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Von Anfang an gesellschaftsfähig

Peter Nederstigt
Sobald man weiß, womit sich das Unternehmen beschäftigen wird, sollte man sich Gedanken über die Rechtsform machen.
Von dem Berliner Start-up gab es gerade mal das Konzept eines Internet-Portals für Kinder und das Gründerteam, da stand bereits die ?Kindercampus AG“ auf der Visitenkarte des Vorstands. Wer Christian Sauer, Vorstand für Unternehmensentwicklung, und seine vier Mitgründer deshalb für übermütig hält, tut ihnen Unrecht.

?Sobald man weiß, womit sich das Unternehmen beschäftigen wird, sollte man sich Gedanken über die Rechtsform machen“, meint der Düsseldorfer Rechtsanwalt Dr. Robert Orth. ?Kapitalgeber sehen es sogar gerne, wenn die Gesellschaft schon gegründet ist“, sagt Orth. ?Sie möchten, dass schon möglichst viele Steine aus dem Weg geräumt sind.“

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Spätestens wenn eine Zusage von Geldgebern vorliegt, sollten die Gründer Fakten schaffen. ?Kapitalgeber investieren nur in gegründete Unternehmen. Sonst können sie mit ihnen nicht die nötigen Verträge abschließen“, erklärt Dr. Robert Leuner von der Wirtschaftsprüfungskanzlei Rödl & Partner.

Doch die frühe Gründung liegt auch im Interesse des Unternehmers. ?Sobald man anfängt, geschäftlich tätig zu werden, sollte man aus der unbegrenzten Haftung rauskommen“, sagt Dr. Axel von dem Bussche, Anwalt in der Kanzlei Wessing in Düsseldorf.

Wem das Risiko zu hoch ist, für sämtliche Schulden seines Unternehmens einzustehen, der sollte sich für eine Kapitalgesellschaft entscheiden. Dort ist die Haftung auf die Einlagen der Gesellschafter beschränkt. Im Fall der ?Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (GmbH) sind das insgesamt mindestens 25.000 Euro, bei der Aktiengesellschaft (AG) mindestens 50.000 Euro.

Ein anderes Argument für die Gründung einer Kapitalgesellschaft ist die Beteiligung von Business Angels oder Wagniskapitalgebern. Sie können ihre Anteile bei Kapitalgesellschaften leichter erwerben und – was fast noch wichtiger ist – leichter verkaufen.

Ob es gleich die AG sein muss, hängt vor allem von den langfristigen Plänen ab. ?Wenn ein Unternehmen den Börsengang anstrebt oder Aktien privat platzieren will, sollte es gleich an die AG denken“, meint Robert Leuner. Eine – noch – nicht börsennotierte AG heißt auch ?kleine AG“.

Zwar kann jedes Unternehmen auch später noch in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. ?Jedoch ist die Umwandlung in eine andere Rechtsform ein komplizierter und kostspieliger Vorgang“, mahnt Friedrich von Collrepp im ?Handbuch Existenzgründung“. Dafür, zunächst eine GmbH zu gründen, spricht aus Sicht von Olaf Kranz, Associate bei Wessing, dass sie ?billiger und leichter zu handhaben ist als die AG.“

Doch egal ob GmbH oder AG: Jungunternehmer sollten den Aufwand, der allein bei der Gründung einer Kapitalgesellschaft anfällt, nicht unterschätzen. Ohne Notar läuft nichts, und auch die Hilfe eines Beraters ist empfehlenswert. Das hat seinen Preis: Die Gründung einer Kapitalgesellschaft kostet mehrere Tausend Mark – die Mindesteinlagen nicht eingerechnet. Da bis zur Eintragung im Handelsregister mehrere Wochen vergehen, kaufen manche Gründer gleich eine bestehende ?Vorratsgesellschaft“, was die Kosten laut Axel von dem Bussche verdoppelt.

Dass die Kapitalgesellschaften gerade bei Anfängern sehr beliebt sind, erklärt der Frankfurter Gründerberater Hans Emge mit der ?Angst vor dem Unbekannten, das man als Unternehmerrisiko im Kopf hat“. Doch die beschränkte Haftung bezahlen die Gründer in der Regel mit schlechteren Bedingungen bei der Aufnahme von Krediten.

Unter dem Titel ?Personengesellschaften“ bieten sich Gründerteams aber gleich mehrere Alternativen zur Kapitalgesellschaft. Die einfachste ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Dafür müssen sich mindestens zwei Gesellschafter – das können auch bestehende Unternehmen sein – zusammentun, die einen gemeinsamen Zweck verfolgen. Der Gesellschaftsvertrag, in dem die Rechte und Pflichten der Beteiligten festgehalten werden, kann per Handschlag abgeschlossen werden. ?Zumindest aus Beweisgründen ist jedoch die Schriftform zu empfehlen“, meint nicht nur von Collrepp.

Die ?Steigerung“ der GbR ist die Offene Handelsgesellschaft (OHG). Sie muss wie die Kapitalgesellschaften im Handelsregister eingetragen werden. Wesentliche zusätzliche Voraussetzung: Das Unternehmen muss einen ?in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordern“. Was das konkret heißt, bestimmen die Handelskammern.

In beiden Fällen haften alle Gesellschafter für sämtliche Schulden ihres Unternehmens. Sollte Einzelnen dieses Risiko zu hoch sein, so bieten sich zwei Alternativen. Bei der Kommanditgesellschaft (KG) beschränkt sich die Haftung einiger Teilhaber, der so genannten Kommanditisten, wie bei einer Kapitalgesellschaft auf ihre Einlage. Dafür sichert ihnen das Gesetz auch weniger Mitspracherechte zu.

Eine andere Möglichkeit, Teilhaber an Bord zu holen, stellt die ?stille Gesellschaft“ dar. Auch hier kann der Investor höchstens seine Einlage verlieren. Dafür kassiert er eine Gewinnbeteiligung und verhält sich ansonsten ?still“, wie der Name schon sagt.

Hans Emge glaubt, dass dies eine der zukunftsträchtigsten Formen der Gründungsfinanzierung wird. Unter anderem, weil der stille Gesellschafter auch an Verlusten ?beteiligt“ werden kann. Denn das ist ein weiterer Vorteil einer Personengesellschaft: Gesellschafter können die Verluste von ihrer persönlichen Steuer absetzen.


Nachschlag:

Wie werde ich Unternehmer?
Hans Emge, Rowolth Taschenbuch Verlag, Hamburg, 15 Mark

Handbuch Existenzgründung
Friedrich von Collrepp, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart, 99,90 Mark

Erfolgreich in die berufliche Selbstständigkeit
Günter Kirschbaum und Wilfried Naujoks, Haufe Verlagsgruppe, Freiburg, München, 49,90 Mark
Dieser Artikel ist erschienen am 18.05.2001