Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Verzicht light

Von Christoph Schlautmann, Handelsblatt
Nach empörten Protesten seiner Kunden und Boykottaktionen gegen Aholds Supermarktkette Albert Heijn verzichtete der frühere Ikea-Chef Anders Moberg generös auf mehrere Millionen Euro Gehalt.
DÜSSELDORF. Zuvor war bekannt geworden, dass Moberg einen leistungsungebundenen Jahresbonus von 1,5 Millionen Euro und eine garantierte Abfindung von zehn Millionen Euro bekommen sollte. Und das von einem Konzern, der wegen drohender Überschuldung vor der Pleite stand.Aber wirklich schwer dürfte dem heute 54-Jährigen der Verzicht nicht gefallen sein. Denn wie dem gestern veröffentlichten Geschäftsbericht zu entnehmen ist, hat Moberg 2003 drei Millionen Euro kassiert, davon 1,79 Millionen als Bonus. Damit gehört er zu den Spitzenverdienern in Europas Konsumgüterbranche.

Die besten Jobs von allen

Zwar dürften die Einkünfte von Metro-Chef Hans-Joachim Körber, der ein fast gleich großes Unternehmen führt, ähnlich hoch sein. Aber im Gegensatz zu dem 57-jährigen Düsseldorfer hat Moberg nur acht Monate für sein Geld gearbeitet. Der lustige Schwede, der stets wie der freundliche Nachbar von nebenan wirkt und einige Pfunde zu viel auf die Waage bringt, trat seinen neuen Job am 5. Mai vergangenen Jahres an. Immerhin senkte Moberg in dieser Zeit drastisch die Schulden, baute die Lagerbestände ab und verbesserte den Cash-Flow.Lenker anderer Konsumgüterriesen lassen sich hingegen auch dann belohnen, wenn der Erfolg ausbleibt. Swatch etwa gönnte seinem Verwaltungsratschef Nikolas Hayek 2003 laut Geschäftsbericht einen Zuschlag von 25 Prozent ? trotz stagnierender Erträge.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.05.2004