Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Volontärin am Haus der Deutschen Geschichte: Karin Urselmann

Annette Michel-Zielke
Während des Studiums zog die Historikerin durch die halbe Weltgeschichte.
Auf dem Schreibtisch von Karin Urselmann liegt ein knallblauer Herrenanzug, versehen mit Autogrammen der Fußballspieler von Bayer Leverkusen. Das Jackett samt dazugehöriger Hose trug einst Christoph Daum. Nach dessen Drogen-Affäre war der Sponsor nicht mehr sonderlich erpicht darauf, dass Daum damit zu Felde zog, und der Anzug kam unter den Hammer. "Genau das richtige für unsere Ausstellung "Prominente in der Werbung!", entschied Karin Urselmann und fahndete nach dem neuen Besitzer. Der war zwar zunächst überrascht, als sie ihn anrief, ließ sich jedoch davon überzeugen, den Anzug dem Haus der Geschichte in Bonn zu leihen. In dem Museum ist die Volontärin seit Monaten mit den Vorbereitungen beschäftigt. Arbeiten im Museum - damit hat sich die ehemalige Geschichtsstudentin einen Traum erfüllt, zu dem sie allerdings erst auf Umwegen fand - quer durch die halbe Weltgeschichte.

Schnupperstudium in Paris

Die besten Jobs von allen


Das Studium begann die Augsburgerin zunächst in dem karriereverdächtigen Fach Jura. Nach zwei Semestern wusste sie: "Ich bin nicht der Typ, der fremde Menschen verteidigt oder verurteilt" und ging an die katholische Hochschule in Paris. "Die Uni dort ist stark verschult" so Karin Urselmann, und über den festen Klassenverband fand sie sich schnell in das Leben der französischen Metropole ein. Zwei Semester in Geschichte und Französisch an der Pariser Uni überzeugten sie schließlich von dem Wechsel. Zurück in Augsburg immatrikulierte sie sich an der Uni für Neue und Neueste Geschichte sowie Romanistik - die Würfel für den Berufsweg waren gefallen.

In den weiteren Jahren zog es die Studentin immer wieder ins Ausland, stets in der Mission als Historikerin. Zwei Monate lang absolvierte sie ein Praktikum bei den Vereinten Nationen in New York. In der Abteilung Dekolonisation erfuhr sie unter anderem von den Bemühungen der Uno um die Unabhängigkeit der Westsahara. Ein weiteres Praktikum brachte sie an das Züricher Staatsarchiv. Aus drei großen Rollcontainern - Überbleibsel aus der Konkursmasse einer traditionsreichen Wollweberei - filterte sie die Geschichte des Unternehmens heraus.

1992 verließ Karin Urselmann erneut die Augsburger Uni und ging über das Erasmus-Austauschprogramm für ein Semester nach Madrid. Von der Stimmung unter den Erasmusstudenten ist Karin Urselmann bis heute begeistert: "Die Kommilitonen halfen bei der Wohnungssuche, beim Einschreiben und bei vielen anderen Dingen."

Interessante Jobs nur für Promovierte

Ein Jahr später, mit dem Magister in der Tasche, führte sie ihr erster Job ins Saarland. Am dortigen Kulturamt stellte sie für das Städtchen Quierschied eine Gemeindechronik zusammen. "Das war klassische Historikerarbeit" sagt Karin Urselmann über ihre erste Stelle. "Ich habe vor allem in Archiven gefahndet, aber auch Zeitzeugen befragt." Als der Arbeitsvertrag auslief, sah sie sich nach einer neuen Stelle um. Und musste feststellen: "Die interessanten Angebote für Historiker werden fast ausschließlich an Promovierte vergeben." So schrieb sie sich noch einmal an der Augsburger Uni ein - diesmal zum Promotionsstudium - und erlangte zwei Jahre danach die Doktorwürde.

Seit fast zwei Jahren ist die Historikerin jetzt am Haus der Geschichte beschäftigt und hat in dieser Zeit drei Stationen des Museums durchlaufen: Aufbau von Wechselausstellungen, Pflege der bestehenden Sammlungen und die Öffentlichkeitsarbeit. Bald ist das Volontariat Vergangenheit für sie - dann geht es weiter nach Berlin. Sie hofft, an einem der vielen Museen der Hauptstadt weiterhin historische Detektivarbeit leisten zu können. Denn das Aufspüren neuer Exponate findet die 33jährige besonders spannend. Und wenn das nicht klappt? Karin Urselmann zeigt sich optimistisch: "Ich kann mir auch gut vorstellen, Öffentlichkeitsarbeit für ein Museum zu machen."
Zukunftsmusik. Jetzt kommt erst mal der Anzug von Christoph Daum in die Vitrine.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.01.2002