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Veränderung

Elisabeth H. Jahrreiß
Bewegung ist Veränderung. Immer schneller verändern sich unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen, Unternehmen, Organisationsstrukturen, Kommunikationswege.
Bewegung ist Veränderung. Immer schneller verändern sich unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen, Unternehmen, Organisationsstrukturen, Kommunikationswege. Doch jede neue Idee hat mindestens 100 Gegner, die mit erstaunlicher Energie auf dem (vermeintlich) Bewährten bestehen und Besitzstände sichern, das Erprobte verteidigen und jede noch so schlechte Sicherheit, jedes noch so schädliche Verlierermuster bewahren wollen, nur weil sie nichts mehr fürchten als die mit der Veränderung einhergehende Unsicherheit, Angst oder (vorübergehende) Leere. Selbst wenn Menschen mit dem Verstand begreifen, dass die Veränderung sie erfolgreicher, glücklicher, unbeschwerter machen würde, halten sie an dem Bekannten, Vertrauten fest. In unserer westlichen Welt werden Werte wie Festigkeit, Konsequenz, Unnachgiebigkeit hoch gehandelt, auch wenn in jedem Anforderungsprofil Flexibilität und Veränderungsbereitschaft auftauchen.

Veränderungsbereitschaft heißt Lernbereitschaft. Mut zu Neuem. Mut zum Risiko. Mut, Fehler zu machen und aus Erfahrungen zu lernen. Niederlagen als Chance zu begreifen. Erfolgreiche Menschen ringen sich immer wieder durch, andere, unbequeme Wege zu beschreiten. Sie wissen, dass diese Wege beschwerlich sein können und glauben nicht an "Wie werde ich reich und glücklich in drei Tagen"-Tipps. Wenn diese Menschen Angst haben, Fehler machen oder in alte Gewohnheiten zurückfallen, nehmen sie dies nicht als willkommenen Anlass, auf dem alten Weg weiterzugehen, sondern machen sich die Vorteile des neuen Verhaltens klar. Diese Menschen sind vergleichbar mit dem Bambus, der fest und widerstandsfähig ist und doch so biegsam und flexibel, dass er mit dem Wind gehen kann.

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Überprüfen Sie, wie Sie zu Veränderungen stehen - und überdenken Sie, was Sie ändern könnten:

  • Welche größeren Umbrüche und wesentlichen Weichenstellungen hat es in Ihrem Leben schon gegeben?

  • Welche haben Sie selbst initiiert?

  • Aus welchen schlechten Erfahrungen, persönlichen Niederlagen oder Rückschlägen haben Sie welche Lehren gezogen?

  • Wie überprüfen Sie, ob Ihre Verhaltensweisen noch der Situation angemessen sind?

  • Wann haben Sie persönlich in der letzten Zeit Feedback eingeholt und erhalten? Wie gehen Sie damit um?

  • Welche größere Veränderung haben Sie in der kürzeren Vergangenheit vorgenommen?

  • Welche Verhaltensweisen oder welche Gewohnheiten möchten Sie gerne ändern? Welchen Verlust würden Sie erleiden?

  • Wie viel Angst haben Sie davor, erfolgreich zu sein?

  • Haben Sie schon einmal grundlegend Ihre Einstellung zu einem wichtigen Thema geändert, und was war der Anlass?

  • In welchen Bereichen Ihres privaten oder beruflichen Lebens sind Sie besonders experimentierfreudig?

  • Wann haben Sie das letzte Mal Ihre Möbel umgestellt, den Urlaubsort gewechselt, eine unbekannte Musik gehört, neue Menschen kennen gelernt, Ihren Tagesrhythmus geändert?

  • Kennen Sie Ihre persönlichen Grenzen? Welche größte persönliche Grenze haben Sie im vergangenen Jahr überschritten?

  • Wie gehen Sie mit Veränderungswünschen Ihrer Mitarbeiter um?

  • Was ist der Unterschied zwischen willensschwach und veränderungsbereit?
Stellen Sie sich vor, Sie sollten ein Märchen über Ihr Leben schreiben. Es handelt von einem, der sich verwandelt. Zugunsten einer ersehnten Sache muss er auf etwas anderes verzichten. Lassen Sie sich von Paulo Coelhos "Maktub" inspirieren: "Der Meister sagt: Wenn wir ahnen, dass die Zeit für eine Veränderung gekommen ist, beginnen wir unbewusst, all unsere Niederlagen bis zu diesem Augenblick wie auf einem Video vor unserem inneren Auge an uns vorbeiziehen zu lassen. Je älter wir werden, desto größer wird natürlich die Anzahl der Niederlagen. Doch mit ihnen ist auch unsere Erfahrung darin gewachsen, wie diese Niederlagen zu überwinden sind und wie man einen Weg finden kann, der uns weiterführt. Auch dieses Band sollten wir in unseren geistigen Videorecorder einlegen. Sehen wir nur das Video mit den Niederlagen an, lähmt uns das. Sehen wir uns nur das Video mit den Erfahrungen an, glauben wir am Ende dass wir weiser sind, als es tatsächlich der Fall ist. Wir brauchen beide Videos."
Dieser Artikel ist erschienen am 04.03.2002