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Von Opels Tour durch die Schweiz

Von Oliver Stock
In der Schweiz wird an einem neuen Kapitel der Georg-von-Opel-Saga gestrickt. Aber schon wieder sieht es so aus, als liefe für den Spross der Autodynastie nicht alles ganz rund. Die Zürcher Jelmoli-Gruppe bereitet dem deutschen Investor erneut Sorgen.
Georg von Opel, Chef der Beteiligungsgesellschaft GVO, hat einige Probleme mit der Züricher Jelmoli-Gruppe. Foto: PR
ZÜRICH. Zu Erinnerung: Bis vor einem Jahr war von Opel als Investor nur für Kenner eine Größe. Dann ging er selbst mit seiner Firma "Growth Value Opportunities"- praktischerweise abgekürzt: GVO, wie Georg von Opel - an die Börse und trommelte für seine Strategie der ausgewählten Firmenbeteiligungen.Die Aufmerksamkeit wuchs. Niemandem entging fortan, wo von Opel überall mitmischte. Schon gar nicht unbeachtet blieb sein Engagement bei der Jelmoli -Gruppe, einem klingenden Namen in der Schweiz, der beispielsweise auf dem vornehmsten Kaufhaus an der Zürcher Bahnhofsstraße prangt. Die Gruppe hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr von einer Ladenkette zu einem Immobilienkonzern gewandelt.

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Von Opel hat diese Strategieänderung als Mehrheitsaktionär vorangetrieben. Krönung des Plans sollte sein, ein Immobilienpaket im Wert von rund zwei Mrd. Euro an israelische Investoren zu verkaufen. Doch der Deal platzte. Damit nicht genug: Eine Allianz von Jelmoli -Aktionären warf von Opel darüber hinaus vor, "Geld aus der Kasse zu stehlen", indem er versucht habe, Einnahmen der Jelmoli -Gruppe in seine Anlagegesellschaft GVO zu lenken.Die Aktionärsallianz besteht aus den beiden Heuschrecken-Fonds Franklin Mutual Advisers und Fortelus Special Situations Fund. Sie bombardierten den Verwaltungsrat der Jelmoli -Gruppe beim jüngsten Aktionärstreffen im Dezember mit Anträgen, die von Opel dank seiner Mehrheit bei Jelmoli zwar größtenteils verhindern konnte. Die aber dennoch ausreichen, um ihm weiter das Leben schwer zu machen.Der Verwaltungsrat musste sich im Dezember den Vorwurf gefallen lassen, er habe in der Vergangenheit unprofessionell gehandelt und die Aktionäre wüssten bis heute nicht, wie die mit dem Verkauf einzelner Geschäftseinheiten erzielten Einnahmen verwendet werden. Die Folge dieser Vorwürfe war immerhin, dass der Verwaltungsrat neu gewählt wurde.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Aktionäre mosern aufs NeueDrei Herren zogen in das Gremium, von denen niemand wirklich weiß, was sie dazu befähigt, außer dass sie eventuell die richtigen Leute kennen. Da ist zum Beispiel Markus Dennler, der bis ins vergangene Jahr dem Rückversicherer Converium vorstand, ihn gegen Angriffe des Versicherers Scor verteidigte, bis Scor den Preis erhöhte und Dennler von einem Tag auf den anderen seine bisherigen Argumente über Bord warf.Converium ist inzwischen von der Bildfläche verschwunden, Dennler nun wieder aufgetaucht. Oder da ist Barthélemy Helg, der das seltene Kunststück geschafft hat, die Teilhaberschaft einer vornehmen Genfer Privatbank loszuwerden, weil sein Geschäftsbereich verkauft wurde und dem nun ein neuer Wirkungskreis nicht ungelegen kommt. Und da ist Christopher Chambers, zurückgetretener Chef des einst weltgrößten Hedge-Fonds Mangroup, der die Aktionäre um eine Schonfrist von 100 Tagen für die Klärung der künftigen Strategie für die Jelmoli Holding bat.Wie gesagt: Das war im Dezember, Anfang Dezember genauer gesagt. Die Frist ist also längst abgelaufen. Und außer einer Mitteilung der Jelmoli -Gruppe, dass man bis Mitte April Fristverlängerung brauche, um den Aktionären zu erklären, was die neue Strategie bei Jelmoli denn nun sein wird, ist bislang nichts gekommen.Damit allerdings hat Mehrheitsaktionär von Opel sein nächstes Problem. Die Aktionäre nämlich mosern aufs Neue. Aus ihren Kreisen heißt es: Die Immobilien seien eine Sache, mit der sich der Verwaltungsrat beschäftigen muss. Die andere Sache, um die er sich kümmern müsse, sei der Bestand an flüssigen Mitteln. "Das Unternehmen verfügt über eine Milliarde Franken und hat bisher nichts damit gemacht, außer Zins dafür zu kassieren, der in der Schweiz sehr tief ist." Klipp und klar stellt einer fest: "Der Verwaltungsrat hat seine Versprechen nicht gehalten, was nicht gerade zum Aufbau von Vertrauen beiträgt. Er hat innerhalb der ersten 100 Tage keine Ergebnisse geliefert."
Dieser Artikel ist erschienen am 27.03.2008