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Unzumutbarer Großaktionär

Von Peter Heinlein, Handelsblatt
Es ist vorläufiger Höhepunkt des öffentlichen Gezänks um die Kommunikationsberatung Hunzinger AG: Das Unternehmen erteilt Bolko Hoffmann, der mit 45 Prozent faktisch die Mehrheit an der PR-Firma hält, Hausverbot.
HAMBURG. Es ist vorläufiger Höhepunkt des öffentlichen Gezänks um die Kommunikationsberatung Hunzinger AG. Hoffmanns Effecten-Spiegel AG hält daran mit knapp 45 Prozent die faktische Mehrheit. Er freut sich über gute Zahlen der dazugehörigen Bild-Agentur Action Press und der Infas-Marktforschung. Den PR-Bereich würde er gern abstoßen, schon nach der Hauptversammlung Ende Mai. Dagegen wehrt sich der Urheber des Verbots, der 44-jährige PR-Profi und Vorstandschef Moritz Hunzinger. Er selbst hält keine Anteile mehr am von ihm vor 25 Jahren gegründeten Unternehmen, hat aber einen Vertrag bis Ende 2007.Nach Bekanntwerden der politischen Verbindung Hoffmanns mit dem geschassten Hamburger Innensenator Ronald Schill hatte Hunzinger Anfang der Woche Hoffmann den Zutritt zu den Firmenräumen versagt. Das sei Mitarbeitern und Kunden nicht zuzumuten. Hoffmann kann das sogar verstehen: Es sei o.k., dass sich Hunzinger von pointiert politischen Absichten distanziere, er müsse halt Rücksicht nehmen auf die großen politischen Parteien, mit denen er arbeite.

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Da sind zwei aneinander geraten, die sich für Klamauk nicht zu schade sind. Merkwürdig, denn beider Geschäft ist ein stilles: Hunzinger bemüht sich, auch hinter den Kulissen, den Ruf seiner Klienten zu mehren. Hoffmann ist als Aktionär diverser Unternehmen von Audi über EM-TV bis zur IG Farben an unauffälliger Renditesteigerung interessiert. So hat er nach eigenem Bekenntnis sein Vermögen seit 1967 von 200 Mark auf mittlerweile 50 Millionen Mark gesteigert ? nicht Euro, den lehnt er ab.Doch sind beide große Feuerwerker: Hunzinger, wenn es um ihn selbst geht. Da posaunt er gern, kein PR-Mann sei so erfolgreich wie er, habe so viel verdient und, und, und. Er werde den in Verruf geratenen Beruf des PR-Beraters grundlegend verändern, denke gerade über neue Formate und Methoden nach, überbrüllt er die Bahnhofsgeräusche im Handy.Hoffmann wird laut, wenn es um seine politische Überzeugung geht. Seit Jahren trommelt er dafür, dass deutsche Wirtschaft deutsch bleibt. Nur zuhören mögen ihm bei all dem Lärm die wirklich Wichtigen nicht. Das soll sich ändern: Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg soll seine Partei ?Pro DM? zehn Prozent holen ? dank Ronald Schill. Der Ex-Richter und Rechtspopulist, der sich nach dem Rauswurf aus Regierung und Partei ohne politische Organisation sah, öffnete Hoffmann die Türen der eigenen Splitterpartei ?Pro DM?. Der verpasste er für die Hamburg- Wahl den Zusatz ?Schill?. Dieser soll für ?Pro DM? zehn Prozent holen, die Partei parlamentsfähig machen.Ob sie Verrückte seien? ?Natürlich nicht?, sagt Hunzinger, dazu sei sein Geschäft viel zu sehr auf Konsens ausgerichtet. ?Natürlich nicht?, er stehe zu seiner Überzeugung, sagt Hoffmann. Aber Aufsteiger wie er, Querdenker, würden gern mal als Verrückte bezeichnet.
Dieser Artikel ist erschienen am 08.01.2004