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Unternehmen Uni

Foto: Pixelquelle.de
Dornröschenschlaf in Tübingen, Profi-Management in Kassel. Auf dem Weg zur unternehmerischen Hochschule gibt es gute Ansätze, aber auch viele Defizite. Eine exklusive Prognos-Studie zeigt, dass solche Unis vorne liegen, die straff geführt sind und sich vom Staat freischwimmen.
Dornröschenschlaf in Tübingen, Profi-Management in Kassel. Auf dem Weg zur unternehmerischen Hochschule gibt es gute Ansätze, aber auch viele Defizite. Eine exklusive Prognos-Studie zeigt, dass solche Unis vorne liegen, die straff geführt sind und sich vom Staat freischwimmen

Zu den einzelnen Unis


Die besten Jobs von allen


Top-Unis

Hochschule erreichte Prozentzahl im Benchmarking*
FU Berlin 63,1
TU Dresden 59,2
Uni Kassel 55,2
Uni Kassel 55,2
Uni Freiburg 55,1
Uni Göttingen 54,1
*100 Prozent repräsentieren eine idealtypische unternehmerische Hochschule,
Quelle: Prognos AG

Flop-Unis

Hochschule erreichte Prozentzahl im Benchmarking*
HU Berlin 36,2
Uni Würzburg 36,1
HafenCityUni Hamburg 34,0
Uni Regensburg 29,2
PH Heidelberg 18,5
*100 Prozent repräsentieren eine idealtypische unternehmerische Hochschule, Quelle: Prognos AG

Kaum zehn Jahre ist es her, da stand die Zukunft der Freien Universität Berlin unter keinem guten Stern: Eine Kürzungsrunde jagte die nächste, die Hälfte der Lehrkräfte musste gehen, die Zahl der Studierenden sank unter die Schmerzgrenze. "Alle erwarteten, dass man uns bald besenrein an die Humboldt-Uni übergeben würde", erinnert sich FU-Präsident Dieter Lenzen an die dunklen 90er Jahre. Tempi passati. Allen Unkenrufen und Sparwellen zum Trotz ist die FU heute die leistungsstärkste unter den drei Berliner Unis. Stolz präsentiert Lenzen die aktuellen Rankings: Keine andere deutsche Uni ist so oft unter den Top Ten zu finden wie die FU

Dass die Uni heute so gut dasteht, ist das Ergebnis eines radikalen Reformkurses auf allen Ebenen: Entscheidungsprozesse wurden vereinfacht, Mittel leistungsbezogen vergeben, starke Fächer profiliert und die internationale Vernetzung vorangetrieben (siehe S. 62). Beim Wandel zur unternehmerischen Universität steht die FU an der Spitze der Bewegung. "Natürlich können wir nicht morgen beschließen, Kühlschränke zu produzieren. Trotzdem gelten für uns ähnliche Parameter wie für alle anderen Unternehmen auch", betont Uni-Präsident Lenzen. "Es geht darum, die Ergebnisse zu verbessern und verantwortlich mit Steuergeldern umzugehen.

Durch die BWL-Brille
Unis mit Unternehmen zu vergleichen - darüber rümpft heute niemand mehr die Nase. Längst ist klar, dass die akademischen Bildungsstätten im ständigen Wettbewerb um Köpfe, Mittel und Studierende stehen und sich dafür komplett neu aufstellen müssen. Wie unternehmerisch deutsche Hochschulen tatsächlich denken, und vor allem handeln, hat das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos jetzt in einer Studie, die karriere exklusiv vorliegt, untersucht. Dafür wurde zunächst definiert, wie die idealtypische unternehmerische Universität aussehen sollte: "Eine Uni, die nicht verwaltet, sondern gemanagt wird, die Anreize für gute Leistungen in Forschung und Lehre schafft und nach neuen Wegen der Finanzierung sucht, die sie unabhängiger von staatlichen Geldern macht", definiert dies Prognos-Geschäftsführer Christian Böllhoff

An diesem Sollwert wurden die Hochschulen via Fragebögen und Expertenbewertungen in einem Benchmarking gemessen. Die Ergebnisse flossen ein in die Kategorien Strategiebildung, Qualitätsmanagement, Personalmanagement, Finanzierung, Marketing, Serviceorientierung und Internationalisierung

