Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Unternehmen sparen drastisch bei Geschäftsreisen

Von Thorsten Giersch
Deutsche Firmen müssen ihre Kosten senken. Daher nehmen inzwischen auch Top-Manager im Billig-Flieger oder der Economy-Class Platz. Bei Übernachtungen wird in den Unternehmen dagegen weniger gegeizt.
DÜSSELDORF. ?Fast drei von vier deutschen Unternehmen haben 2004 ihre Ausgaben für Geschäftsreisen zwischen zehn und 30 Prozent gesenkt?, sagte VDR-Präsident Michael Kirnberger. ?Bei jedem zehnten Unternehmen lag der Einsparungseffekt sogar bei über 30 Prozent.? Die Effizienz der Reisetätigkeit habe darunter aber nicht gelitten: ?Die Unternehmen haben erkannt, dass sie ihre Kosten ohne Verlust an Sicherheit und Qualität senken können?, so Kirnberger. Vor allem größere Konzerne hätten dafür eine strikte Kostenkontrolle eingeführt: Intensive Preisvergleiche, die Nutzung von Billig-Airlines und Direktbuchungen im Internet unter Ausschaltung der Reisestellen böten die größten Sparpotenziale.Nach den Beobachtungen des VDR setzen vor allem größere Unternehmen verstärkt auf eigenes Personal für das Travel Management. Kleinere und mittlere Unternehmen würden dagegen stärker auf die Hilfe von Geschäftsreisespezialisten in der Reisebürobranche zurückgreifen. TQ 3, DER Business Travel und Carlson Wagonlit Travel (CWT) als die größten Geschäftsreisevermittler haben sich auf den Spartrend voll eingestellt. Die Agenturen organisieren wie interne Reisestellen die Business-Trips der Unternehmen selbst und greifen auf spezielle Computersysteme zurück, um im Internet die günstigsten Angebote zu finden. Und als Dienstleister helfen sie Firmen, Reiserichtlinien festzulegen.

Die besten Jobs von allen

Rund 7,4 Millionen Mitarbeiter gehen laut VDR jährlich auf Geschäftsreise. Dabei gelte vor allem ein Grundsatz, betont Martina Eggler, CWT-Vertriebschefin: ?Viele Unternehmen sparen bei den Flügen, aber bei Hotels muss ein gewisser Standard bleiben.? Vor allem bei den Übernachtungen ? 2004 waren das in Deutschland immerhin 50 Millionen ? wird nach Beobachtungen der Branche kaum gegeizt. ?Eine Internetverbindung muss schon sein, und auch eine gute Lage ist wichtig. Wenn das Hotel weit vom Verhandlungsort entfernt liegt, kostet das Geld für ein Taxi und vor allem Zeit?, so Eggler. Geschäftsreisende buchten in der Regel Drei- oder Vier-Sterne-Hotels, größeren Luxus erlauben viele Reiserichtlinien nicht mehr.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eher wird beim Fliegen gespart.Eher wird beim Fliegen gespart. Für viele Geschäftsreisende ist es heute kein Problem mehr, zwei oder drei Stunden mit dem Billig- statt dem Linienflieger zu reisen. Da die Low Cost Carrier aber nicht überall starten und landen, profitieren vor allem Unternehmen in der Nähe ihrer Zielflughäfen im Westen Deutschlands von ihnen: Am Flughafen Köln/Bonn etwa starten Germanwings und HLX innerdeutsch und europaweit, in Dortmund sind Easyjet oder Air Berlin mit einem großen Flugangebot vertreten.Auch Top-Manager nutzen nach den Beobachtungen der Geschäftsreisespezialisten Billigflieger. Ein Imageproblem sei das für Firmen nicht, meint Eggler: ?Im Gegenteil: Mit Low Cost Carriern zu fliegen, gilt inzwischen sogar als sportlich.? Langstreckenflüge würden dagegen weiter bei etablierten Fluglinien gebucht. Allerdings müssten auch hochrangige Firmenmitarbeiter immer öfter in der Economy- statt in der Business-Class Platz nehmen.Trotz der Sparmaßnahmen bleiben Geschäftsreisen bedeutend. Der VDR geht in seiner aktuellen Studie zum Thema davon aus, dass ihre Zahl bis 2006 gleich bleibt oder sogar leicht ansteigt. Neue technische Kommunikationsformen beeinträchtigten diesen Trend nicht, glaubt Eggler: ?Videokonferenzen haben Reisen in keiner Weise ersetzt.? Und auch bei TQ 3 weiß die Sprecherin um die Bedeutung des persönlichen Kontakts: ?Es geht nicht ohne den Handschlag.?
Dieser Artikel ist erschienen am 16.11.2005