spätestens jetzt systematisch daran arbeiten, Ihren Auftritt im Bewerbungsinterview zu optimieren.Ratgeberbücher allein helfen nur bedingt. Der oftmals ernüchternde Spiegel fehlt. Ein erster erfolgversprechender Schritt sollte die kritische Selbstreflektion sein. Notieren Sie unmittelbar nach dem Vorstellungsgespräch Situationen, in denen Sie ungeschickt reagiert haben. Schreiben Sie die Fragen auf, die Ihnen gestellt wurden, und Ihre Antworten. Suchen Sie in den Aufzeichnungen mögliche Schwachpunkte. Diskutieren Sie Ihre Analyse in der Familie oder im Freundeskreis.

Die besten Jobs von allen

Kommen Sie so nicht weiter, organisieren Sie ein Laientraining im privaten Kreis. Lassen Sie sich durchchecken: Wie sieht es mit Ihrer Gesamtausstrahlung aus?Treten Sie als Bewerber sicher auf? Gestalten Sie den ersten Kontakt aktiv mit? Ist Ihr Blickkontakt mit dem Interviewer akzeptabel? Können Sie sich angemessen ausdrücken? Vermeiden Sie wiederkehrende Sprachfloskeln? Drücken Sie sich kurz und prägnant aus? Formulieren Sie positiv und aktiv? Unterstreichen Lebenserfahrungen Ihre Aussagen? Passen Mimik und Gestik zu den Aussagen? Setzen Sie Ihre Stimme moduliert ein?Signalisieren Sie durch Ihr Verhalten ausdrückliches Interesse an der Stelle? Sind Sie über Unternehmen und Stelle gut informiert? Verfügen Sie über eine gute Frage- und Antworttechnik? Sind Ihre Aussagen widerspruchsfrei? Hören Sie aktiv zu? Bringen Sie sich in das Gespräch ein? Begründen Sie den Stellenwechsel positiv? Tragen Sie zu einer guten, persönlichen Gesprächsatmosphäre bei?Wollen Sie sich im privaten Umfeld nicht outen, helfen Gruppentrainings. Schreckt Sie der quasi öffentliche Charakter solcher Seminare ab, sind die Trainingszeitpunkte mit Ihrem voll gepackten Terminkalender nicht vereinbar oder haben Sie Zweifel an der Effizienz von Beratungen in Gruppen, müssen Sie tiefer in die Tasche greifen: für ein Einzeltraining.Ihr Verhalten als Bewerber wird dann vom ersten bis zum letzten Kontakt mit einem für Sie unbekannten Interviewpartner beobachtet und einer kritischen Prüfung unterzogen. Die Erfahrungen zeigen, dass wackelige Gesprächskandidaten zehn bis 15 Schwachstellen im Verhalten aufweisen, die sie oft ins Aus kicken.Manchmal reicht dem Interviewer der erste Eindruck: Zum Beispiel bei dem athletischen Produktmanager aus der Betonbranche, der sich nicht auf sein Gegenüber einstellen kann. Der Händedruck ist viel zu stark, die Stimme zu laut und einschüchternd; raumgreifend platziert er seinen Aktenkoffer auf dem Schreibtisch, nachdem er sich gesetzt hat; oder bei dem Geschäftsführer eines Verbandes, der bei unangenehmen Fragen zum Lebenslauf ins Schleudern kommt.Der Interviewer hakt nach, der Gefragte eiert durch seine Antworten; sein Körper geht auf Distanz; kommt eine Frage, rückt er vom Tisch ab, verschränkt die Arme und schlägt die Beine übereinander; seine Antworten beginnt er in dieser prekären Situation mit dem hässlichen "Sag ich mal"; und dies alles mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks. Unglaubwürdig ist auch der gerade gekündigte Marketingdirektor, der eine Märchenstunde über große Erfolge abhält, die er seinem Unternehmen beschert hat. Und ein EDV-Leiter schafft es nicht, ein persönliches Verhältnis zum Gesprächspartner aufzubauen; zu oft verwendet er das unpersönliche Wörtchen "man" und verliert sich in langatmigen Details längst vergangener Projekte.Rund 80 Prozent solcher mehr oder weniger tief sitzenden Schwachstellen fördert schon ein Laientraining an den Tag, wenn es mit der notwendigen Ernsthaftigkeit im Freundes- oder Familienkreis durchgeführt wird. Ein professionelles Einzeltraining spürt noch mehr auf.

Bernd Andersch



Rezension/Buchtipp der Redaktion:

Erfolgreich bewerben - Neue Wege zum Job

Autoren: Sabine Hildebrandt, Peter Woeckel

Für die erste Orientierung gegen Ende des Studiums sind hier alle nötigen Informationen vorhanden, von Jobbörsen im Internet über die Künste von Karriereberatern bis zu den heiß ersehnten Vorstellungsgesprächen. Zum Thema Recruiting-Messen und Workshops werden etwa zwanzig Kontaktadressen im In- und Ausland angeboten. Der Nachwuchs erfährt, was "Bonding-Messen" sind, welche Unternehmen bei "Career Days" ihren Nachwuchs suchen und wie man in die Vorauswahl von "Access" kommt. Fazit: Die beiden Hochschulabsolventen, die auf dem Cover erleichtert mit ihrem Abschlusszeugnis winken, könnten mit diesem Karriereratgeber gut durchstarten.

Societäts-Verlag, 197 Seiten, 26,90 DM



Lesen, um zu sprechen
(Alle vier Titel zum Thema: "Ratgeber: Vortrag und Präsentation - Gezielte Vorbereitung")


Maria Beyer: "Brainland, Mind Mapping in Aktion"
Junfermann Verlag 1993, 44 DM
Buch bestellen

Horst Coblenzer, Franz Muhar: "Atem und Stimme"
Österreichischer Bundesverlag 1992, 26 DM
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Eberhardt Hofmann: "Progressive Muskelentspannung"
Hogrefe Verlag 1998, 44,80 DM
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Martin Kuhlmann: "Last Minute Programm für Vortrag und Präsentation"
Campus Verlag 1999, 29,80 DM
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Dieser Artikel ist erschienen am 21.02.2005