Auf halber Strecke
Die insgesamt 35 Hochschulen, die in die Studie einbezogen wurden, repräsentieren einen Querschnitt durch die deutsche Uni-Landschaft: Teilgenommen haben Ingenieurschmieden wie Aachen, Darmstadt, Dresden und die frisch zur Elite-Uni gekürte TH Karlsruhe, Traditions-Unis wie Göttingen, Heidelberg und Freiburg oder auch junge Unis wie Kassel oder Dortmund.
Zentrales Ergebnis der Studie: Aufs Ganze gesehen, haben die Unis knapp die Hälfte des Weges zum "Unternehmen Hochschule" zurückgelegt - im Schnitt wurde ein Benchmark von 44 Prozent erreicht. Doch untereinander divergieren die Niveaus stark: So erreichte die am besten bewertete FU Berlin 63,1 Prozent, die schlechteste, die Pädagogische Hochschule Heidelberg, nur 18,5 Prozent (siehe Tabellen S. 60). "Wir haben die Latte bewusst hoch gelegt", sagt Studienleiterin Iris Pfeiffer. "Danach stehen die führenden Unis schon sehr gut da, doch die Studie zeigt auch, dass teilweise noch erhebliche Defizite bestehen."

Tatsächlich fördert der unternehmerische Uni-Check einige Überraschungen zu Tage: Übliche Verdächtige, die in fast allen Rankings vorne liegen, wie die RWTH Aachen oder die Uni Mannheim, stehen zwar in Einzelfeldern wie Finanzierung (Aachen) oder Marketing (Mannheim) sehr gut da, weisen aber Schwachstellen in anderen Bereichen auf. Beide haben zum Beispiel in Sachen Qualitätsmanagement noch einiges aufzuholen.

So manche Traditions-Uni wie Humboldt Berlin (Gesamtwertung Platz 31) oder die Uni Tübingen (Gesamtwertung Platz 29) scheint hingegen noch überhaupt nicht unternehmerisch ausgerichtet. Unerwartet stark dagegen präsentiert sich die sonst weniger aus der deutschen Uni-Landschaft herausragende Uni Kassel (Gesamtwertung Platz drei). Die erst Anfang der 70er Jahre als Gesamthochschule gegründete Uni setzt seit dem Jahr 2000 ihren strategischen Reformkurs konsequent um.

Unis brauchen Manager
Doch was unterscheidet starke von weniger starken Unis? Es ist vor allem die Führung. Hochschulen brauchen einen Macher, oder besser einen Manager, der die Fäden in der Hand hält und gegen Widerstände im eigenen Haus oder aus der Politik ankämpft. Ein solcher Uni-Manager ist zum Beispiel Wolfgang Arndt, Rektor der Uni Mannheim, oder Johann-Dietrich Wörner, Präsident der TU Darmstadt.

Wie viel eine starke Führung ausmacht, zeigt sich an der FU Berlin. Die Freie Universität wird straff regiert von Dieter Lenzen ("Statt kollektiver Verantwortungslosigkeit braucht eine Uni die individuelle Verantwortung von Entscheidungsträgern"), während an der Humboldt-Universität nach dem Weggang von Uni-Präsident Jürgen Mlynek strategische Projekte den Bach heruntergehen. Mlyneks Nachfolger Christoph Markschies kriegt seine Truppe nicht in den Griff, Vizepräsidentin Susanne Baer warf im September das Handtuch.

An der TU Dresden, die laut Prognos hervorragend aufgestellt ist, war es der im vergangenen Jahr verstorbene Kanzler Alfred Post, der die Reformbemühungen nach vorne getrieben hat. Post wurde im Jahr 2004 vom Centrum für Hochschulentwicklung sogar als "innovativster Kanzler der Dekade" ausgezeichnet. Nach seinem Tod wird die Uni nur noch kommissarisch geleitet, viele Projekte sind seitdem ausgesetzt. Wird nicht bald ein adäquater Nachfolger für Post gefunden, könnten viele Bemühungen, wie etwa die, aus der TU Dresden langfristig eine Stiftungsuniversität zu machen, umsonst gewesen sein.

Kämpfen für die Freiheit
Keine neue Erkenntnis ist, dass eine unternehmerische Hochschule Freiheit braucht und nicht am Gängelband des Staates hängen darf. Doch mit der Feststellung ist es nicht getan. Die Unis müssen ihre Freiheiten auch einfordern, was die guten bereits tun: Die TU Dresden hat mit dem Land Sachsen eine separate Vereinbarung zur leistungsorientierten Mittelvergabe getroffen, an der FU Berlin wird ständig versucht, die gegebenen gesetzlichen Möglichkeiten so weit wie möglich auszureizen. Die TU Darmstadt (Gesamtwertung Platz sechs) hat selbst dafür gekämpft, Modellhochschule mit maximaler Autonomie zu werden. Seit Januar 2005 hat die TU Darmstadt sogar ihr eigenes Gesetz in Kraft, das sie unabhängiger macht als jede andere deutsche Hochschule

