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Volltreffer

Die richtige Literatur ist die halbe Miete für eine wissenschaftliche Arbeit. Ja, ja, gähn, wer weiß das nicht. Aber wie funktioniert die effiziente Recherche?
Junge Karriere hat sich die besten Wege erklären lassen: vom Fachreferenten für Wirtschaftswissenschaften an der Uni- und Stadtbibliothek Köln, Ralf Depping. Er erklärt, wie Studenten am besten Schritt für Schritt vorgehen: Wo sollte man ansetzen und wie lässt sich die Literatursuche sinnvoll einschränken, um nicht im Datenwust zu ertrinken?

Und da theoretisch sowieso immer alles besser klappt als praktisch, haben wir dem Profi gleich noch ein konkretes Thema vorgelegt: "Hörer- und Kundenbindung im Hörfunk. Dargestellt am Beispiel des Senders Radio Köln" (siehe Kasten rechts).

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Wo suchen?

Als Erstes heißt es: die Zettelkataloge und elektronischen Datenbanken der Hochschulbibliothek durchforsten. Dabei sollte man sowohl der Zentral- als auch der Institutsbibliothek einen Besuch abstatten: Häufig sind deren Bestände unabhängig voneinander katalogisiert. Keine Scheu übrigens vor der Recherche bei anderen Fachbereichen. BWLer etwa profitieren oft von der Literatursuche bei den Sozialwissenschaftlern.

Manchmal muss man noch ein Stück weiter gehen - zu einer anderen Hochschule. Eine der Top-Adressen für Wirtschaftswissenschaftler ist die hervorragend bestückte Kölner Uni-Bibliothek.

Generell gilt: Je aktueller und spezieller ein Thema ist, desto eher sollte man nach Aufsätzen suchen und dazu gezielt den Zeitschriftenkatalog durchforsten. Viele periodische Publikationen befassen sich mit übergeordneten Themenbereichen. Zum Thema "Risikomanagement" etwa würde sich dann die Zeitschrift "Risk" anbieten. Die Ausgaben sind jeweils in der Zeitschriftendatenbank (ZDB) der Universität gelistet.

Auch die Zahl der elektronischen Zeitschriften nimmt ständig zu. Allein an der Kölner Universität sind derzeit rund 1.800 Zeitschriften für Wirtschaftswissenschaftler komplett abgespeichert - sprich, auf Anhieb abrufbar.

Wichtig für die Recherche sind außerdem externe elektronische Datenbanken. Die Literatursuche in diesen virtuellen Bibliotheken ist nur an den Computern der Uni kostenlos. Wer von zu Hause aus online recherchieren will, muss dafür zahlen. Für Wirtschaftswissenschaftler ist die Datenbank WISO-Net-WIWI die erste Adresse.

Wie suchen?

Drei Felder sind jeweils für die Datenbankrecherche relevant:

Schlagwort

Mit dem richtigen Schlagwort lässt sich am genauesten recherchieren. Die für diese Kategorie vergebenen Stichwörter beschreiben den Inhalt der Literatur. In manchen Datenbanken ist die Kategorie allerdings auf ganz bestimmte Begriffe festgelegt. Unter dem Stichwort "Hörfunk" beispielsweise findet sich dann sämtliche Literatur, unter dem Begriff "Rundfunk" dagegen gar keine.

Titel

Das gesuchte Stichwort findet sich im Titel der Literatur wieder. Auch hier heißt es, mit Synonymen zu experimentieren - die Suche mit sinnverwandten Stichwörtern erhöht die Trefferquote.

überall

Dies ist eine Mischkategorie, die sowohl Titel als auch Schlagwörter erfasst.

Einige Datenbanken kennzeichnen die erzielten Treffer mit einer Relevanzquote. Diese Rangliste die in Prozent angegeben wird, erleichtert erheblich die Recherche. Hat ein Treffer eine Relevanz von 100 Prozent, kann man sicher sein, dass der gesuchte Begriff im Titel oder Text auftaucht. Bei einer Relevanz von 25 Prozent ist der Begriff nur am Rande erwähnt, etwa in einer Bibliografie.

Manche Universitäten bieten sogar professionelle Recherchedienste an. Das erleichtert mitunter den Anfang der Suche. An der Kölner Universität etwa ist man mit rund 30 Mark dabei.

Wer Kombinationen von Stichwörtern sucht, kann mit so genannten "Operatoren" die Suche eingrenzen:

AND: Der wichtigste Operator, da sich mit ihm gezielter suchen lässt. Man erhält weniger Literaturhinweise, weil beide angegebenen Begriffe im Titel oder Fließtext auftauchen müssen.

OR: Ergibt mehr Literaturhinweise, weil sowohl der eine als auch der andere Begriff in einer Quelle vorkommen kann.

AND NOT: Mit diesem Operator lassen sich bestimmte Stichwörter explizit von der Recherche ausschließen.

Auch die Kategorien der Suchmaske lassen sich miteinander kombinieren. Am ehesten bietet sich "Schlagwort" für die Suche nach einem allgemeineren Begriff (wie "Rundfunk") an. In der Kategorie "überall" wird dann gleichzeitig nach einem konkreteren Stichwort (etwa "Kundendienst") gesucht.

Stichwörter lassen sich mit den Zeichen * oder ? abkürzen. Beispiel: Schlagwort "Kunden*". Mit dieser Abkürzung werden sämtliche Literaturhinweise gezeigt, in denen zusammengesetzte Wörter wie Kundenbindung, Kundenorientierung, Kundenwerbung etc. enthalten sind.

Auch wenn Sie das Jäger- und Sammler-Fieber ergriffen hat: Beschränken Sie Ihre Einstiegsrecherche zunächst auf maximal 50 Titel. Im Laufe der Lektüre stößt man ohnehin auf neue Schlagworte. Und noch mehr wertvolle Quellen sind in den Literaturangaben zu finden. Felix Ullmann
Dieser Artikel ist erschienen am 14.11.2001