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Verjüngungskur im Siemens-Aufsichtsrat

Von Christoph Hardt
Die Siemens AG verjüngt auch ihr Kontrollorgan. Einen Tag nachdem Chief Executive Officer (CEO) Peter Löscher die Neuordnung des Konzerns und viele Neubesetzungen im Vorstand verkündet hat, bestätigten Unternehmenskreise umfangreiche Veränderungen im Aufsichtsrat. Demnach wird sich eine Reihe vor allem älterer Mitglieder zurückziehen.
MÜNCHEN. Am Mittwoch hatte der Aufsichtsrat über die Neuordnung des Vorstands und seine eigene Neuformierung auf der Kapitalseite entschieden. Der Vorstand wird von elf auf acht Mitglieder verkleinert, fünf bisherige Vorstände geben ihre Posten auf. Auch im Aufsichtsrat gibt es fünf Neubesetzungen.So rückt mit Nicola Leibinger-Kammüller erstmals eine Frau auf die Kapitalseite des Kontrollgremiums. Die 47-jährige Philologin ist Chefin des Laserspezialisten Trumpf und gilt als eine der bekanntesten deutschen Managerinnen.

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Ebenfalls bemerkenswert ist die Berufung Håkan Samuelssons. Der 56-jährige Schwede ist CEO von MAN und als solcher ein guter Nachbar von Siemens. Vor allem aber hat er das Vertrauen von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der auf Samuelssons Expertise in Fragen guter Unternehmensführung (Corporate Governance) setzt. Dem Vernehmen nach hat Cromme Samuelsson auf den Sitzungen des Corporate-Governance-Komitees, dem er vorsteht, schätzen gelernt.Cromme hat in den vergangenen Wochen intensiv nach neuen Mitgliedern Ausschau gehalten, schließlich war seit Monaten klar, dass es auch im Kontrollgremium zu einem tiefgreifenden Wechsel kommen würde, da mehrere Mitglieder entweder aus Altersgründen ausscheiden oder aber ihre Bereitschaft bekundet hatten, auszuscheiden.So wird sich Allianz-Chefkontrolleur Henning Schulte-Noelle, 65, von Siemens verabschieden. Er gehörte dem Aufsichtsrat seit gut zehn Jahren an, nun räumt er den Platz für Michael Diekmann, 52, der auch in der Allianz sein Nachfolger als Vorstandschef wurde. Ebenfalls ausscheiden werden der ehemalige Chef der Hypo-Vereinsbank, Albrecht Schmidt, 70, der Wissenschaftler Walter Kröll, 69, der New Yorker Immobilienunternehmer Jerry Speyer, 67, und der frühere Pharmamanager John David Coombe, 62.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zwei verlässliche Ansprechpartner in Schlüsselpositionen bleibenDafür rücken der Aufsichtsratschef des französischen Konzerns Saint Gobain, Jean-Louis Beffa, und der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Peter Gruss, ins Kontrollgremium nach. Offiziell wollte Siemens die Namen nicht bestätigen, doch wird heute die Einladung mit den Personalvorschlägen zur Hauptversammlung Ende Januar verschickt.Auf der Arbeitnehmerbank hatte es schon im Herbst einige Veränderungen gegeben. Nachdem die Vertreterin der ins Zwielicht geratenen Arbeitnehmerorganisation AUB ihren Verzicht erklärt hatte, sitzen dort nur noch Vertreter der IG Metall. Einer ihrer Funktionäre sagte, er rechne mit einer konstruktiven Arbeit im Kontrollgremium. Wichtig sei, dass mit Cromme und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verlässliche Ansprechpartner in Schlüsselpositionen blieben.Cromme hat in den vergangenen Monaten eine enge Abstimmung mit seinem Stellvertreter, dem IG-Metall-Chef Berthold Huber, gesucht. Dem Vernehmen nach harmonieren beide miteinander, man vertraue einander. Dies sei wichtig, weil Siemens mit weiteren Belastungen aus den Korruptionsskandalen rechnet.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.12.2007