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"Verpiss dich..."

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Kein Geld für Kurzfrist-Ärger
Eine vorübergehende Streiterei am Arbeitsplatz rechtfertigt noch längst keinen Anspruch auf Schmerzensgeld wegen Mobbings. Das urteilte das Landesarbeitsgericht Mainz. In dem verhandelten Fall verlangte eine Angestellte von ihrem Unternehmen 5.000 Euro Entschädigung, weil sie sich von ihrer Chefin schikaniert fühlte. Konkret konnte sie aber nur einen Fall schildern, in dem die Filialleiterin über sie gelästert hatte.
Kein Geld für Kurzfrist-Ärger
Eine vorübergehende Streiterei am Arbeitsplatz rechtfertigt noch längst keinen Anspruch auf Schmerzensgeld wegen Mobbings. Das urteilte das Landesarbeitsgericht Mainz. In dem verhandelten Fall verlangte eine Angestellte von ihrem Unternehmen 5.000 Euro Entschädigung, weil sie sich von ihrer Chefin schikaniert fühlte. Konkret konnte sie aber nur einen Fall schildern, in dem die Filialleiterin über sie gelästert hatte. Die Richter entschieden deshalb auf Nicht-Mobbing, weil kein systematisches Anfeinden und Diskriminieren vorgelegen hätte.
LAG Mainz 9 Sa 597/04


Gutsherrenart geht durch
Ein Vorgesetzter kann einen autoritären Führungsstil und eine derbe Wortwahl an den Tag legen, ohne dass er sich gleich des schmerzensgeldpflichtigen Mobbings schuldig macht. Das geht aus einigen Landesarbeitsgerichtsurteilen hervor. Bare Münze für erlittenen Stress, Magenkrämpfe oder Depressionen kann nur dann erstritten werden, wenn der Chef "dauerhaft systematisch degradierend oder beleidigend" handelt und der Mitarbeiter dadurch "psychisch beeinträchtigt" wurde. Ein Vorgesetzter, der einfach durchweg eine autoritäre, aber nicht verletzende Schiene fährt, mag zwar eine Landplage sein, ist aber nicht per se ein Fall fürs Gericht.
LAG Berlin 16 Sa 2280/03
LAG Schleswig-Holstein 3 Sa 542/03
LAG Thüringen 5 SA 102/2000


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Keine Kündigung für Schimpfwort, Abmahnung für Stinkefinger

Wer seinen Chef beschimpft, fliegt nicht automatisch raus. Das stellte das Arbeitsgericht Frankfurt klar. Eine Angestellte hatte während eines Streits die Führungsqualitäten ihres Chefs lautstark angezweifelt und ihm "Hau ab" und "Verpiss dich" auf türkisch entgegengeschmettert. Das Unternehmen quittierte diesen Gefühlsausbruch mit einer fristlosen Kündigung. Völlig übertrieben fanden das die Richter und begründeten das mit dem üblicherweise etwas derberen Umgangston in der besagten Branche, dem Reinigungsgewerbe. Eine sachliche Ermahnung wegen des unangemessenen Tonfalls hätte völlig gereicht, so die Richter.
In einem anderen Verfahren urteilten die Richter strenger: Dort war der Stinkefinger gegen einen Vorgesetzten eine Abmahnung wert. Der Stinkefinger sei eine "beleidigende, vulgäre Geste", die der Chef nicht hinzunehmen bräuchte.
AG Frankfurt 9 Ca 11504/03
AG Frankfurt 6 Ca 11145/02


Asoziale Chefs müssen gehen
Vorgesetzte, die gegenüber ihren Mitarbeitern eine schlechte Kinderstube raushängen lassen, stören den Betriebsfrieden und dürfen vor die Tür gesetzt werden. Im verhandelten Fall grüßte eine Abteilungsleiterin ihre Mitarbeiter nicht, verweigerte ihnen den Handschlag und zog über sie her. "Sozialverhalten mangelhaft" fand das Unternehmen, und das Bundesarbeitsgericht gab ihm Recht.
BAG 2 AZR 128/95uh
Dieser Artikel ist erschienen am 28.07.2005