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Vom Animateur zum Medienmogul

Von Susanne Westbrock
Ein Mann, der weiß wie man Geld und Karriere macht ist er sicher, Silvio Berlusconi, Italiens reichster Mann, Medienmogul und Ministerpräsident von Italien. Trotz der vielen Korruptionsvorwürfe sympathisieren viele Italiener mit ihm und sind dem Charme und Humor des 69 jährigen geradezu verfallen.
Ein Mann, der weiß wie man Geld und Karriere macht ist er sicher, Silvio Berlusconi, Italiens reichster Mann, Medienmogul und Ministerpräsident von Italien.
Trotz der vielen Korruptionsvorwürfe sympathisieren viele Italiener mit ihm und sind dem Charme und Humor des 69 jährigen geradezu verfallen.
Berlusconi kontrolliert 75 Prozent aller italienischen Medien direkt oder indirekt. Seine Mediengruppe ?Mediaset? besitzt die drei überregionalen Privat-Fernsehsender ?Italia1?, ?Rete 4? und ?Canale 5?. Neben seinem Medienbesitz ist er Vorsitzender der Partei ?Forza Italia? und Besitzer des Fußballclubs AC Mailand. Heute gehören zu Berlusconis Imperium außerdem die Werbe- und Vermarktungsagentur ,,Publitalia", die Kaufhauskette ,,Standa" und Italiens größter Buch- und Zeitschriftenverlag ,,Mondadori".

Die besten Jobs von allen

Sein Vermögen wird auf rund zwölf Milliarden Euro geschätzt, er gehört so zu den 30 reichsten Menschen der Welt.Dabei stammt Berlusconi aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Geboren wurde er im September 1936 in Mailand als Sohn eines Bankangestellten.
Sein Geld verdiente er sich anfangs neben seinem Studium der Rechtswissenschaften als Animateur auf Kreuzfahrtschiffen. Im Jahre 1931 beendete er sein Studium mit dem Staatsexamen und gründete ein Bau-Holding, dass als Basis für seine weitere Karriere diente.
Seine geschäftlichen und politischen Erfolge verdankt er nicht nur seinem Fleiß und Können, sondern auch der erfolgreichen Instrumentalisierung von Kontakten und dem mehr als originellen Umgang mit Gesetzen.
Berlusconi hat eine Wirtschafts- und zugleich Medienmacht in Italien und Europa erreicht, die nicht zu toppen ist. Dabei sind Berlusconis Medienunternehmen ein permanenter Verstoß gegen das europäische "Anti-Trust-Gesetz", das den Anteil eines Unternehmens landesweit auf 16 Prozent beschränkt. Berlusconi besitzt jedoch mehr als 75 Prozent der privaten Fernsehsender und 40 Prozent des gesamten nationalen TV-Marktes. 60 Prozent der gesamten Werbeeinnahmen laufen in Italien über die Fernsehkanäle, in den Printmedien kann Berlusconi nochmal zwei Drittel für sich verbuchen.
In einer Studie zur internationalen Pressefreiheit, durchgeführt von der Organisation ,,Reporter ohne Grenzen", erreichte Italien nur Platz 53 hinter Entwicklungsländern wie Ghana oder Bolivien.
Schon vor seinem Amtsantritt im Jahr 2001 als Ministerpräsident von Italien, dem höchsten politischen Amt in Italien, war Berlusconi in zahlreiche Korruptionsfälle wie Bestechung, Bilanzfälschung, Steuerhinterziehung und Mafiakontakte verwickelt.
Die Liste der Straftaten ist lang, Berlusconis Atem allerdings auch. Immer wieder ließ er, durch seine Mehrheit in Parlament und Senat, Gesetze auf sich zuschneidern, um seine Macht zu vergrößern, aber auch um sich vor Strafverfolgungen zu schützen.
Bis 2001 wurde er viermal erstinstanzlich zu Haftstrafen verurteilt, aber jeweils zweitinstanzlich freigesprochen. Die Freisprüche erfolgten meist wegen Verjährung.Mit Hilfe des früheren Ministerpräsidenten Bettino Craxi kam es im Juni 2003 zur Verabschiedung eines Gesetzes im italienischen Parlament, das Berlusconi davor schützen sollte, Teile seiner Medienunternehmen verkaufen zu müssen. Dieses Immunitätsgesetz wird spöttisch auch die "Lex Berlusconi" genannt. Die laufenden Strafverfahren gegen ihn wurden daraufhin eingestellt. Auch andere Angeklagte konnten von den Gesetzen profitieren, insbesondere Mafia-Mitglieder, zu denen Berlusconi enge Kontakte nachgesagt werden.2004 wurde das Immunitätsgesetz vom Juni 2003 abgelehnt und bereitete so den Weg für die Wiederaufnahme der Prozesse gegen Berlusconi. Am 12. November 2004 beantragte dann die Staatsanwaltschaft im Strafprozess wegen Bestechung von Richtern im Zusammenhang mit dem Skandal um seine Holding Fininvest acht Jahre Haft. Die Entscheidung des Gerichts erbrachte einen Freispruch auf Grund von eingetretener Verjährung. Dies kam nur zustande, weil Berlusconi als Ministerpräsident diese Verjährung maßgeschneidert dekretiert hatte.Silvio Berlusconi versteht die Medien für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Doch auch Regierungen vor ihm haben die Medien zur Stabilisierung ihrer Macht eingesetzt.
,,Die Machtposition, die Silvio Berlusconi im italienischen Mediensystem erlangt hat, ist sicherlich einzigartig, stellt jedoch in gewisser Weise lediglich die Zuspitzung einer langen Tradition in Italien dar, nämlich der besonders engen Verbindungen zwischen dem politischen System auf der einen Seite und dem Mediensystem auf der anderen Seite?, so kommentierte Gianpietro Mazzoleni, ein Italienischer Autor, die Situation der Medienlandschaft in Italien.
Anfang April diesen Jahres fanden in Italien Regionalwahlen statt. Bei diesen musste Berlusconi und sein Mitte-Rechts-Bündnis schwere Verluste hinnehmen. Wegen der aufkommenden Regierungskrise und der schweren Niederlage sah sich Berlusconi, sowie der UDC-Minister gezwungen, nach einigem Hin und Her als Ministerpräsident zurückzutreten, um eine neue Regierung zu bilden. Doch anders als erwartet überraschte Berlusconi mit einer Änderung des Plans.Berlusconi ging zwar, wie von der Verfassung vorgesehen, zu Staatschef Ciampi, um den Rücktritt der UDC-Minister absegnen zu lassen. Seinen eigenen Rücktritt hatte er aber nicht eingereicht. Statt dessen stellte er im Parlament die Vertrauensfrage, um bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2006 weiterregieren zu können. Nach der Vertrauensabstimmung, die positiv für Berlusconi ausging wurde er am 22.April 2005 von Staatspräsident Ciampi erneut mit der Regierungsbildung beauftragt und somit vereidigt.Die nächsten italienischen Parlamentswahlen stehen erst in der Mitte des nächsten Jahres an, doch anders als erwartet will sich Berlusconi, wieder als Führer eines Parteienbündnisses der rechten Mitte um das Amt des Ministerpräsidenten bewerben.?Ich bin ein Unternehmer, der ein Wunder vollbracht hat?, so Berlusconi über sich selbst. Doch, dass er dieses Wunder nicht mit rechten Dingen vollbracht hat und er nicht legitim an Macht, Geld und Fernsehsender kam, ist heute teilweise bewiesen und wird noch immer in Literatur und Presse heftig diskutiert.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.07.2005