Ähnlich eigenständig sollen ab Januar 2007 auch die NRW-Hochschulen agieren können. Wenn das neue Hochschulfreiheitsgesetz in Kraft tritt, zieht sich der Staat aus der Detailsteuerung zurück, die Hochschulen bekommen Kompetenzen für Budget, Personal und Organisation und können zum Beispiel eigene Unternehmen ausgründen. Auch in anderen Bundesländern wird sich der Staat zunehmend aus dem Hochschulmanagement raushalten. Diese neue Freiheit, gepaart mit den Studiengebühren, die gerade in mehreren Bundesländern eingeführt werden, erhöhen den Druck auf die Unis, unternehmerisch zu handeln

Dorothee Fricke

Mehr zur Studie
Die Studie Unternehmen Hochschule beruht auf einer Vielzahl von Einzeldaten. Interessierten Hochschulen, die ihre Position im Wettbewerb besser einschätzen wollen, bietet die Prognos AG eine ausführliche Auswertung sowie darüber hinausgehende Beratungsleistungen an. Für ein individuelles Angebot wenden Sie sich bitte an Dr. Iris Pfeiffer, Prognos AG,
Tel.: 030.520059202, E-Mail: iris.pfeiffer@prognos.com.


FU Berlin Best Practice Gesamtkonzept und Strategiebildung

Überall vernetzt
Kurz vor dem Start des Wintersemesters verkündete die FU Berlin ihren neuesten Coup: die Gründung einer eigenen Fortbildungsuniversität. Die "Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW)" soll schon im Herbst 2007 auf dem FU-Campus den Lehrbetrieb aufnehmen und Studiengänge für Berufstätige in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Soziales anbieten. Partner und Gesellschafter ist der Bildungsdienstleister Klett. Für Uni-Präsident Dieter Lenzen beweist die DUW schon jetzt, dass Uni-Ausgründungen nicht nur Technik-Fakultäten gelingen, sondern auch im Bereich der Lehre möglich sind. Die neue Weiterbildungs-Uni ist nur ein unternehmerisches Projekt, mit dem die FU Berlin in der Prognos-Studie bei der Gesamtwertung und in der Kategorie Strategiebildung kräftig punktet. Spitzenplätze nimmt sie zudem in Serviceorientierung, Personalmanagement und Internationalisierung ein. Die Stärke der FU besteht darin, dass sie sich sowohl nach innen als auch nach außen unternehmerisch aufstellt

Intern wurden zahlreiche Gremien abgeschafft und die Verantwortung der Hochschulleitung gestärkt, was Entscheidungswege erheblich beschleunigt. Außerdem führte die Uni ein modernes System der Kosten- und Leistungsrechnung ein: Die Mittelverteilung via Gießkanne wird sukzessive zurückgefahren zugunsten leistungsorientierter Vergabe an die Fachbereiche. Heute beträgt der Anteil etwa 20 Prozent. Konsequent wurden auch Maßnahmen belohnt, mit denen mehr Frauen als Professorinnen gewonnen werden können. Die Erfolge des Reformpakets sind messbar: Der Professorinnen-Anteil an der FU stieg auf 30 Prozent - verglichen mit dem Bundesdurchschnitt von acht Prozent ein gewaltiger Sprung. Die eingeworbenen Drittmittel je Professor konnten seit 2003 auf mehr als das Doppelte gesteigert werden. Nach außen weitet die FU ihren Aktionsradius als internationale Netzwerkuniversität aus. In Kooperation mit starken Partnern, großen Forschungseinrichtungen oder Unis eröffnet sie Dependancen im Ausland. FU-Büros gibt es bereits in New York, Moskau und Peking. Doch nicht nur in der akademischen Welt, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit will die FU sichtbar sein: Die RBB-Talkshow "Kluge Köpfe", bei der Professoren über ihre Arbeit sprechen, wird direkt im neuen Bibliotheksgebäude der Uni aufgezeichnet.

TU Dresden Best Practice Qualitätsmanagement
Bewertung mit System
Hat der Professor den Stoff klar vorgetragen? Waren die Folien verständlich? Typische Fragen aus einem Bewertungsbogen für Uni-Seminare oder Vorlesungen. Dass Studierende Lehrveranstaltungen bewerten, ist inzwischen an vielen Hochschulen üblich, nicht zuletzt, weil es für Bachelor- und Masterstudiengänge sogar Pflicht ist. Oft sind die Evaluationsbögen aber noch ein lästiges Ritual, die Ergebnisse bleiben ohne Folgen. Nicht so an der TU Dresden, wo schon seit 1995 Studierendenbefragungen durchgeführt und die Methodiken ständig verbessert werden. Alle Ergebnisse aus Studierendenbefragungen gehen an die Fachbereiche und die Uni-Leitung, wo sie ausgewertet werden und Verbesserungsvorschläge, wie Prorektor Hans-Georg Marquardt verspricht, auch umgesetzt werden.

