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Von der Forschungsabteilung in die Chefetage

Dominik Schöneberg
Mit einem Ingenieurabschluss landet man längst nicht mehr zwangsläufig in den Entwicklungsabteilungen der Unternehmen. In vielen Unternehmen übernehmen Ingenieure inzwischen ganz andere Aufgaben, zum Beispiel als Projektmanager, im Vertrieb oder sogar in der Geschäftsführung. Wie angelt man sich seinen Traumjob?
Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen (F&E-Abteilungen) sind die Denkfabriken der Unternehmen. Dort tüfteln Ingenieure neue Produkte aus ? ehemals waren die meisten Ingenieure hier beschäftigt. Laut der VDMA-Ingenieurerhebung (VDMA: Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) haben aber inzwischen mehr als die Hälfte Jobs in anderen Abteilungen. Ingenieure sind an allen Schritten der Herstellung eines Produktes beteiligt: Das reicht von der Entwicklung über die Logistik bis zur Montage. Ingenieure können zum Beispiel auch als Projektmanager, im Einkauf oder im Qualitätsmanagement arbeiten. ?Ingenieure können im Prinzip in einer Vielzahl von Bereichen arbeiten?, sagt Sabine Krömer, Unternehmenssprecherin von Siemens. ?In einem Technologieunternehmen wie Siemens kann, abgesehen von den klassisch kaufmännischen Tätigkeitsbereichen, nahezu jede Abteilung Mitarbeiter mit hohem technischen Sachverstand gebrauchen.?

Bei Siemens arbeiten weiterhin die meisten Ingenieure im F&E-Bereich. Das zweitwichtigste Arbeitsgebiet ist der Vertrieb. ?Von einem Vertriebsmitarbeiter, der Anlagen für die Industrieautomatisierung oder etwa Gasturbinen verkauft, erwarten Kunden natürlich ein hohes technisches Know-How?, sagt Unternehmenssprecherin Sabine Krömer. Im Maschinebausektor arbeitet laut Umfragen schon jeder fünfte Ingenieur im Vertrieb. Insgesamt gilt, je komplizierter und konsumferner ein Produkt ist, desto öfter übernehmen Ingenieure den Vertrieb.

Die besten Jobs von allen


Passenden Studienschwerpunkt wählen

Wer schon vor dem Studium weiß, in welchem Bereich er später arbeiten möchte, sollte auch die Auswahl seines Studiums danach ausrichten. Für alle Berufsprofile gibt es passende Studiengänge oder Studienschwerpunkte an deutschen Hochschulen: "Studenten sollten die zu ihrem Berufswunsch passende Vertiefungsrichtungen wählen", empfiehlt Bernd Andersch, selbständiger Karriere-Coach. Auch während dem Studium kann man sich nebenbei auf seine Wunschkarriere vorbereiten."Wer beispielsweise im Vertrieb arbeiten will, muss sehr gut mit Menschen kommunizieren können", sagt Andersch,

Daher sei es zum Beispiel sinnvoll neben dem Studium an Rhetorik-Seminaren teilzunehmen. Aber auch auf andere Aufgaben können angehende Ingenieure sich schon während des Studiums vorbereiten: "Wer später in der Konstruktions-Abteilung arbeiten möchte, sollte darauf achten, dass er das methodische Handwerkszeug beherrscht", so Andersch. Praktische Erfahrungen bei der Erstellung von Konstruktionszeichnungen am Computer (CAD) sind also Pflicht

Karriere läuft nicht immer nach Plan

Wenn ein Jung-Ingenieur dank guter Vorbereitung seinen Traumjob gefunden hat, ist er aber noch lange nicht auf diese Tätigkeit festgelegt: "Einen roten Faden ? zum Beispiel vom einfachen Konstrukteur bis zum Leiter der Konstruktionsabteilung ? findet man bei Karrieren von Ingenieuren selten", sagt Karriereberater Andersch. Oft seien auch Ingenieure Spielball der Personalpolitik und müssten während ihrer Berufslaufbahn sehr viele unterschiedliche Tätigkeiten ausführen.

Ingenieur auf dem Chefsessel: Jürgen Schrempp, der Vorstandsvorsitzende von Daimler-Chrysler, hat an der FH Offenbach Maschinenbau studiert. Quelle: dpa
Was für die einen ein Fluch sein mag, kann für andere auch ein Segen sein: Da Ingenieure vielfältig einsetzbar sind, haben sie gute Chancen auch auf Wunsch die Abteilung wechseln zu können: ?Wechsel aus der F&E-Abteilung in andere Bereiche sind bei Siemens nicht die Regel, aber durchaus möglich?, berichtet Sabine Krömer. ?Wenn sich ein Ingenieur beruflich neu orientieren möchte, wird er bei Siemens natürlich nicht behindert.? Im jährlichen Personalgespräch könnten die Ingenieure mit ihrer Führungskraft über ihre Weiterentwicklung im Unternehmen sprechen. Ein Thema seien dabei auch Weiterbildungsmaßnahmen: ?Ingenieure können sich bei Siemens nicht nur auf ihrem Fachgebiet, sondern auch kaufmännisch weiterbilden?, sagt Krömer.

Ingenieure im Chefsessel

Selbst der Aufstieg bis nach ganz oben in die Chefetage ist für Ingenieure nicht ausgeschlossen. "Wer in der Konstruktion, Produktion oder im technischen Vertrieb startet, hat die besten Chancen, den Durchmarsch nach ganz oben zu schaffen", sagt Bernd Andersch. In der Maschinenbaubranche besetzen Ingenieure laut der VDMA-Erhebung 63 Prozent der Posten im Vorstand bzw. der Geschäftsführung. Und das gilt nicht nur für kleine Unternehmen: Im zwölfköpfigen Vorstand von Daimler-Chrysler beispielsweise sitzen sieben Ingenieure, unter ihnen auch Vorstandschef Jürgen Schrempp

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Weiterführende Links:

Ausführliche Information zu den möglichen Berufsprofilen von Ingenieuren finden Sie auch auf den Karriereseiten des VDI:
http://www.ingenieurkarriere.de/bewerberservice/beratung/berufsprofile/start.asp

Den passenden Studiengang zu Ihrem Wunschberufsprofil liefert eine Suche im Hochschulkompass:
http://www.hochschulkompass.de

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Ingenieurerhebung 2004 gibt es als PDF-Download (74 Kilobyte) auf der Homepage des VDMA:
http://www.vdma.de/vdma_root/upload/downloads/IE_2004Auswertungkurz.pdf

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Dieser Artikel ist erschienen am 28.06.2004