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Verdacht der Untreue

Ein umstrittenes Aktien-Optionsgeschäft bringt den ehemaligen Mobilcom-Chef Gerhard Schmid nun ins Fadenkreuz der Justiz. Die Kieler Staatsanwaltschaft hat wegen des Verdachts der Untreue Anklage gegen Schmid erhoben.
Der ehemalige Mobilcom-Chef Gerhard Schmid steht nun im Fadenkreuz der Justiz, Foto: dpa
HB/dpa KIEL. Die Staatsanwälte werfen Schmid vor, in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender von Mobilcom rund 70 Mill. ? an die Firma Millenium seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram gezahlt zu haben. Ein Teil der Zahlungen sei ohne vertragliche Grundlage geleistet worden und das Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung sei nicht ausgewogen gewesen.Damit habe Schmid seine Sorgfaltspflicht als Vorstandsvorsitzender der Mobilcom AG verletzt, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Dem Konzernunternehmen Mobilcom Kommunikationstechnik GmbH sei ein Schaden von mindestens 16 Mill. ? entstanden. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kiel muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Schmid entscheiden. Ein weiteres Verfahren gegen Sybille Schmid-Sindram wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue sei abgetrennt worden und kommt damit vorläufig nicht zur Verhandlung.

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Die Zahlungen von Mobilcom an Millenium stehen im Zusammenhang mit einem umstrittenen Aktien-Optionsgeschäft, das im vergangenen Jahr zum Zerwürfnis zwischen Schmid und Großaktionär France Télécom und in der Folge fast zur Insolvenz der Mobilcom AG führte. Schmid-Sindram hatte Mobilcom-Aktien für ein Händler-Motivationsprogramm bereitgestellt und dafür eine Optionsprämie erhalten. Der Anwalt Schmids, der Kieler Strafrechtler Professor Erich Samson, kündigte an, er werde vor dem Landgericht beantragen, die Anklage zurückzuweisen. Der Vorgang sei als eine komplizierte Frage der rechtlichen Bewertung von Aktien-Optionsgeschäften anzusehen.Schmid hatte im vergangenen Jahr im Zuge der Mobilcom-Krise sowohl sein Amt als Vorstandsvorsitzender als auch das Verfügungsrecht über seine Aktien eingebüßt, die von einem Treuhänder verwaltet werden. Wegen des Kursverfalls der Mobilcom-Aktie musste er zudem ein privates Insolvenzverfahren anmelden. Nach Auskünften aus dem Kreis der Gläubiger hat Schmid rund 300 Mill. ? Schulden. Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Beginn des Jahres gegen den Mobilcom-Gründer und seine Ehefrau und hat auch Büro- und Privaträume durchsucht.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.08.2003