Das kann bedeuten, dass die Medienausstattung eines Hörsaals ergänzt wird oder dass das Gespräch mit einem Dozenten gesucht wird, dessen Veranstaltungen schlecht bewertet wurden. Die Sorgfalt kommt nicht von ungefähr: Mit 600.000 Euro pro Jahr steht in Dresden ein überdurchschnittlich großes Budget für den Bereich Qualitätsmanagement zur Verfügung. Neben den Studierenden befragt die TU Dresden außerdem regelmäßig ihre Absolventen zum Berufseinstieg und ihrem weiteren beruflichen Verbleib. Rückblickend schätzen die Ehemaligen auch ihr eigenes Studium ein; ihr Feedback wird an die Fakultäten weitergegeben. Hier ist Dresden der Konkurrenz um einiges voraus. Denn das wichtige Instrument der Alumni-Befragung wird an den meisten Unis bisher kaum genutzt.

Uni Kassel Best Practice Personalmanagement
Professoren als Manager
Orientierungstage gibt es an der Uni Kassel nicht nur für Erstsemester, sondern auch für neue Professoren: Jeder, der einen Ruf an die hessische Uni erhält, wird automatisch zu den nächsten "Neuberufenentagen" einbestellt: Drei Tage lang lernen die neuen Hochschullehrer - 25 bis 30 jedes Jahr - die Strukturen der Hochschule kennen und bekommen einen Crashkurs in Hochschuldidaktik. Vor allem aber werden sie auf ihre Rolle als Führungskraft vorbereitet. Die hessische Uni erwartet von ihren Profs, dass sie mit ihren Mitarbeitern Personalgespräche führen und sich als Mentoren der Studierenden verstehen. "Der gute Forscher macht noch keinen Leuchtturm", ist Uni-Kanzler Hans Gädeke überzeugt, "wir brauchen vor allem Wissenschaftsmanager."

Für viele Forscher, die sich bis dahin vor allem mit ihren Büchern beschäftigt haben, eine ganz neue Erfahrung. Entsprechend gut besucht sind die Coaching- und Weiterbildungsangebote der Uni. Die Managementqualitäten der Hochschullehrer sind aber nicht nur in der Personalführung gefragt: In Berufungs- und späteren Zielvereinbarungen, die jeweils für einen Zeitraum von fünf Jahren gelten, werden die Ausstattung des Lehrstuhls und die zu erbringenden Leistungen, wie etwa der Aufbau von Kooperationen, das Anwerben von Drittmitteln oder eine bestimmte Anzahl von Publikationen, festgelegt. Solche Zielvereinbarungen sind zwar auch im hessischen Hochschulgesetz gefordert, doch so detailliert wie an der Uni Kassel werden sie an kaum einer Uni formuliert. Die Ziele werden später überprüft, wobei das Erreichen durchaus auch Auswirkungen auf das eigene Portemonnaie der Professoren hat: Die Möglichkeiten der neuen leistungsgerechten W-Besoldung werden in Kassel intensiv genutzt.

RWTH Aachen Best Practice Finanzierung
Fundraising nach Plan
Enge Kontakte zur Wirtschaft und das stetige Einwerben von Forschungsgeldern haben der RWTH Aachen bereits den inoffiziellen Titel "Drittmittel-Universität" eingebracht. Von den 515 Millionen Euro, die der Ingenieurhochburg im Jahr 2005 zur Verfügung standen, kamen 143 Millionen aus der Industrie oder von öffentlichen Auftraggebern. Das ist Spitze in Deutschland. Doch in Aachen setzt man längst nicht mehr nur auf Auftragsforschung. Fundraising - an vielen deutschen Unis noch ein echtes Stiefkind - wird hier strategisch angegangen. Mit reinem Spendeneinsammeln, so betont man, habe das wenig zu tun: "Beim Fundraising geht es darum, Gelder für die Weiterentwicklung der Universität zu gewinnen", erklärt Bernd Grohs von der Firma in spirits, den die RWTH als externen Berater engagiert hat

