Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Verhalten aus der Steinzeit?

Von Susanne Westbrock
Frauen in Führungspositionen sind immer noch selten. Claus von Kutzschenbach zeigt mit seinem Buch ?Frauen, Männer, Management: Führung und Team neu denken?, dass wir auf das Potenzial gebildeter Frauen in der Deutschen Wirtschaft nicht verzichten können. Mit viel Witz und Humor erörtert Kutzschenbach die Unterschiede des weiblichen und männlichen Führungsstils: Wo liegen die Differenzen zwischen Mann und Frau? Was können wir jeweils vom anderen Geschlecht lernen?
Mit viel Witz und Humor erörtert Kutzschenbach die Unterschiede des weiblichen und männlichen Führungsstils. Er erläutert mit zahlreichen Beispielen, wo die Differenzen zwischen Mann und Frau liegen und was wir jeweils vom anderen Geschlecht lernen können.
So kann man feststellen, dass Frauen Harmonie und Einklang mit ihren Kollegen suchen, wobei Männer oft zu Machtkämpfen neigen. Außerdem suchen Männer, nach Ansicht des Autors, immer wieder nach klar geregelten Hierarchiestrukturen. Frauen hingegen arbeiten meistens lieber in horizontalen Netzwerken, was auch daran liegen mag, dass ?bei Frauen oft keine den Boss? machen will.


Die besten Jobs von allen

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau lassen sich medizinisch erklären.
Frauen verfügen über eine höhere verbale Intelligenz, da sie im linken Frontalhirn mehr Neuronen und damit eine höhere Verknüpfungsdichte aufweisen. Bei Männern ist dieser Zusammenhang nicht zu finden, obwohl sie die gleiche Intelligenz haben. Auch kamen Genforscher zu der Erkenntnis, dass der Unterschied zwischen menschlichen Geschlechtern größer sei als der zwischen menschlichen Rassen: Ein männlicher Affe sei einem Mann genetisch ähnlicher als einer Frau und umgekehrt.
Kutzschenbach bringt aber nicht nur medizinische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse ein, sondern versucht mit einem Augenzwinkern das Verhalten von Mann und Frau mit dem Verhalten im Steinzeitalter oder im Kindergarten zu erklären.So scheinen die Grundzüge des Verhaltens in der Steinzeit noch immer in abgeschwächter Weise mit denen unserer heutigen Zeit überein zu stimmen.
Schon damals sei der Mann bei der Verteidigung und Jagd zur Arbeitsteilung gezwungen gewesen. Der Mann musste sich so in erste Hierarchiestrukturen eingliedern. Das Verhalten des Mannes zeichnete sich vor allem durch Aggressivität und seinen Beschützerinstinkt aus.
Frauen waren der kommunikative Gegenpart zu den Männern. Sie waren neben der Kinderaufzucht mit vielen Arbeiten beschäftigt und tauschten sich über ihr Leben ständig mit anderen Frauen und Kindern aus, so die Argumentation des Autors.
Diese Verhaltensweisen könne man teilweise auf die Situation im heutigen Management übertragen, in der noch heute die Unterschiede von Mann und Frau deutlich werden.
So fallen Männer besonders durch ihre klar definierten Ziele, in einer klar definieren Rangordnung, und Frauen durch spontane, kreative und wortgewandte Beiträge auf.
Von Kutzschenbachs Buch können Männer und Frauen gleichermaßen lernen und Situationen oder Konflikte mit dem anderen Geschlecht besser verstehen.
Interessant sind die vielen Fallbeispiele, die Kutzschenbach anbringt, um die unterschiedlichen Vorgehensweisen von Managern und Managerinnen zu unterstreichen.
Eine gute Ergänzung bieten die Kommentare von und Interviews mit Frauen in Führungspositionen wie Aletta Gräfin von Hardenberg (Deutsche Bank), Sabine Nikodem (Werbeagentur Prisma), Maud Pagel (Deutsche Telekom), Monika Rühl (Lufthansa) und Heike Tyrtania (DaimlerChrysler).
Das Buch beschäftigt sich aber nicht allein mit den unterschiedlichen Führungs- und Teamverhalten von Mann und Frau, sondern auch mit Management und Personalentwicklung im Allgemeinen. So gibt Kutzschenbach Tipps für das Berufsleben und die Kontakte zu Kollegen oder Kolleginnen.
Und eins ist sicher: Aha-Effekte sind garantiert. Nach der Lektüre denkt man über einige Situationen im Berufleben anders als vorher. So sitzt man dann am Schreibtisch eher mit einem Schmunzeln als mit getrübter Stimmung, wenn gerade mal wieder ein typischer Konflikt mit einem Kollegen anstand.
Dieser Artikel ist erschienen am 08.07.2005