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Vorauseilender Gehorsam

Die hitzige Debatte um die 40-Stunden-Woche lässt Akademiker kalt: Deutschlands Hochqualifizierte üben den vorauseilenden Gehorsam und machen schon heute freiwillig Abstriche bei Arbeitszeiten, Urlaubstagen und Gehalt. So arbeiten Hochschulabsolventen pro Woche im Schnitt fast vier Stunden länger als Mitarbeiter mit geringerer Qualifikation, wie eine Untersuchung des Instituts für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen zeigt.

"Absolventen zeigen viel Verständnis dafür, dass Unternehmen sparen müssen", erklärt Lutz Rachner von der Personalberatung Kienbaum. "Ihre Bereitschaft, Opfer zu bringen, ist sehr hoch." Hochqualifizierte verzichteten bei Verhandlungen mittlerweile auf Extras wie Dienstwagen, Umzugsgeld oder ein höheres Gehalt. Um bis zu 3.000 Euro haben angehende IT-Spezialisten und Ingenieure, die auf dem Arbeitsmarkt noch recht gute Karten haben, ihre Vergütungserwartungen gegenüber dem Vorjahr heruntergeschraubt, ergab eine Umfrage des Trendence-Instituts für Personalmarketing in fünf europäischen Ländern. Die mit einer 40-Stunden-Woche verbundene faktische Lohnsenkung nehmen die Akademiker somit bereits vorweg.

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Auch die derzeit diskutierte Kürzung des Urlaubsanspruchs (siehe Reizfrage) setzen zahlreiche Akademiker bereits um. Vor allem junge, hoch qualifizierte Mitarbeiter neigen dazu, Urlaub verfallen zu lassen, fand das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin heraus. Je höher Mitarbeiter in der Hierarchie eines Unternehmens stehen, desto eher seien sie bereit, auf Urlaub zu verzichten. So lassen Angestellte mit hoch qualifizierten Tätigkeiten jährlich 2,6 Tage Urlaub verfallen; solche mit umfassenden Führungsaufgaben sogar 7,2 Tage.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.08.2004