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Viel mehr als nur ein Enkel

Von Gregory Lipinski, Handelsblatt
Hans-Georg Barlach verwaltet den Nachlass des berühmten Bildhauers. Und er ist Verleger der Hamburger Morgenpost. Der junge Barlach sieht sich selbst als ?Netzwerker, der versucht, zwischen Kunst und Kommerz zu vermitteln?.
HAMBURG. Hans-Georg Barlach kennt sich aus: Er ist Enkel und Nachlassverwalter des umfangreichen Erbes seines 1938 verstorbenen Großvaters, des deutschen Expressionisten Ernst Barlach. Der junge Barlach sieht sich selbst als ?Netzwerker, der versucht, zwischen Kunst und Kommerz zu vermitteln?. Weltweit nimmt er die Interessen seines Großvaters wahr ? sei es bei verschiedenen Barlach- Stiftungen oder bei der Vorbereitung neuer Ausstellungen. Nur zögerlich trennt sich der Enkel von Skulpturen seines Großvaters; manche zieren auch sein Büro mit der großzügigen Fensterfront zum Garten hin.Barlach ist ein Selfmademanager, seine Vita farbreich: Kunstsammler, Galerist, Baumagnat, Immobilienentwickler und Verleger der traditionsreichen Boulevardzeitung ?Hamburger Morgenpost?, in der Hansestadt kurz ?Mopo? genannt. Mit der im Tabloid-Format erscheinenden Zeitung hat der Verleger viel vor: Er will die Auflage wieder um 20 000 auf 120 000 Exemplare steigern. Optimistisch macht ihn hierbei, dass die Zeitung seit Jahresanfang im Vierfarbdruck erscheint. Mit steigender Auflage erhofft er sich, dass der angestrebte Gewinn von einer Million Euro im laufenden Geschäftsjahr künftig weiter ausgebaut wird. Um die Bekanntheit des Blattes in Hamburg zu stärken, soll die Zeitung in Norddeutschland ein eigenes Fernsehformat erhalten. ?Hans-Georg Barlach ist ein selbstbewusster Verleger. Er ist jederzeit offen für neue Ideen?, meint ?Mopo?-Betriebsrat Holger Artus.

Die besten Jobs von allen

Geboren wird Barlach im schleswig-holsteinischen Ratzeburg. Da er zu Hause als Rebell gilt, schickt ihn sein Vater auf das Internat in St. Peter Ording. Dort nimmt er aber mit 17 Jahren Reißaus und lernt zunächst den Beruf des Chemotechnikers. Doch den Job übt er nicht aus. Denn mit 22 Jahren tritt er bereits das millionenschwere Vermächtnis seines Großvaters an und muss sich schnell im Geschäftsleben zurechtfinden. Mit Geschick vermarktet er international die Werke des Expressionisten, begleitet die vielfachen Stiftungsaktivitäten und beginnt parallel die Entwicklung von Immobilienprojekten.In Berlin übernimmt er in den 90er-Jahren den ?Kunsthof?, der sich in enger Nachbarschaft zur Neuen Synagoge und zur Friedrichstraße befindet. Barlach saniert die ehemaligen Hofanlagen aus der Zeit des Preußenkönigs Friedrich Wilhelms IV. und macht daraus ein kulturelles Zentrum mit Kunstateliers, Galerien, Läden, Cafes und Restaurants.Weniger Glück hat er Jahre später allerdings bei der Bebauung des Süllbergs im Hamburger Nobelviertel Blankenese. Den Gebäudekomplex entwickelt er zusammen mit dem Heidelberger Baulöwen Roland Ernst. Als der bekannteste deutsche Bauherr im Jahr 2000 auf Grund eines Bestechungsskandals und Missmanagements in die Pleite schlittert, muss Barlach sein hier investiertes Kapital abschreiben.Auch sein erstes Medienengagement, die ?Hamburger Rundschau?, bringt kein Geld. Die Auflage der linksliberalen Wochenzeitung ist mit 11 000 zu gering. ?Mit dem Blatt war kein Strauß Blumen zu gewinnen?, gesteht Barlach. Im Jahr 2000 verschwindet die ?Hamburger Rundschau? nach jahrelangen Zuschüssen Barlachs an den Kiosken.Trotz dieses finanziellen Abenteuers lässt Barlach das Zeitungsmachen nicht los: Bereits im März 1999 wittert er die Chance, die ?Hamburger Morgenpost? zu übernehmen. Denn der Hamburger Großverlag Gruner + Jahr (?Stern?, ?Geo?) will sich von der Boulevardzeitung trennen, um sich vornehmlich auf das Zeitschriftengeschäft zurückzuziehen. Nach monatelangen Verhandlungen steigt Barlach zusammen mit dem Hamburger Versandhaus-Erben Frank Otto bei dem Blatt ein. Es wird redaktionell aufgemöbelt, einige Mitarbeiter müssen gehen.Zunächst läuft die Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Freund, dem ?Mopo?-Mehrheitseigentümer glänzend. Doch Ende 2003 kommt es zum Krach: Frank Otto will Christian Heinrich, den Verleger der ?Kieler Nachrichten?, an der ?Mopo? beteiligen. Barlach stemmt sich dagegen, da der Berliner Axel Springer Verlag an den ?Kieler Nachrichten? beteiligt ist und mit den beiden in Hamburg marktbeherrschenden Blättern ?Bild? und ?Hamburger Abendblatt? der ?Mopo? seit Jahren das Leben schwer macht.Barlach nimmt sein Vorkaufsrecht wahr. Mit teilweise finanzieller Rückendeckung des Hamburger Verlegers Heinz Bauer (?Bravo?) erwirbt er alle Anteile Ottos an der ?Mopo?. ?Es kann nicht sein, dass Springer in Hamburg eine Alleinstellung auf dem Zeitungsmarkt bekommt?, rechtfertigt sich Barlach. Dieses energische Vorgehen schätzt auch der ?Mopo?-Geschäftsführer Roger Frach: ?Barlach ist jemand, der sich für die Unabhängigkeit des Verlags einsetzt.?Trotz aller Arbeit ? der Zeitungsverleger ist in erster Linie Familienmensch und Hausmann. Er frühstückt mit seinen beiden Söhnen Nikolas und Johann aus erster Ehe. Er erzieht sie alleine. Barlach, der Verleger und Bildhauer-Enkel, sagt: ?Meine Kinder sind mein eigentlicher Lebensinhalt.?
Dieser Artikel ist erschienen am 13.04.2004