Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Unternehmensgründung per Management Buy Out

Peter Funke
Sie träumen davon, in Ihrer jetzigen Abteilung alles anders (und besser) zu machen? Sie haben schon häufiger gedacht, dass Sie aus dieser Sparte den doppelten Gewinn herausholen würden? Dann tun Sie es.
Sie träumen davon, in Ihrer jetzigen Abteilung alles anders (und besser) zu machen? Sie haben schon häufiger gedacht, dass Sie aus dieser Sparte den doppelten Gewinn herausholen würden? Dann tun Sie es. Vielleicht ist die Tochtergesellschaft, in der Sie arbeiten, tatsächlich nur ein Stiefkind der Muttergesellschaft. Gründe dafür gibt es viele: Das Produkt passt nicht mehr zum Kerngeschäft, der Vorstand glaubt nicht an das Potenzial Ihres Geschäftsfeldes oder verkennt schlicht dessen wahren Wert. Sie aber wissen, dass sich in diesem Kielstein ein Rohdiamant verbirgt.

Und bevor Sie vielleicht Ihren Arbeitsplatz verlieren, weil die Muttergesellschaft beschließt, diese Sparte dicht zu machen, sollten Sie über einen Management Buy Out (MBO) nachdenken. Das bedeutet, Sie kaufen das Unternehmen oder auch einen Teil aus einer Firma heraus. Weil Kapitalgesellschaften ab 2002 Unternehmensbeteiligungen steuerfrei verkaufen können, dürften derzeit viele Konzerne für solche Ideen zu begeistern sein. Zunächst sollten Sie sich einen Überblick verschaffen über die reellen Geschäftschancen und Kostenstrukturen, dann sollten Sie ihr Managementteam aufstellen, schließlich folgt die Geldsuche.

Die besten Jobs von allen


Übernehmen Sie nie die konzerninternen Berechnungen. Nutzen Sie die aktuelle Kalkulation für eine erste Schätzung, mehr nicht. Solche Zahlenwerke haben oft nichts mit den wahren Kosten und Erlösen zu tun. Achten Sie auf interne und externe Umsätze, wie stehen sie im Verhältnis? Sind die unternehmensinternen Preise auch am Markt durchsetzbar?

Welche Umlagen stecken in der Kalkulation? Sie brauchen keinen Betriebsarzt und auch keinen Pensionsplan. Welche zentralen Dienste nutzen Sie, und was würde es Sie kosten, Leistungen wie Personalverwaltung oder Sicherheitsdienste einzukaufen? Oft werden gerade die Kosten für den so genannten Overhead unterschätzt. Werden Ihre Kunden bei ihnen bleiben, wie viele könnten Sie neu gewinnen? Wie lange werden Sie auf Aufträge vom Mutterkonzern angewiesen sein, welches Entwicklungspotenzial hat Ihr Geschäftsmodell?

Wenn Sie auf all diese Fragen eine Antwort haben, dann gehen Sie als nächstes daran, sich ein Team zu suchen. Nehmen Sie sich nie vor, eine Unternehmensübernahme alleine zu stemmen. Überlegen Sie, wen Sie brauchen, wer Dreh- und Angelpunkt in Ihrem bisherigen Unternehmen ist. Der Vertriebsmann, der gleich auch seine Mannschaft mitbringt, der geniale Entwickler, der für die Neuheiten sorgt, der redegewandte Präsentator, der den Vorstandsposten übernimmt - solange diese Positionen offen sind, ist ein MBO zu riskant. Denn dieses Team muss überzeugen, wenn Sie auf Investorensuche gehen, mehr noch als die Geschäftsidee.

Um ein existierendes Geschäft zu übernehmen, ist in der Regel ein Millionenbetrag erforderlich. Jetzt benötigen Sie fremdes Geld. Existenzgründungsprogramme, zum Beispiel von der Deutschen Ausgleichsbank, oder spezielle Beteiligungsgesellschaften helfen. Fonds wie Allianz Capital Partners, Apax oder Cinven haben sich auf Management Buy Outs spezialisiert und legen Geld von Banken oder Versicherungen in MBOs Gewinn bringend an. Im Gegensatz zu einer Bank engagieren Sie sich auch inhaltlich und unterstützen mit Rat und Tat im Tagesgeschäft.

Ihr Engagement ist zeitlich befristet. Die Beteiligungsfonds haben eine feste Laufzeit, an deren Ende der Verkauf der Beteiligung an einen industriellen Investor oder der Börsengang steht. Einige dieser Fonds steigen nur gegen Mehrheitsbeteiligung ein, andere begnügen sich mit Minderheiten. Diesen Partner sollten sie sich sorgfältig aussuchen, denn die Strategie und das Portfolio einer solchen Gesellschaft müssen zu Ihrem Unternehmen passen.

In dieser Frühphase ist vorsichtiges Agieren gefragt. Weihen Sie nur die Personen ein, die absolut unerlässlich sind. Denken Sie bei Verhandlungen mit der Muttergesellschaft auch auch an Facetten wie Mitarbeiterbeteiligungsmodelle zur Motivation der Mannschaft und Regelungen der Patentübernahme. Und Vorsicht mit der Übernahme von Garantieverträgen, die der Alteigentümer abgeschlossen hat! Nehmen Sie die Chance wahr, Konzernballast abzuwerfen und einen Rohdiamanten zu entdecken. Zum Brillianten schleifen müssen Sie den Edelstein dann selbst.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.04.2001