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Verlierer im Ostereier-Krieg

Von Andreas Hoffbauer
Er wusste, dass es kein leichter Job wird. Doch was Justin King in den ersten zwei Amtswochen als neuer Chef der britischen Supermarktkette Sainsbury erlebte, war ein hartes Stück Arbeit.
LONDON. Erst musste er seinen Job mit einer Gewinnwarnung starten, dann verunsicherten Gerüchte über Kaufinteressenten den Betrieb. Dazu Probleme bei der Expansion und eine Neuordnung des Managements.Der 42-Jährige, der zuvor eher unspektakulär, aber erfolgreich die Lebensmittelsparte von Marks & Spencer geführt hatte, wird sich über Ostern sicher gefragt haben, ob sein Wechsel auf den Chefsessel bei Sainsbury richtig war. Finanziell lohnt es sich: King hat sein Gehalt auf einen Schlag fast verdoppelt. Er bekommt nun umgerechnet eine Million Euro im Jahr ? plus Aktienoptionen in gleicher Höhe.

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Für den forschen Briten hat sich vor allem aber ein Karrieretraum erfüllt: Seit 20 Jahren hat sich King in der Lebensmittel- und Supermarktwelt nach oben gearbeitet. Für ihn ist der Chefsessel bei dem 135 Jahre alten Traditionsnamen Sainsbury nun aber die Krönung seiner Laufbahn. Bemerkenswert: Dabei ist er erstaunlicherweise unbekannt geblieben, Details aus seinem Privatleben gibt es nicht, der Branchentratsch erwähnt ihn nur selten.Im Gegensatz zu Sainsbury: Um den Supermarktriesen ist es seit Jahren nicht mehr gut bestellt. Noch Mitte der 90er war Sainsbury der größte Lebensmittelhändler im Land. Heute rangiert die Marke hinter Marktführer Tesco und Asda (Wal-Mart) nur noch auf Rang drei. Zugleich wird King?s Reich von Morrison bedrängt, das nach dem Kauf von Safeway stark geworden ist.Zwar kann nach dem Kartellrecht kein Konkurrent die Kette übernehmen. Doch lauern schon Private- Equity-Firmen darauf, sich die 463 Supermärkte einzuverleiben.Lesen Sie weiter auf Seite 2:Um erfolgreich zu sein, muss der frisch Gekrönte viele Schlachten schlagen. Mit Preissenkungen will King der Konkurrenz Kunden abjagen. Doch ein Preiskrieg um Ostereier endete ohne Zugewinne ? auch die anderen senkten die Preise, alle zählten zu den Verlierern.Dazu kommt der hausinterne Krieg. ?Der Kaffee in der Zentrale ist besser geworden?, spöttelt ein Branchenkenner. ?Man muss aber noch immer eine Stunde warten, um gnädig zur Audienz empfangen zu werden.? Diese Attitüde kennt kaum einer besser als King. Er hat vor 15 Jahren als Mars-Manager so manche Stunde nervös bei Sainsbury im Vorzimmer gewartet. Diese starre Kultur will King unbedingt aufbrechen. Verkörpert wird sie durch seinen Vorgänger Peter Davies, der auf den mächtigen Chairman-Posten wechselt. Ob King wirklich ?freie Hand? haben wird, wie Davies beteuert, ist fraglich. Immerhin hat er bei Marks & Spencer ähnliche Blockaden geknackt.Immerhin ist ihm die erste kleine Revolution schon gelungen: An seinem ersten Tag als Chef lud er nicht zum Presseempfang in die Zentrale, einem pompösen Glaspalast in bester City-Lage ? er besuchte lieber einige Supermärkte und sprach mit Kunden und Mitarbeitern.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.04.2004