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Verzicht auf Kinder lohnt sich nicht

Von Katrin Terpitz
Kinder sind Karrierekiller, Kinder gleich Karriereknick ? Klischees dieser Art scheinen in vielen Köpfen fest zementiert. Doch der Verzicht auf Nachwuchs zahlt sich nicht aus ? zumindest nicht für aufstiegsorientierte Akademikerinnen in typischen Männerberufen.
Erfolgreich trotz Kind: Frauen mit Nachwuchs sind beruflich im Schnitt erfolgreicher als ihre kinderlosen Kolleginnen. Foto: dpa
DÜSSELDORF. ?Aus Angst vor einem Karrierebruch wagen viele aufstrebende Frauen gar nicht erst, Kinder zu bekommen?, bedauert Headhunter Klaus Leciejewski von KDL Consulting in Köln. In Männerdomänen spielen Frauen zwar meist die zweite Geige. Allerdings: Mütter machen dort eher Karriere als Kinderlose.Technikerinnen und Naturwissenschaftlerinnen mit Nachwuchs sind beruflich im Schnitt erfolgreicher als ihre kinderlosen Kolleginnen. ?Allerdings nur, wenn sie nach kurzer Babypause wieder voll einsteigen?, betont die Soziologin Yvonne Haffner von der TU Darmstadt. Sie untersuchte die Situation von 7 500 Ingenieuren, Informatikern, Physikern und Chemikern ? zur Hälfte Frauen. Anders als im Mikrozensus verglich sie erstmals voll berufstätige Frauen ? mit überraschendem Ergebnis.

Die besten Jobs von allen

Fast 40 Prozent der 31- bis 40-jährigen Mütter in Vollzeit waren erfolgreich im Job, aber nur 27 Prozent der kinderlosen Kolleginnen. Den Erfolg maß Haffner an Personal- und Budgetverantwortung, Einkommen, Position und Prokura. Jedoch zeigt die Studie auch: In technisch-naturwissenschaftlichen Berufen gilt wie überall ? Frauen machen weitaus seltener Karriere als Männer. ?Obwohl sie im Schnitt viel bessere Abschlüsse haben?, so Haffner in ihrem Buch ?Mythen um männliche Karrieren und weibliche Leistung? (Verlag Barbara Budrich, 2007). Auch Väter klettern auf der Karriereleiter im Schnitt deutlich höher als Kinderlose. Das gilt für Männer aller Berufsgruppen, belegte der Mikrozensus.Warum aber ist eine Ingenieurin mit Kind im Job erfolgreicher als ihre kinderlose Kollegin? Das untersucht die Studie nicht. Ulrike Detmers, BWL-Professorin an der Fachhochschule Bielefeld und Managerin bei der Gütersloher Großbäckerei Mestemacher, stellt klar: ?Kinder zu haben ist keine Voraussetzung für gutes Management.? Doch zumindest die Wahrnehmung durch andere scheint sich dann zu ändern. ?Mütter umgibt weniger die kühle Aura einer Karrierefrau, die oft so abschreckend wirkt?, beobachtet Personalexperte Leciejewski.Und: Familie verschafft einen gesunden Abstand zum Job. Der Headhunter hat die Erfahrung gemacht, dass Managerinnen mit Kind wesentlich ausgeglichener sind: ?Karrieremütter lassen sich von den täglichen kleinen Katastrophen im Job nicht so leicht aus der Fassung bringen.? Dies kann Sandra Neuwirth, Teamleiterin Komponentendisposition bei Daimler-Chrysler in Berlin und Mutter eines Dreijährigen, nur bestätigen. ?Ich bin noch gelassener, meide ,Zeitfresser? und versuche, jede Minute effektiv zu nutzen.? Auch Detmers, die seit 2002 den Preis ?Managerin des Jahres? verleiht, konstatiert: ?Familiäre Erfahrungen können sich positiv auf die Team- und Führungsfähigkeit auswirken. Zu gewährleisten ist das aber nicht.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wer nicht ständig verfügbar ist, wird kritisch beäugtEntscheidend ist für ambitionierte Mütter vor allem: Sie müssen am Ball bleiben, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Nur die Hälfte der Erfolgreichen hat beruflich pausiert, bei 40 Prozent war die Kinderpause kürzer als sechs Monate. Managerin Detmers rät: Schnellstmöglich wieder zurück an den Arbeitsplatz. Und dies dem Arbeitgeber von Anfang an klar signalisieren. Das tat auch Ingenieurin Neuwirth: ?Mit meinem Chef habe ich frühzeitig vereinbart, dass ich ein Jahr aussetze und dann voll arbeite. So konnte er problemlos für Vertretung sorgen.?Doch nur die wenigsten kommen ganz zurück. Gut ausgebildete Mütter in Teilzeit aber machen eindeutig seltener Karriere. Zwei Drittel von ihnen sind nur wenig oder mäßig erfolgreich, zeigt die Studie. Haffners Fazit: ?Teilzeit ist ein Teufelskreis für die Karriere.? Der Grund: ?Präsenz und Gesichtspflege sind psychologisch enorm wichtig im Job. Wer nicht ständig verfügbar ist, wird kritisch beäugt?, bestätigt Detmers.Obwohl die Vorurteile, die Teilzeitkräften entgegenschlagen, oft unbegründet sind. ?Wer 80 Prozent arbeitet, bringt trotzdem meist 100 Prozent Leistung?, so Detmers Erfahrung im eigenen Betrieb mit 450 Mitarbeitern. Die Studie zeigt zudem: Mütter sind in solchen Firmen erfolgreicher, die Leistung nicht an der Präsenz, sondern am Ergebnis messen. Von kulanter Zeiteinteilung profitiert auch die 34-jährige Neuwirth. ?Chefs und Kollegen haben Verständnis, Termine vor 17 Uhr anzusetzen. Falls es später wird, bin ich natürlich dabei.? Neben einem verständnisvollen Arbeitgeber ist die ? zumindest moralische ? Unterstützung vom Partner Dreh- und Angelpunkt für Karrieremütter. Denn sie heiraten meist gleichrangige Partner ( also homogam) und leben als klassisches Doppelkarriere-Paar ? mit allen Belastungen.Nur vier Prozent der befragten Mütter können die Kinderbetreuung an den Partner delegieren. So wie Sandra Neuwirth: Ihr Mann, ein Ingenieur, nahm ebenfalls ein ganzes Babyjahr.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.01.2007