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USA muss nicht sein

Christoph Mohr
Der Master of Business Administration (MBA) kommt aus den USA. Noch heute finden sich dort die besten Business Schools. Harvard hat seine Fallstudien-Methode in alle Welt exportiert, die Chicago Graduate School of Business strotzt nur so vor Nobelpreisträgern. Doch gute europäische Business Schools sind eine echte Alternative.
Glaubt man den international maßgeblichen Rankings, gibt es keinen Zweifel: Wem das Beste gerade gut genug ist, der muss nach Amerika. Die wirklich guten MBA-Programme gibt es, so scheint es, nur auf der anderen Seite des Atlantiks. Die einflussreiche Rangliste der Financial Times verzeichnet unter den zehn besten Business Schools der Welt nur eine einzige europäische (Insead), unter den 20 besten sind es ganze drei. Ähnlich das Bild beim US-Wirtschaftsmagazin Business Week: Wharton, Kellogg, Harvard, Sloan (MIT), Fuqua (Duke), Michigan, Columbia, und Cornell dominieren das Feld

Es mag sein, dass ein MBA von Wharton oder Harvard den größten Marktwert ? sprich: Karriere- und Einkommensvorteil ? in den USA besitzt. Doch für einen deutschen MBA-Interessenten ist das nur relevant, wenn er seine berufliche Zukunft in den USA sieht. Und auch nur unter der Voraussetzung, dass ein deutscher Absolvent einer US-amerikanischen Business School in den USA die gleichen Karrierechancen hat wie ein Amerikaner. Wer?s glaubt, wird selig

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Es kann nur immer wieder betont werden: Für den Wert eines MBA ist letztlich nicht die Position in einem Ranking entscheidend, sondern nur, was die potenziellen Arbeitgeber von dem Programm halten. Und was sagen die?

?Die meisten deutschen und europäischen MBA-Anbieter sind Schrott?, sagt ein Personaler einer deutschen Großbank. ?Drei Viertel können Sie in die Tonne hauen.? Die Botschaft ist klar: Wer mit einem MBA einer europäischen Business School Karriere machen will, der sollte eine führende Schule in West- und Südeuropa oder in Großbritannien (siehe Junge Karriere, Juni 2002) wählen

?Für die Boston Consulting Group sind europäische und amerikanische Top-MBA-Schulen gleichwertig?, erklärt BCG-Recruiting Director Dominik von Achten. Mit der Betonung auf ?Top?. Genauso äußert sich Anja Hoffmann, zuständig für MBA-Recruiting beim Münchener Beratungsunternehmen Roland Berger

In der Personalabteilung von Daimler-Chrysler sieht man sogar einen leichten Vorteil für Europa: ?Die kulturelle Vielfalt Europas wird an einer europäischen Business School intensiver gelebt als an einer amerikanischen. Auch die nicht ausschließliche Konzentration auf Case Studies entspricht oftmals eher unseren Anforderungen.?

Aber Vorsicht: ?Beim MBA ist der Ruf einer Schule entscheidend. Ich würde sogar sagen, wichtiger als die Universität bei einer Promotion?, warnt Dr. Klaus Behrenbeck, der bei McKinsey für Recruiting verantwortliche Partner

Ein gutes Indiz ist, wo Unternehmen, besonders die klassischen MBA-Rekrutierer im Investmentbanking und Consulting, ihren Nachwuchs hernehmen. Auch wenn sie sich grundsätzlich jeden MBA-Absolventen anschauen ? aktiv und mit nicht geringem finanziellen Aufwand suchen sie nur an einer Hand voll Schulen

?Unsere Investment Banking Division rekrutiert an Insead und der London Business School, Trading und die Fixed Income Division außerdem noch an IESE?, verrät man bei Morgan Stanley Dean Witter, der auch in Europa (mit) führenden US-Investmentbank

?BCG Deutschland rekrutiert MBAs aktiv besonders an Insead und in St. Gallen, hier allerdings primär Hochschulabsolventen. Darüber hinaus bemühen sich unsere europäischen Kollegen um Nachwuchs von den Top-Schulen ihres jeweiligen Landes?, sagt von Achten. Fast identisch ist die Auswahl von McKinsey: ?Wir rekrutieren an einer Reihe europäischer Top-Schulen; schwerpunktmäßig sind dies Insead, St. Gallen und ESCP-EAP.?

Anja Hoffmann vom Beratungsunternehmen Berger, ist präziser: ?Wir rekrutieren aktiv an IESE, Insead, RSM, IMD, Bocconi und konzentrieren dort auch unsere Personalmarketing-Aktivitäten. Unser Pariser Büro rekrutiert auch an HEC, unser Schweizer Büro an der Universität St. Gallen.? Fast identisch die Auswahl von Bertelsmann: ?Wir rekrutieren aktiv an IMD, Insead, ESCP-EAP, IESE, an der Universität St. Gallen (HSG) und teilweise auch an Bocconi, HEC und RSM.?

Am Ende mag die Entscheidung USA oder Europa eine Frage der Opportunitätskosten sein: Ein guter MBA ist teuer, wobei neben den direkten Studienkosten noch der Verdienstausfall zu Buche schlägt. Und da sind die in der Regel einjährigen MBA-Programme in Europa klar günstiger als die zweijährigen in den USA

?Das Entscheidende ist letztendlich nicht allein die Business School, an der ein Bewerber seinen MBA erlangt, sondern was für eine Persönlichkeit er ist, ob er unserem Anforderungsprofil entspricht und ob er zu uns passt. Die Wahl der Business School ist ein wichtiges, aber nicht das entscheidende Auswahlkriterium?, erklärt McKinsey-Mann Behrenbeck. Also alles wieder offen? Nicht ganz: ?Wir schauen uns alle Bewerber mit MBA an?, sagt der BCG-Recruiter von Achten. ?Aber unsere Erfahrung zeigt, dass gute Leute auch nur an gute Schulen gehen.?

Dieser Artikel ist erschienen am 23.09.2002