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Urs Rohner geht

Deutschlands größter TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 trennt sich von Konzern-Chef Urs Rohner. Der 44-Jährige verlässt nach Angaben des Unternehmens den Konzern zum 30. April auf eigenen Wunsch. Der Nachfolger steht schon fest.
Laut einem Agenturbericht will Urs Rohner seinen Posten als Chef des TV-Konzerns Pro Sieben Sat1 aufgeben, Foto: dpa
HB MÜNCHEN. Nachfolger wird der Belgier Guillaume de Posch, der seit einigen Monaten bereits für das operative Geschäft verantwortlich ist. Hinter der Personalrochade steht der US-Milliardär Haim Saban. Eine Investorengruppe um Saban hatte im vergangenen Jahr die Mehrheit an der Sender-Kette übernommen.Rohner stand seit Anfang 2000 an der Unternehmensspitze. Erst im vergangenen Herbst war sein Vertrag vom Neueigentümer, dem amerikanischen Medienmogul Haim Saban, vorzeitig um zwei Jahre bis Ende 2006 verlängert worden. Dennoch sind die Spekulationen über einen Abgang Rohners nie abgerissen.

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Saban begründete damals die Vertragsverlängerung damit, dass Rohner bei der weiteren Konsolidierung des Fernsehunternehmens uneingeschränktes Vertrauen genieße. Unter Rohners Führung habe sich die Pro Sieben Sat 1-Gruppe in den vergangenen zwei Jahren trotz der Insolvenz der Kirch Gruppe und des schwierigen Marktumfelds erfolgreich im Wettbewerb behauptet und weiterhin schwarze Zahlen geschrieben, erklärte Saban damals. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Rohner zudem den Gewinn der Gruppe verdreifacht.Laut einer Pressemitteilung von Pro Sieben Sat.1 dankte Saban dem 44-jährigen Rohner für seine Arbeit. ?Mit der Fusion von Pro Sieben und Sat.1 hat er in den vergangenen vier Jahren eine international einzigartige Senderfamilie geschaffen.? Saban sagte, er bedaure Rohners Entscheidung, die Gruppe zu verlassen.Der Belgier de Posch wechselte von der Unternehmensberatung McKinsey 1993 zum luxemburgischen Medienkonzern CLT, für den er mehr als vier Jahre das französischsprachige TV-Geschäft steuerte. ?Er hat den Ruf, die Ziele, die er vorgibt, auch klar umzusetzen?, heißt es im Unternehmen über de Posch. Bei Analysten stieß dies zuletzt auf Wohlwollen, im Unternehmen weniger. ?Intern hat man Respekt vor ihm, vielleicht sogar ein bisschen Furcht.?Deutschlands größter TV-Konzern setzt im laufenden Jahr auf weitere Kostensenkungen, um seinen Gewinn trotz der anhaltenden Flaute auf dem Fernseh-Werbemarktes deutlich zu verbessern. 2003 hatte ProSiebenSat.1 mit Kostenreduzierungen, vor allem durch den Verzicht auf die Fußball-Bundesliga, seinen Gewinn auf 45 Millionen Euro verdreifacht. Der Umsatz fiel aber erneut um fünf Prozent auf 1,807 Milliarden Euro. Nach Marktanteilen konnte der Konzern die Sender der RTL-Gruppe auch 2003 nicht überholen.Am Dienstag kündigte der Konzern eine konstante Dividende von zwei Cent je Vorzugsaktie an. Die Stammaktionäre sollen erneut leer ausgehen.Die Pro Sieben Sat.1-Aktie konnte vor dem Hintergrund des Berichts deutliche Kurszuwächse verbuchen. Das Papier notierte am Mittag zeitweise mit 14,70 ? um gut 2,2 % im Plus.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.03.2004