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Vom Knastbruder zum Geldautomatenkönig

Von Frank Siering
Wenn DeWayne McKinney morgens aufwacht, schweift sein Blick über den weißen Strand von Honolulu. ?Ich bin happy, mein Leben ist friedlich?, sagt der gebürtige Kalifornier heute. Um Geld muss er sich zudem keine Sorgen machen. Das war nicht immer so.
18 Jahre verbrachte McKinney hinter Gittern. Foto: dpa
HB HONOLULU. Das war nicht immer so. 18 Jahre lang blickte er als Häftling Nummer A 1954 auf kalte Gefängniswände. 18 Jahre lang verbrachte er als unschuldig Verurteilter in einem Hochsicherheitstrakt von San Quentin. 18 Jahre lang war McKinney gebrandmarkt als Mörder.Vier Augenzeugen wollten im Jahre 1980 gesehen haben, wie der damals 20-Jährige eine Burger-King-Filiale überfallen und den Geschäftsführer kaltblütig in den Hinterkopf geschossen hatte. Die Staatanwaltschaft forderte die Todesstrafe. Ein Richter zeigte Milde und verurteilte McKinney zu einer lebenslangen Haftstrafe.

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Aus, vorbei. ?Mein Leben war für mich mit dem Urteil beendet?, sagt er. Es folgen mehrere Selbstmordversuche, eine Tuberkulose-Infektion, zwei Messerangriffe von Mithäftlingen. Später der Wandel: die Bibel, Gott, tiefes Vertrauen in seinen neu gewonnenen Glauben. McKinney holt seinen Highschoolabschluss nach, liest Managementbücher: ?Und meine Gebete wurden erhört.?Vier Mithäftlinge geben 1998 zu, dass sie beim Überfall beteiligt waren. Nicht McKinney, sondern ein noch immer flüchtiger Komplize habe geschossen. Vier Wochen später ist McKinney frei. Nur mit den Kleidern am Leib, steht der Befreite auf einmal als unschuldiger Mann auf der Straße.Das System hat ihn darauf nicht vorbereitet. Als ?Lebenslanger? sah seine Zeit in Haft keine Berufsausbildung vor. ?Warum auch?? sagt er mit leichter Selbstironie. Ein Anwalt findet ihn in einem Obdachlosenasyl und überredet ihn zur Klage. 1,7 Millionen Dollar Schadensersatz bekommt er schließlich vom Staat Kalifornien, eine Million davon bleibt ihm nach Abzug der Anwaltskosten. ?Genug Geld, um ein ruhiges Leben zu verbringen?, erzählt der plötzliche Millionär. Aber McKinney will nicht den Fehler begehen, den viele ?Lottogewinner machen?, will sein Geld ?geschickt investieren, um davon auch noch in ein paar Jahren gut leben zu können?.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Traum wird Wirklichkeit Von der Idee mit den Geldautomaten erfährt er bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung. 5000 Dollar kosten die privaten Geldautomaten, die mittlerweile fast überall in den USA in kleinen Läden stehen. Ihre Betreiber müssen sie füllen, das Geld leihen sie sich bei Banken gegen Zinsen. Wer an diesen Automaten Geld abhebt, zahlt eine Gebühr von rund zwei Dollar. McKinney kauft zunächst einen Automaten. Wenige Monate später besitzt er 20: ?Ich verdiente mehr als 10 000 Dollar monatlich nur an Gebühren.?Auf einmal könnte ein Traum Wirklichkeit werden: Hawaii. Seine Frau Jeannie stammt aus Honolulu, und McKinney empfindet das Leben in Kalifornien ohnehin als ?viel zu hektisch und stressig?. Da passt es, dass es im Inselreich kaum private Geldautomaten gibt.Heute muss er sich nicht mal mehr Geld bei den Banken leihen, um seine Geräte zu befüllen ? es ist sein eigenes. ?Ich verdiene 30 000 Dollar im Monat. Nicht schlecht, wenn man überlegt, dass ich jeden Tag in Badelatschen und T-Shirt zur Arbeit gehe.? Nebenbei hat er sein erstes Strandhaus, das er 2003 für 750 000 Dollar erwarb, gerade für 2,7 Millionen Dollar verkauft: ?Ich habe einfach Glück gehabt. Der liebe Gott passt wohl auf mich auf.?
Dieser Artikel ist erschienen am 04.08.2005