Zwei RWTH-Alumni, die Vobis-Gründer Theo Lieven und Rainer Fraling, besorgten mit 800.000 Euro die Anschubfinanzierung der Fundraising-Aktivitäten, um die sich nun zwei Mitarbeiter hauptamtlich kümmern. Mit Erfolg: Wurden im Jahr 2004 gerade mal drei Millionen Euro eingeworben, waren es 2005 sage und schreibe 44 Millionen Euro. So finanziert Energieriese Eon im Rahmen einer Public-Private-Partnership ein neues Institut für Energieforschung mit. Die Millionenspende des koreanischen Pharmaunternehmers Young-Sup Huh, ebenfalls RWTH-Alumnus, macht den Bau eines gewünschten neuen Lern- und Arbeitszentrums für Studierende möglich. Doch auch weniger betuchte Ex-Studenten sind bereit, ihrer Uni etwas zurückzugeben: Nach einem Aufruf in der Ehemaligen-Zeitung kamen auf Anhieb immerhin 20.000 Euro zusammen

Uni Mannheim Best Practice Marketing
Summacum laude
Sie gilt als die Uni schlechthin für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und will jetzt ihr Profil noch einmal deutlich in diese Richtung schärfen. Professionelles Uni-Marketing gehört dazu: Die Pressestelle wurde zur Abteilung für strategische Kommunikation und Fundraising ausgebaut und mit der Summacum GmbH im Jahr 2000 eine eigene Service- und Marketinggesellschaft ausgegründet. Summacum ist mehr als nur eine Werbeagentur, die sich Kampagnen für die Studiengänge der Uni Mannheim ausdenkt.

Sie vermarktet neben Merchandising-Produkten, Veranstaltungen und Weiterbildungsangeboten auch wissenschaftliche Arbeiten und koordiniert den Career Service der Uni. Ihr jährliches Budget von 2,2 Millionen Euro erwirtschaftet die Summacum GmbH eigenständig. Zum Beispiel zahlen viele Unternehmen eine Menge Geld, um auf der jährlichen Career Fair Mannheimer Absolventen kennen zu lernen. Die Überschüsse fließen gemäß Kooperationsvertrag an die Universität zurück. Übergeordnetes Ziel der Mannheimer Aktivitäten ist jedoch nicht, Profit zu machen, sondern das Serviceangebot und die Infrastruktur für die Studierenden zu verbessern. Denn zufriedene Studenten und gut ausgebildete Absolventen heute bedeuten viele neue Studenten morgen

Uni Göttingen Best Practice Serviceorientierung
Hier werden Sie geholfen
"Geht nicht, gibt's nicht" könnte das Motto der neuen Studienzentrale der Uni Göttingen lauten, die im April 2005 mitten in der Stadt eröffnet hat. Die Uni hat dort alle Dienste und Beratungsangebote für Studierende zusammengeführt. Der Servicedienst hilft vor Ort, am Telefon oder per Mail bei Fragen und Problemen aller Art - von Hilfestellungen bei der Fächerwahl bis zum Auslandsstudium. Kann das Anliegen nicht sofort geklärt werden, kümmern sich die Mitarbeiter darum, einen passenden Experten zu finden. Vorbildlich ist auch das Online-Angebot der Göttinger: Eine mit PIN- und TAN-Nummern gekoppelte Chipkarte, die jeder Student erhält, bietet die Möglichkeit, per Computer Studienbescheinigungen aus dem Internet abzurufen oder sich für das nächste Semester zurückzumelden. Prüfungsergebnisse lassen sich ebenfalls online abrufen.

An der niedersächsischen Uni hat man schneller als anderswo erkannt, dass eine Hochschule sich auch als Dienstleister positionieren und Zusatzleistungen anbieten muss. Zentrale Einrichtungen wie Uni-Bibliothek, Studienberatung und Immatrikulationsbüro sind in Göttingen von allen untersuchten Universitäten am längsten erreichbar. Auch die Wissenschaftler kommen nicht zu kurz. Beispielsweise kümmert sich ein Dual-Career-Service darum, dass Lebensgefährten von Neuberufenen einen Arbeitsplatz finden, neue Uni-Mitarbeiter bei der Suche nach Wohnungen oder Kindergartenplätzen unterstützt werden. Doch die Göttinger, die neben der FU Berlin oder der RWTH Aachen im Bereich Serviceorientierung in der Spitzengruppe rangieren, müssen sich ranhalten. Denn auch andere Unis sind erfreulicherweise keine Servicewüste mehr: Durchschnittlich erreichen die von Prognos untersuchten Unis in dieser Kategorie 70 Prozent im Benchmarking.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.01.2007