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Verhalten

Susanne Weber
Wer Angst vor einer bestimmten Situation hat, neigt dazu, diese Situation zu vermeiden - die Angst wird so verstärkt. Die Situation verliert ihren Schrecken aber nur dann, wenn man sich ihr aussetzt.
Wer Angst vor einer bestimmten Situation hat, neigt dazu, diese Situation zu vermeiden - die Angst wird so verstärkt. Den entgegengesetzten Weg geht die systematische Desensibilisierung: Man konfrontiert sich mit den Situationen, die Angst machen - allerdings in kleinen Dosen. In dieser Situation lernt man dann, sich zu entspannen. Die Situation verliert ihren Schrecken zum einen durch simple Gewöhnung, zum anderen dadurch, dass gefürchtete negative Konsequenzen ausbleiben und durch die Entspannungsübungen ein angenehmes Gefühl erzeugt wird. Es handelt sich um eine Technik der Verhaltenstherapie, die aber auch alleine ausprobiert werden kann.Wer eine wichtige Prüfung vor sich hat, kann sich vorher einigen weniger wichtigen Prüfungen aussetzen: Einem Sprachtest, einer Prüfung in einer Sportart und ähnlichem. Oder man macht sich durch Rollenspiele mit der Prüfungssituation vertraut: Möglichst realistisch sollte die Prüfungssituation nachgespielt werden; Freunde übernehmen die Rolle von Prüfer und Beisitzer. Ist der erste Moment der Peinlichkeit überwunden, gelingt es den meisten Rollenspielern, sich in die simulierte Situation hineinzuversetzen. Der Prüfungsängstliche macht sich auf diese Art mit der Situation vertraut und übt seine Strategien eines besseren Angst-Managements.

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Ebenso wirksam kann es sein, sich durch das eigene Verhalten zu belohnen. Wer den ganzen Tag gepaukt hat, sollte abends etwas Schönes unternehmen und Freunde treffen, ins Kino oder auf ein Konzert gehen usw. Viele Studenten, die sich auf eine Prüfung vorbereiten, machen den Fehler, sich kaum noch Pausen und freie Tage zu gönnen. Da aber kein Mensch über Wochen hinweg täglich zehn Stunden effektiv lernen kann, erweist man sich damit einen Bärendienst: Der Frust wächst, die Konzentration sinkt, und Vergnügungen gehen einem durch die Lappen. Also lieber regelmäßig einen Tag frei machen; danach lernt es sich wieder umso besser. Und damit sinkt die Angst vor der Prüfung.Der Freundeskreis und die Familie sind wichtig in dieser Stress-Situation und man sollte sein soziales Netz nutzen. Dazu gehört es, sich den Frust von der Seele zu reden und auch einmal zu jammern. Wichtig sind auch konkrete Hilfestellungen: Wenn die Zeit knapp wird, können Freunde lästige Pflichten übernehmen. Jetzt wird eigenes soziales Verhalten belohnt: Wer selbst hilfsbereit ist, kann auf andere bauen. Grundsätzlich gilt: Man sollte gut zu sich sein in stressigen Zeiten und sich auf jede mögliche Art verwöhnen.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.05.2005