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Versicherte zahlen bei Selbstbehalt-Tarif drauf

Die neuen Selbstbehalt-Tarife, die viele gesetzliche Krankenkassen seit Jahresbeginn den rund fünf Millionen freiwillig versicherten Mitgliedern anbieten, können für die Patienten teuer werden. Wie das Job- und Wirtschaftsmagazin Junge Karriere in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, werden freiwillig Versicherte, die den Selbstbehalt-Tarif gewählt haben, faktisch wie Privatpatienten behandelt. Bei den Arztkosten erwartet die Patienten allerdings eine böse Überraschung: Sie müssen hohe Honorare wie Privatpatienten zahlen, bekommen aber nur die niedrigeren Sätze für Kassenpatienten erstattet.Der neue Selbstbehalt-Tarif der gesetzlichen Krankenkassen ist laut Gesetz an ein Kostenerstattungsmodell geknüpft. Die Kassenmitglieder geben beim Arzt nicht wie sonst ihre Versichertenkarte ab, sondern treten als Privatpatienten auf. Sie müssen die Arztrechnungen aus eigener Tasche vorstrecken. Ausgenommen sind Vorsorgeuntersuchungen. Am Jahresende erstattet die Kasse die Kosten abzüglich des vereinbarten Selbstbehalts zwar zurück. Jedoch nur in Höhe der Kassensätze, die bei der Behandlung mit Versichertenkarte entstanden wären. Die Ärzte aber müssen die Behandlung nach der Gebührenordnung für Privatpatienten abrechnen ? und die liegt in der Regel selbst beim niedrigsten Satz höher als der Erstattungsbetrag, so das Magazin weiter. Auf der Differenz bleibt der Versicherte sitzen. Zusätzlich wird eine fünf- bis zehnprozentige Verwaltungsgebühr von bis zu 50 Euro im Jahr fällig. ?Der Tarif macht wirklich nur Sinn für Kerngesunde, die nicht zum Arzt müssen und im Notfall genug Geld haben, um Behandlungskosten vorzustrecken?, sagt Jörn Hüsgen, Chefredakteur Junge Karriere.

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Erklärtes Ziel des neuen Tarifs ist es, die Abwanderung junger, gut verdienender Mitglieder in die privaten Kassen zu stoppen. Allein im vergangenen Jahr verloren die Gesetzlichen rund 363.000 freiwillig Versicherte und damit Einnahmen von 1,8 Milliarden Euro.Die Februar-Ausgabe von Junge Karriere erscheint am 30. Januar 2004.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.01.2004